Von Trychlern und Waffelbäckern

Schnee in Luzern: Diese vier Gruppen trotzen der Kälte

Die Trychler gehören zur Guuggenmusig Alti Garde Lozärn. (Bild: kok)

Während viele Luzerner den Schneeflocken am Samstag durchs Fenster zuschauen, wagen sich einige nach draussen. Von angeheiterten Trychlern bis Waffelbäckern ist alles dabei.

Wie auf den Punkt genau schickt der Wettergott Schnee nach Luzern. Es ist Samstag, der 2. Dezember, und die Stadt versinkt in Weiss. Kalter Wind trägt die Flocken durch die Strassen. Hügel und Pärke werden zu Winterlandschaften. Wer kann, bleibt tagsüber zu Hause und schaut sich das Spektakel vom Fenster aus an. Doch einige in Luzern sind unterwegs und verfolgen ihre ganz eigene Mission.

Die Trychler nehmens, wies kommt

Schon von der Ferne kündigen sich die Trychler mit lautem Donnern an. Entlang der Pilatusstrasse ziehen die 28 Männer mit Glocken und Geisseln und laufen zielsicher auf das Café Taburettli zu. Nur Sekunden später stehen sie mit dampfenden Getränken vor dem Laden.

Beim Café Taburettli wärmen sich die Trychler auf. (Bild: kok)

«Wir nehmens, wies kommt», sagt ein kräftiger Mann mit Kafi Schnaps in der Hand. Für die anderen ist er der Chef. Zu zentralplus sagt er lachend, er sei der Trychler-Vater. Die Trychler würden aus der Guuggenmusig Alti Garde Lozärn stammen und seien in der Stadt unterwegs, um den Leuten die Chlauszeit anzukünden, sagt er. «Heute läuten wir das Kulturgut Chlaustag und die Adventszeit ein.»

Genossen frieren im Schnee

Deutlich ernster geht es im Vögeligärtli zu. Eine Gruppe von Sozialdemokraten steht um einen Sozialarbeiter herum und lauscht seinen Worten. Christoph Landolt arbeitet beim Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern und informiert über die Geschichte der Stadtluzerner Drogenpolitik. In einem dicken Ordner hat er Bilder vom Zürcher Platzspitz und der Eisengasse in Luzern – beides einst Hotspots der Drogenszene.

Im Vögeligärtli erfuhren Sozialdemokraten aus der ganzen Schweiz mehr über die lokale Drogenpolitik. (Bild: kok)

«Einmal im Jahr treffen sich Sozialdemokraten aus Städten der ganzen Schweiz und lernen voneinander», erzählt ein Mitglied der Gruppe. Vergangenes Jahr habe das Treffen in Bern stattgefunden. Dieses Jahr sei es zum ersten Mal in Luzern. Rund 80 Personen aus der Basis, den Sektionen und SP-Abgeordnete seien dabei und in Kleingruppen aufgeteilt. Die Gruppe im Vögeligärtli beschäftige sich mit Sozial- und Drogenpolitik.

Auf die Frage, ob der Schnee störend sei, sagt eine Bernerin: «Aus dem Zug war das Weiss noch recht schön. Hier ist es aber echt kalt.» Eine Frau neben ihr ergänzt: «Jetzt denkt man daran, wie es den Leuten geht, die auf der Gasse leben.» Die Umstehenden nicken zustimmend.

Die Waffelbäcker wollen auf die Ski

Sprung auf den Helvetiaplatz. Hier tummeln sich junge Menschen um ein brutzelndes Waffeleisen. Lukas Walther und seine Schwester Noemi haben sich von einem befreundeten Holzbildhauer einen Waffelstand bauen lassen. Auf ihm prangen die Worte: «Waffeln gegen Waffen».

Lukas und Noemi Walther backen am Samstag auf dem Helvetiaplatz Waffeln – für einen guten Zweck. (Bild: kok)

«Wir sammeln Spenden für zwei Organisationen im Nahen Osten, die sich für Frieden einsetzen», erzählt der hauptberufliche Jurist, der 2023 für die Grünen kantonal und national kandidierte. Die Idee sei ganz spontan entstanden, Kollegen hätten ihn und seine Schwester dabei unterstützt. «Einige von uns haben einen Bezug zu Israel und Palästina. Wir merken, dass es ein Zeichen braucht, und das wollen wir setzen.»

Als am Vormittag der Markt aufgebaut war, sei die Nachfrage nach Waffeln grösser gewesen. Gegen Nachmittag stehen nur noch eine Handvoll Leute um den Stand. Die Geschwister wollen trotzdem weiterbacken, «solange der Teig reicht». Denn am Sonntag hat Lukas Walther andere Pläne. «Morgen will ich Ski fahren», sagt er lachend.

Die Touristen lieben Schnee in Luzern

Am Sonntag nicht auf den Ski ist Familie Huerta del Rio. Denn dann sind die Spanier bereits in der französischen Stadt Colmar. Heute aber stehen sie noch auf dem Luzerner Rathaussteg, dick eingepackt in Winterjacken. Die Familie aus Madrid war für eine Woche in der Schweiz. Ob sie wegen des Schnees nicht frieren?

Die Familie Huerta del Rio aus Spanien hat sich dick eingepackt. (Bild: kok)

Nein, sagt die Mutter lachend. Sie hätten warme Jacken aus Spanien mitgebracht. In Madrid brauche man im Winter ebenfalls dicke Kleidung. Auch wenn es dort selten kälter als zehn Grad werde. Für die Kinder sei der Schnee in Luzern ein Spektakel. Denn bei ihnen zu Hause gebe es keinen. Die Familie ist sich einig: einfach «beautiful».

Verwendete Quellen
  • Website der Guuggenmusig «Alti Garde Lozärn»
  • Augenschein vor Ort
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