Politik
Mit «toter» Spange Nord geplant

Luzern: Bypass-Gegner tischen vernichtendes Gutachten auf

Der Widerstand gegen das Bypass-Projekts nimmt Fahrt auf. (Bild: Jan Rucki)

Die Verbände WWF und VCS verschärfen ihren Widerstand gegen das Autobahnprojekt. In einem neuen Gutachten zweifelt Mobilitätsprofessor Alexander Erath das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Bypass-Projekts an. Zudem gingen die Planer von völlig falschen Voraussetzungen aus, lautet der Vorwurf.

Veraltete Normen und falsche Voraussetzungen: Die Gegner des Luzerner Bypass-Projekts haben ein Gutachten erstellen lassen, das dem Autobahnprojekt diverse Mängel ankreidet.

Die beiden Verbände WWF und VCS gehörten zu den ersten Einsprechern gegen das Strassenbauprojekt, welches das Nadelöhr rund um Luzern lösen sollte (zentralplus berichtete). In ihrem Auftrag hat Mobilitätsprofessor Alexander Erath von der Fachhochschule Nordwestschweiz analysiert, unter welchen Voraussetzungen die Realisierung des 1,7-Milliarden-Projekts geplant wurde.

Spange Nord und Lochhof längst vom Tisch

Das nun vorliegende Gutachten hinterfragt insbesondere die Kosten-Nutzen-Analyse des Bypass-Projekts. Diese sei unter der Voraussetzung erstellt worden, dass der Zubringer «Spange Nord» und der Anschluss Lochhof realisiert werden. Die Spange Nord ist bekanntlich in hohem Bogen an der Urne gescheitert und auch der Anschluss Lochhof ist aktuell vom Tisch (zentralplus berichtete).

Daher sei davon auszugehen, dass das tatsächliche Kosten-Nutzen-Verhältnis des Ausführungsprojekts schlechter ausfällt, als dies auf Basis des generellen Projekts ermittelt worden ist.

Veraltete Prognose zur Verkehrsentwicklung

Weiter wird bemängelt, dass die Planer teilweise sehr alte Daten nutzten, um eine Verkehrsprognose für das Jahr 2040 zu erstellen. So sei etwa die Wirkung des ÖVs nicht in die Rechnung aufgenommen worden, ob es den Bypass zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch brauche. Explizit wird dabei etwa der geplante Durchgangsbahnhof genannt.

Gemäss dem Gutachten hat die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern in der Zwischenzeit ein neues kantonales Verkehrsmodell erarbeiten lassen. Bei diesem Modell bestehen die oben benannten Mängel bezüglich der Verhaltensdaten nicht mehr.

Empfehlung: Zurück auf Feld eins

Das Gutachten fordert deshalb, dass für den Bypass eine komplett neue Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen sei. Diese soll auf den Daten beruhen, die mit dem genannten neuen Verkehrsmodell ermittelt wurden. Dieses soll folgende Aspekte beleuchten.

  • Berücksichtigung der Wirkung der verdichteten Siedlungsentwicklung auf den Autobesitz.
  • Prognose der Verkehrsnachfrage mit besserer Berücksichtigung der demografischen Entwicklungen.
  • Berücksichtigung der Wirkung von ÖV-Angebotsverbesserungen wie dem Durchgangsbahnhof Luzern.
  • Personengruppenspezifisches Verkehrsverhalten differenziert nach Mobilitätswerkzeugbesitz und Altersgruppe gemäss aktueller Verhaltensdaten.

Im Sinne einer Gesamtperspektive soll zudem überprüft werden, wie mit den Überkapazitäten auf der Stadtautobahn umzugehen ist, etwa einer Reduktion der Autospuren.

Aktuell laufen die Einsprachverhandlungen mit dem Bund. Wie Bund und Kanton auf das Gutachten reagieren, ist noch nicht bekannt. Gemäss aktuellstem Stand könnte der Baustart des 1,7-Milliarden-Franken-Projekts frühestens im Jahr 2025 erfolgen (zentralplus berichtete).

Update folgt …

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