Restaurationsarbeiten rund ums Panorama

Darum klettern derzeit Arbeiter am Bourbaki in Luzern herum

Die Industriekletterer bei der Restauration des Bourbaki-Panoramas. (Bild: Emanuel Ammon/ AURA)

Industriekletterer werkeln aktuell rund ums riesige Panorama im Bourbaki. Wie die Arbeiten aussehen und was die Kletterer genau machen, zeigt dir zentralplus.

In schwindelerregender Höhe arbeiten derzeit Kletterer am Luzerner Bourbaki-Panorama. Vor etwas mehr als einer Woche startete dessen Sanierung. Es handelt sich dabei um das grösste Restaurierungsprojekt seit der Totalsanierung vor 30 Jahren (zentralplus berichtete). Für die Umsetzung braucht es Industriekletterer und 800'000 Franken.

Teile rund um das Panorama im Bourbaki haben sich über die Jahre abgenutzt. Mit dem aktuellen Projekt soll die beschädigte und technisch überholte Einrichtung restauriert und zum Teil ersetzt werden. Während der Umbauzeit von voraussichtlich sechs Wochen bleibt das Museum für Besucherinnen geschlossen. Am Dienstagmorgen gewährte die Luzerner Institution Einblick in die aktuellen Sanierungsarbeiten.

Über das Gemälde

Das Bourbaki-Panorama zeigt die französische Armee bei ihrem Übertritt in die Schweiz am Ende des deutsch-französischen Krieges im Jahr 1871. Das Gemälde stellt die ersten humanitären Aktionen des Roten Kreuzes dar. Edouard Castres malte das Werk 1881 in Genf. Das Panorama fungiert als europäisches Kulturdenkmal und soll eine Friedensbotschaft senden.

Heute besteht nicht mehr das gesamte Gemälde. Ursprünglich war es etwa 14 Meter hoch und 112 Meter lang. Im 20. Jahrhundert wurde das Gemälde wegen des Parkhausbaus gekürzt – heute ist es noch 10 Meter hoch. Die Parkplätze haben es dem Bourbaki wiederum ermöglicht, das Gemälde mitzufinanzieren.

Aktuell würden weltweit nur noch insgesamt etwa 30 Panoramabilder existieren. Davon seien lediglich 16 der Öffentlichkeit zugänglich, erklärt der Präsident der Stiftung Bourbaki Panorama Luzern, Patrick Deicher.

Die neue Vorrichtung benötigt 1600 Quadratmeter Stoff

Drei Teile stehen im Fokus der Restaurierung: der Ersatz des «optischen Apparats», die Sanierung der Aussichtsplattform und die Erneuerung der Bildbeleuchtung. Der optische Apparat besteht aus Baldachin, Velum und Sonnensegel. Die Vorrichtung soll die Technik für die Besucher verdecken und den Eindruck eines unendlichen Horizonts erzeugen. Unter anderem aufgrund von Wasserflecken und Vergilbung muss der optische Apparat ausgewechselt werden. Dafür benötigen die Arbeiter neuen Stoff – ganze 1600 Quadratmeter. Neu montieren sie den Stoff an einer klassischen Vorhangschiene. Dies soll das Ersetzen einzelner Teile des Stoffs in Zukunft erleichtern.

Weiter werden das Metallgeländer und die Sitzbänke der Aussichtsplattform restauriert. Bei diesen handelt es sich noch um die Originaleinrichtung von 1889. Sie sollen auch weiter erhalten bleiben. Als drittes Teilprojekt wird die Bildbeleuchtung ausgetauscht. Dort setzt das Bourbaki neu auf LED-Strahler.

Klettern direkt unter der Kuppel

Da ein Baugerüst in der Kuppel schwierig aufzustellen ist, werden stattdessen Industriekletterer für die Sanierung eingesetzt. Sie übernehmen den grössten Teil des Umbaus. Die Kletterer arbeiten in schwindelerregender Höhe und sichern sich mit Seilen an den Metallkonstruktionen.

Das Klettern auf den Metallstrukturen oben bei der Kuppel sei eine grosse Herausforderung, erzählt der Chef-Kletterer Laurent Lavignac. Sie bräuchten viele Pausen, da die Arbeit körperlich sehr anstrengend sei und die Müdigkeit rasch einsetze. Lavignac findet das Museum als Arbeitsort jedoch sehr schön und freut sich darüber, am Projekt mitzuwirken.

Der Industriekletterer Laurent Lavignac erzählt von seiner Arbeit am Panorama. (Bild: mre)

An der Restaurierung arbeiten neben der Nordwand Arbeit am Seil GmbH aus Beromünster auch weitere lokale Firmen mit. Die Leuchten beispielsweise stammen von der Moos Licht AG aus Luzern und die Textilien von der Bieri Tenta AG aus Grosswangen.

Das Restaurierungsprojekt kostet insgesamt 800'000 Franken. Die Stiftung des Bourbaki ist als Bauherrin für die Sicherung der Finanzierung zuständig. An der Sanierung beteiligen sich die Stiftung selber, der Verein Bourbaki Panorama Luzern und die öffentliche Hand. Der Kanton und der Bund leisten basierend auf dem Denkmalschutzgesetz jeweils 47'600 Franken. Die Stadt Luzern steuert 90'000 Franken bei.

Das Museum soll voraussichtlich am 17. Februar wieder öffnen.

Verwendete Quellen
  • Teilnahme an Pressekonferenz
  • Persönliches Gespräch mit Laurent Lavignac
  • Medienmitteilung vom Bourbaki
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