Politik
Männliche Zuger Politiker bezweifeln Nutzen

Reaktionen auf Guerrilla-Aktion: «Deplatziert» und «mutlos»

Im Kanton Zug wurden Plakate von männlichen Politiker überklebt. Auch CVP-Ständerat Peter Hegglin ist betroffen. (Bild: zvg)

Das Konterfei von einigen männlichen Politikern wurde in der Nacht auf Samstag von einer lila Botschaft überklebt. Die Urheber der Aktion wollen, dass Zug auch Frauen nach Bundesbern schickt. Die betroffenen Politiker verurteilen die Aktion. Auch eine Anzeige ist möglich.

54 Politiker hat der Kanton Zug bisher in National- und Ständerat gewählt. Allesamt männlich. Eine anonyme Gruppierung hat deshalb in der Nacht auf diesen Samstag 54 Plakate mit einer lila Botschaft überklebt: «Wann schicken wir eine Frau* nach Bern», heisst es darauf (zentralplus berichtete).

Die betroffenen Politiker sind gar nicht begeistert. «Es ist deplatziert und daneben», sagt CVP-Ständerat Peter Hegglin. «Es nützt dem Anliegen nichts», ist er überzeugt. Respekt sei für ihn in einem Wahlkampf sehr wichtig.

Hegglin überlegt sich, ob er Anzeige erstatten will. Schliesslich sei die Entfernung der Kleber mit Aufwand und letztlich auch mit Kosten verbunden. Und es sei nicht auszuschliessen, dass auch wiederhergestellte Plakate erneut überklebt würden. «Ich hoffe nicht, dass solche Aktionen zur Regelmässigkeit werden.»

Michel verlangt «offenes Visier»

«Ich verurteile das Vorgehen mit der anonymen Beklebung von Plakaten – es ist destruktiv, mutlos und nicht zielführend», erklärt FDP-Ständeratskandidat Matthias Michel. Für das grundsätzliche Anliegen, dass mehr Frauen im Parlament vertreten sind, zeigt er Verständnis. «Auch bürgerliche Parteien möchten die Frauenvertretung stärken.»

«Diese Kräfte würden besser im Rahmen von Parteien oder als einzelne Listen für ihre Anliegen kämpfen», sagt Michel an die Adresse der Aktivisten. «Mit offenem Visier und nicht anonym.» Dies würde er als konstruktiven Beitrag bezeichnen. «Aber das ist halt aufwendiger und mutiger, als Plakate zu verunstalten.»

«Ich habe das Gefühl, es schadet dem Anliegen der Frauen.»

Thomas Aeschi, SVP-Nationalrat

Michel selbst hat vier Kinder, seine Frau ist teilzeitlich berufstätig. «Ich kenne die Anliegen und Lösungsansätze für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf», sagt er. «Statt Kandidaten zu verunglimpfen, würden einige besser deren Profile anschauen.»

SVP-Aeschi empfiehlt eigene Kampagne

Auch Plakate von SVP-Nationalrat Thomas Aeschi wurden überklebt. «Ich habe das Gefühl, es schadet dem Anliegen der Frauen», sagt er gegenüber zentralplus. Er befindet sich diesen Samstagmorgen an einer Standaktion und habe sogar von Frauen vernommen, dass diese Aktion «abschreckend» wirke.

Aeschi nimmt die Aktion sportlich. Eine Anzeige sei überhaupt kein Thema. Verständnis hat er jedoch nur mässig. «Wer sich für mehr Frauen stark machen will, kann dieses Anliegen normal bewerben», sagt er. Schliesslich dürften in Zug alle plakatieren.

ALG-Nationalratskandidat Andreas Lustenberger bezeichnet die Art und Weise der Aktion als «fragwürdig». Gleichberechtigung sei hingegen ein sehr wichtiges Anliegen, für das sich die ALG auch seit Jahren einsetze. Die Aktion sei bezeichnend für das aktuelle politische Klima, erklärt Lustenberger. «Es wird oft gegeneinander gekämpft. Ich plädiere dafür, gemeinsam Lösungen zu finden», sagt er.

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