Nun ist’s offiziell: Die Spange Nord ist tot, die Reussportbrücke auf Eis gelegt
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2019 gingen rund 1000 Personen gegen die Spange Nord auf die Strasse. (Bild: sah)

Regierung ordnet Marschhalt an Nun ist’s offiziell: Die Spange Nord ist tot, die Reussportbrücke auf Eis gelegt

4 min Lesezeit 3 Kommentare 06.04.2021, 08:08 Uhr

Der Luzerner Regierungsrat verzichtet auf die Weiterführung des Projekts Spange Nord. Auch das Nachfolgeprojekt soll, zumindest vorübergehend, nicht aktiv weiterverfolgt werden. Ob und wie eine Ergänzung zum Bypass Luzern realisiert werden könnte, soll die geplante kantonale Mobilitätsstrategie beantworten.

Totgesagte leben bekanntlich länger. Die Spange Nord war jedoch bereits längst tot – und bleibt es auch. Die Luzerner Regierung hat diesbezüglich nun den letzten Nagel in den Sarg des ungeliebten Strassenbauprojekts geschlagen. Die Stadtbevölkerung verabschiedete sich bereits im September 2020 vom 200-Millionen-Projekt (zentralplus berichtete), nun hat der Kanton nachgezogen.

Die Regierung hatte sich zwar bereits im Herbst 2019 vom Projekt distanziert (zentralplus berichtete). Nun aber schliesst man das Projekt endgültig ab. Dies geht aus einem nun veröffentlichten Planungsbericht vor, mit dem die Regierung den Kantonsrat über das Ende der Spange Nord Informiert.

Vernehmlassung ergab kein klares Bild

Konkret wird der Kantonsrat im Bericht über die Überprüfung zur Spange Nord und dem designierten Nachfolgeprojekt – die Reussportbrücke (zentralplus berichtete). «In einer breiten Vernehmlassung hatten anschliessend Anwohnerinnen und Anwohner, Gemeinden, Verbände und weitere Interessierte die Möglichkeit, sich zum Ergebnis der Überprüfung als Ganzes sowie zu der fachlich empfohlenen Variante ‹Reussportbrücke› oder der sogenannten Variante ‹Basisausbau› zu äussern», heisst es in der Mitteilung der Regierung. Die Variante Reussportbrücke habe positive und negative Rückmeldungen erhalten und viele Fragen ausgelöst, schreibt die Regierung nun. Ein klares Bild habe die Vernehmlassung jedoch nicht ergeben.

Dass die Reussportbrücke nicht mit offenen Armen begrüsst werden würde, war vorhersehbar. So sprach sich etwa auch der Luzerner Stadtrat gegen diese Variante aus. Stattdessen forderte der Stadtrat «eine neue gemeinsame verkehrspolitische Strategie, die die Anforderungen und Herausforderungen der verschiedenen Räume angemessen berücksichtigt» (zentralplus berichtete). Mit anderen Worten: eine Mobilitätsstrategie für den gesamten Kanton Luzern. Der Idee einer solchen gesamtheitlichen Strategie hat der Kanton unter dem Titel «Zukunft Mobilität» zugesagt.

Grundlagen fehlen

Nun also hat die Regierung den Entschluss gefasst, «vorerst keine Folgeprojekte und Massnahmen» weiterzuverfolgen oder zu planen. Stattdessen sollen die strategischen Stossrichtungen des Projekts «Zukunft Mobilität» abgewartet werden, heisst es in der Mitteilung weiter. «Wir haben heute schlicht nicht die Grundlagen um das ein Projekt wie jenes um die Reussportbrücke einzuordnen», sagt Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor Fabian Peter. «Genau diese Grundlage soll durch das neue Mobilitätskonzept geschaffen werden.»

«Im Rahmen dieses Prozesses muss auch evaluiert werden, ob die heutigen Instrumente wie das Bauprogramm, der ÖV-Bericht oder das Radroutenkonzept in ihrer heutigen Form noch praktisch sind.»

Fabian Peter, Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdirektor

Die Eckpunkte dieses Konzepts sollen voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2021 im Entwurf für die öffentliche Mitwirkung vorliegen. Bis spruchreife Resultate daraus vorliegen, dürfte es jedoch noch einige Zeit dauern. «Im Rahmen dieses Prozesses muss auch evaluiert werden, ob die heutigen Instrumente wie das Bauprogramm, der ÖV-Bericht oder das Radroutenkonzept in ihrer heutigen Form noch praktisch sind oder ebenfalls neu gedacht werden müssen», erklärt Regierungsrat Peter den bevorstehenden Prozess.

Regierung: Zeit drängt nicht

Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, lasse sich festlegen, ob das Projekt Reussportbrücke mit Inbetriebnahme des bestehenden Autobahnanschlusses Luzern-Lochhof als Ergänzungsprojekt zum Bypass Luzern zweckmässig ist oder ob andere Massnahmen zu bevorzugen sind. Ebenfalls werde sich dann zeigen, welche zusätzlichen Massnahmen für den öffentlichen Verkehr anzugehen sind, heisst es seitens der Regierung.

«Wir haben genug Zeit, um das Resultat des Projekts ‹Zukunft Mobilität› abzuwarten. Diese Zeit müssen wir uns nehmen.»

Eine Inbetriebnahme des Autobahnanschlusses im Gebiet Luzern-Lochhof wäre frühestens 2036 möglich. Für die Entscheidungsfindung beim kantonalen Projekt bestehe somit zeitlich keine Dringlichkeit. «Wir haben genug Zeit, um das Resultat des Projekts ‹Zukunft Mobilität› abzuwarten. Diese Zeit müssen wir uns nehmen», stellt Peter klar. «Strassenbauprojekte dieser Dimension aufzugleisen nur um danach zu merken, dass es überhaupt nicht in die kantonale Strategie passt, wäre verschwendetes Geld.»

Spange Nord kostete 2,7 Millionen

Während die Reussportbrücke also für unbestimmte Zeit auf Eis liegt, wird das letzte Kapitel der Spange Nord wohl noch diesen Sommer erfolgen: Da auf das ursprüngliche Projekt Spange Nord definitiv verzichtet wird, wird dem Kantonsrat eine Abrechnungsbotschaft zu diesem Planungskredit vorgelegt.

Für die Erarbeitung des Projekts wurden seit 2011 rund 2,7 Millionen Franken ausgegeben, wovon rund eine Million für die Überprüfung des Projekts verwendet wurden. Die Abrechnungsbotschaft sowie der Planungsbericht sollen in der Juni-Session behandelt werden.

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3 Kommentare
  1. kad, 06.04.2021, 18:26 Uhr

    Endlich begriffen!

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  2. paul, 06.04.2021, 13:43 Uhr

    2.7 mio für nichts? nicht übel.

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  3. Kasimir Pfyffer, 06.04.2021, 12:22 Uhr

    Schön, dass unsere Kantonsregierung 10 Jahre nach der Bevölkerung endlich gemerkt hat, was für ein Wahnwitz diese Spange war. Noch schöner wäre es, gleich auch die bekloppte Reussportbrücke definitiv abzuschreiben. Wirklich schlechte Ideen werden in Luzern leider selten gültig beerdigt, sondern wirken als Untote weiter (s. die aktuelle Posse von wegen der «Gerichtsmeile, ein spätes Echo des ZHB-Plattmach-Versuchs).

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