Beliebte Institution könnte folgen

Wechsel im Bourbaki: Was folgt auf das Uhrengeschäft?

Die Luzerner Stadtbibliothek im Bourbaki soll mehr Platz erhalten – das fordern zwei Grossstadträte. Für Patrick Deicher, Präsident der Stiftung Bourbaki Panorama, ist das eine Option. (Bild: Emanuel Ammon/AURA/zvg)

Zwei Grossstadträte wollen, dass die Luzerner Stadtbibliothek das derzeit leer stehende Ladenlokal im Bourbaki-Gebäude übernimmt. Die Verantwortlichen des Gebäudes zeigen sich offen.

Die Luzerner Stadtbibliothek im Bourbaki-Gebäude ist beliebt. Laut den Grossstadträten Mario Stübi (SP) und Mirjam Fries (Mitte) so beliebt, dass es darin zusehends eng wird. Gleichzeitig biete sich derzeit eine «einmalige Gelegenheit» für die Stadt, wie die beiden Politiker schreiben. Dies, weil das Uhrengeschäft Swiss Lion im Erdgeschoss des Gebäudes ausgezogen ist und die Verantwortlichen das Lokal nun zur Miete ausgeschrieben haben.

In einem soeben eingereichten dringlichen Postulat fordern die Stadtparlamentarier deshalb, dass sich die Stadt Luzern um die frei werdende Fläche bemühen soll – zugunsten der Stadtbibliothek. «Mit einer Übernahme des Lokals erhielte die Bibliothek zusätzlich einen direkten Bezug zur Gastronomie des Hauses sowie eine ebenerdige Wirkung auf den Löwenplatz hinaus», schreiben sie.

Erweiterungen der Bibliothek hätten aufgrund des «anspruchsvollen Standorts» bislang immer verworfen werden müssen. «Somit bleibt unter anderem ein publikumsintensiveres Veranstaltungsprogramm weiterhin nicht möglich», geben die Postulanten zu bedenken. Sie wollen, dass die Stadt schnell agiert. Die Zeit drängt, denn das Ladenlokal befindet sich aktuell auf dem Markt.

Stiftung ist offen für Gespräche

Doch ist das Vorhaben überhaupt realistisch? Patrick Deicher ist Präsident der Stiftung Bourbaki Panorama, die wiederum Miteigentümerin der Liegenschaft ist und deren Verwaltung sicherstellt. Er sagt auf Anfrage: «Für uns ist das ein denkbares Szenario.» Man könne sich gut vorstellen, das Ladenlokal der Stadtbibliothek zu vermieten.

Es ist nicht die einzige Fläche, welche die Stiftung vermietet. Auch die Neugass Kino AG (betreibt ebenfalls die Bar im Erdgeschoss), das Stattkino, ein Coiffeursalon und weitere Lokale haben sich im Gebäude eingemietet.

Momentan sei man dran, das rund 300 Quadratmeter grosse Ladenlokal für die Vermietung auszuschreiben. «Wir möchten die Nachfolge möglichst nahtlos gestalten», sagt Deicher. Dabei gebe es auch die Möglichkeit, die Fläche aufzuteilen.

Bourbaki erhält kaum öffentliche Gelder

Der aktuelle Mietvertrag läuft gemäss Deicher noch bis Ende 2024. Der Mietzins entspreche der «städtebaulich sehr interessanten Lage». Sprich: Ganz günstig wird das Lokal nicht zu haben sein.

Der Grund dahinter sei, dass die Stiftung den Unterhalt des Hauses ab nächstem Jahr komplett aus den Mieteinnahmen finanzieren müsse, wie Deicher erklärt. Man erhalte kein Geld von der öffentlichen Hand. Auch heute sei dieser Beitrag bereits sehr klein, die Stiftung erhalte einzig eine kleine Summe via Billettsteuer von der Stadt Luzern. Zudem sei sie aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit vom Kanton Luzern steuerbefreit.

Den finanziellen Aspekt thematisieren auch die Postulanten: «Eine Übernahme durch die Stadtbibliothek wäre nur machbar, wenn sich die öffentliche Hand an der Finanzierung beteiligt. Der Stadtrat wird deshalb gebeten zu prüfen, wie er Stadtbibliothek und/oder Stiftung unterstützen kann, um der Stadtbibliothek im ausgeschriebenen Geschäftslokal eine publikumsorientierte Erdgeschossnutzung zu ermöglichen.»

Kauf des Lokals? Stiftung ist skeptisch

Dabei bringen Mario Stübi und Mirjam Fries auch den Kauf des Lokals als Möglichkeit ins Spiel – die Fläche der Stadtbibliothek gehört bereits heute als Stockwerkeigentum der Stadt Luzern. Patrick Deicher zeigt sich jedoch skeptisch. «Da sind wir zurückhaltend. Denn jede Fläche, die wir verkaufen, entzieht sich unserer Kontrolle.» Doch komplett ausschliessen will er diese Option trotzdem nicht: «Das wäre Gegenstand von Verhandlungen.»

Verwendete Quellen
  • Dringliches Postulat von Mario Stübi (SP) und Mirjam Fries (Mitte)
  • Telefonischer Austausch mit Patrick Deicher, Präsident der Stiftung Bourbaki Panorama
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