CVP-Stadtratskandidatin Bitzi Staub im Interview

«Nun muss die CVP die Reihen schliessen»

Die strahlende Siegerin: Franziska Bitzi Staub wird für die CVP für den Luzerner Stadtrat kandidieren.

Die Siegerin im CVP-Wahlkrimi heisst Franziska Bitzi Staub. Die Favoritin konnte sich in einem äusserst engen Rennen gegen ihre drei Konkurrentinnen durchsetzen. Die Juristin wird für die CVP um den Stadtratssitz des zurückgetretenen Stefan Roth kämpfen. Dass es am Ende so knapp wird, hat auch die 43-Jährige überrascht.

Eine Umarmung hier, ein Handschlag da und noch ein Küsschen dort: Franziska Bitzi Staub ist kurz nach der Wahl eine gefragte Person. Alle wollen der Siegerin nach diesem spannenden Wahlkrimi in vier Akten gratulieren. Kaum ein Parteimitglied verlässt den Kantonsratsaal, ohne noch vorher mit der frisch gekürten Stadtratskandidatin ein paar Worte zu wechseln.

Die 43-Jährige, die vor den Parteimitgliedern diesen Donnerstagabend eine souveräne Präsentation hielt, während der Wahl dann aber doch nervös wirkte, setzte sich am Ende mit nur zwei Stimmen Vorsprung gegen Pia Maria Brugger Kalfidis durch. Staatsanwältin Caroline Kuhn musste bereits nach dem zweiten Wahlgang das Handtuch werfen. Grossstadträtin Mirjam Fries hielt in den ersten zwei Gängen gut mit den zwei Favoritinnen mit und schied nach dem dritten Wahlgang hauchdünn aus. Am Ende kam es zum erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen, das knapper ausfiel als gedacht.

Kampfwahl erwünscht

Parteipräsidentin Andrea Gmür Schönenberger strahlte, wie eigentlich schon zuvor, auch nach der erfolgten Nomination mit der Siegerin um die Wette. «Wir haben mit gleich vier sehr qualifizierten Kandidatinnen einen guten Eindruck gemacht. Franziska ist eine tolle Kandidatin, die einen grossen Rucksack an Erfahrung mitbringt. Sie wird die Arbeit als Stadträtin bestens meistern.» Nun wünscht sich Gmür nur noch, dass es eine Kampfwahl gibt. «Das wäre mir lieber.»

Auch Bitzi Staubs Ehemann war als CVP-Mitglied an der Nomination dabei. «Der Abend hätte nicht spannender sein können. Franziska wurde zwar in die Favoritenrolle gedrängt. Aber ich war mir trotzdem den ganzen Abend lang nicht ganz sicher, ob sie es schaffen wird», sagt er. «Nun freue ich mich sehr darüber: Sie hat es verdient und bringt alles mit, was es für dieses Amt braucht.»

Eine «Hitchcock-Wahl»

Mit der Fraktionschefin stellt die CVP für die Nachfolge von Stefan Roth tatsächlich eine erfahrene und starke Kandidatin. Eine klassische Mittepolitikerin, die bei ökologischen Themen eher links steht, im Finanzbereich hingegen klar bürgerlich politisiert (hier geht’s zum ausführlichen Interview). Gegen wen es Franziska Bitzi Staub am 27. November aufnehmen muss, ist noch unklar. Bis am 26. September müssen die Parteien ihre Kandidaten melden. Interesse angekündigt an einer Gegenkandidatur hat bereits der Littauer SVP-Kantonsrat Thomas Schärli. Dass er gegen Bitzi Staub eine Chance hat, dürfte bezweifelt werden.

Franziska Bitzi Staub darf nun erstmal ihren parteiinternen Sieg feiern. Doch die Anspannung schien bei der Juristin so kurz nach der «Hitchcock-Wahl», wie es Parteipräsidentin Andrea Gmür nannte, noch nicht so richtig abgefallen zu sein.

zentralplus: Franziska Bitzi Staub, wie geht es Ihnen nach diesem Wahlkrimi?

Franziska Bitzi Staub: Es ist eine grosse Erleichterung. Dort vorne zu sitzen und zu warten – das war eine ziemliche Anspannung. Ich konnte zwar mit Pia Maria (Brugger Kalfidis) nebenan plaudern und wir haben das gut durchgestanden. Aber jetzt kann ich mal so richtig durchatmen.

zentralplus: Das Auszählen ist also nicht nur uns lange vorgekommen?

Bitzi Staub: (lacht). Nein, uns auch.

zentralplus: Sie wurden im Vorfeld vielfach als Kronfavoritin bezeichnet. Jetzt war das Schlussresultat äusserst knapp. Haben Sie sowas erwartet – oder kam das für Sie überraschend?

Bitzi Staub: Die Ausgangslage hat mich nicht überrascht. Ich wusste, dass es mehrere gute Kandidatinnen gibt und sich die Stimmen am Anfang auf mehrere verteilen. Was mich aber überrascht hat, war das Ende. Ich hätte erwartet, dass sich die rund 50 Stimmen von Mirjam Fries deutlicher aufteilen.

zentralplus: Haben Sie denn zu wenig mobilisiert?

Bitzi Staub: Das Problem war vor allem, dass viele aus meinem Umfeld wegen der Kurzfristigkeit der Versammlung nicht anwesend sein konnten. Von daher war das Mobilisieren wirklich ein Teil der Arbeit. Man hat auch mitbekommen, wer im Hintergrund wo lobbyiert hat und welche Kreise für sich gewinnen konnte. Etwa, dass die Parteimitglieder aus Littau für Mirjam Fries stimmen oder Pia Maria Brugger Kalfidis aus ihrer Zeit als Parteipräsidentin ein sehr gutes Netzwerk hat – das hat man gespürt.

zentralplus: Was hat denn am Schluss den Ausschlag gegeben?

Bitzi Staub: Keine Ahnung, das weiss ich nicht. Da müsste man die Parteimitglieder fragen.

«Ich werde sicher noch nicht vor dem Wahlsonntag am 27. November kündigen.»

zentralplus: Dass es am Schluss so knapp wurde und nicht die ganze CVP hinter Ihnen stand: Ist das ein schlechtes Omen für die Wahlen am 27. November?

Bitzi Staub: Nein. Es war eine super Ausgangslage mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber jetzt wissen wir: Wir haben eine Kandidatin und die CVP muss nun die Reihen schliessen.

zentralplus: Stefan Roth verbrachte diesen Donnerstag seinen letzten Tag als Stadtrat. Sie haben bei der Präsentation gesagt, dass Ihre Chefin, die Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, kompromissbereit ist. Wann könnten Sie das Amt antreten?

Bitzi Staub: Das kann ich wirklich noch nicht sagen. Das muss ich jetzt mit dem Kanton Zug als Arbeitgeber anschauen. Aber es ist klar: Ich werde sicher noch nicht vor dem Wahlsonntag am 27. November kündigen.

zentralplus: Wann könnten Sie spätestens antreten?

Bitzi Staub: Also mit dem ordentlichen Kündigungstermin könnte ich spätestens am 1. Juni (Anm. d. Red: als Kaderangestellte hat Franziska Bitzi Staub eine Kündigungsfrist von sechs Monaten) starten. Aber auch mit den Worten meiner Chefin: Das würden die Wähler nicht verstehen. Wir werden also schauen.

zentralplus: Und wie verbringen Sie den heutigen Abend: Jetzt wird gefeiert und morgen geht’s los mit Wahlkampf?

Bitzi Staub: (lacht). Nein, morgen muss ich wirklich mal wieder einen ganzen Tag im Büro arbeiten. Da ist doch einiges liegen geblieben in den letzten Tagen. Und der richtige Wahlkampf kommt dann erst noch.

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