Politik

Grösstes Bauprojekt im Kanton Luzern
Das musst du über den geplanten Campus Horw wissen

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
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Am Standort des Technikums soll dereinst der neue Campus Horw entstehen. (Bild: Kanton Luzern/ Lukas Galantay)

Im Kanton Luzern gibt es immer mehr Studenten – und immer weniger Platz. Ein neuer Hochschulcampus in Horw soll Abhilfe schaffen. Für den Bau und den Betrieb ist eine kantonseigene AG verantwortlich – eine Idee, die polarisiert.

Am 7. März stimmen die Luzerner über den geplanten Campus Horw ab. Am Freitag haben Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) und Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) in einer virtuellen Konferenz das Projekt und die weitere Planung genauer vorgestellt.

Für wen ist der Campus gedacht? Wer steht hinter dem Projekt und was wird es kosten? zentralplus hat einen Monat vor der die wichtigsten Fragen für dich zusammengetragen und beantwortet.

Worum geht’s?

Weil es im Kanton Luzern immer mehr Studierende gibt, der Platz aber knapp wird und Teile der bestehenden Infrastruktur veraltet sind, soll ein Grossprojekt Entlastung bringen. Auf dem Campus Horw werden Departemente der Hochschule Luzern zusammengeführt. Dadurch könnten Synergien genutzt werden, ist der Kanton überzeugt.

Das Grossprojekt soll nicht vom Kanton selber realisiert werden, sondern von einer eigens dafür gegründeten Aktiengesellschaft, die für den Bau und den späteren Betrieb des Campus verantwortlich ist.

Für wen ist der Campus gedacht?

Der neue Campus soll zwei Departemente unter einem Dach vereinen: Das Departement Technik & Architektur der Hochschule Luzern – früher Technikum genannt – befindet sich heute schon in Horw. Da hat es aber nicht nur ein Platzproblem, sondern ist auch in Gebäuden untergebracht, die gemäss Kanton dringend saniert werden müssen.

Zudem soll die Pädagogische Hochschule Luzern, die derzeit auf acht verschiedene Standorte in der Stadt Luzern verteilt ist, in den Hochschulcampus Horw einziehen.

Gesamthaft soll der neue Campus Platz für rund 4’000 Studierende und 1’000 Mitarbeitende bieten.

Die Hochschule Luzern hat ein Video veröffentlicht, das einen Blick hinter die Kulissen des aktuellen Campus gibt:

Was sind die Vorteile am neuen Standort?

Für den Kanton Luzern ist klar: Auf dem neuen Campus können Synergien zwischen den beiden Departementen genutzt werden. Beispielsweise gemeinsame Hörsäle, Mensa und Bibliothek, aber auch der Transfer zwischen Technik und Pädagogik sowie zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Zudem sieht der Kanton vor, dass auf dem neuen Campus hochschulnahe, forschungsinteressierte Unternehmen ansässig werden können.

Schwerzmann betonte an der Konferenz, dass durch die Bündelung der PH-Standorte auch die Ausbildung der Schülerinnen künftig einfacher werde. Auch Platzmässig könne man aufstocken: am neuen Standort sind 400 Parkplätze geplant – 100 mehr als bisher.

Was wird das Projekt kosten?

Das Gesamtprojekt wird sich inklusive Planungskosten auf rund 365 Millionen Franken belaufen.

In einem ersten Schritt geht es in der Abstimmung am 7. März nun um die Art der Finanzierung (dazu unten mehr) und die Kosten der Planung. Diese belaufen sich auf 53,1 Millionen Franken. Der Kantonsrat hat am 26. Oktober 2020 seinen Segen dazu gegeben. Das Geld soll auch für die Gründung der «Immobilien Campus Luzern-Horw AG» aufgewendet werden.

Warum braucht es eine eigene AG?

Der neu geplante Campus sei wichtig und richtig – hier sind sich alle Parteien einig. Weniger einig ist man jedoch mit der Auslagerung in eine Aktiengesellschaft. Dieser Punkt ist vor allem bei den Grünen umstritten, die deswegen die Nein-Parole beschlossen haben. Sie fürchten, dass der Kanton mit der Gründung einer AG die Leitung zu stark abgeben würde. «Die Luzerner Politik soll Verantwortung übernehmen und eine derartig wichtige Immobilie direkt steuern können», sagt Raoul Niederberger, Co-Präsident der Grünen.

«Befürchtungen, dass wir den Bildungsauftrag aus der Hand geben, sind unbegründet.»

Reto Wyss, Regierungspräsident und Finanzdirektor

Wozu muss eine AG ins Leben gerufen werden, die anstelle des Kantons hinter dem Campus steht? Wie der Kanton Luzern schreibt, ist die AG agiler, wenn es um die Finanzierung geht und sie kann flexibler auf Veränderungen reagieren, weil «politische Schlaufen» umgangen werden können.

«Allerdings», so Regierungspräsident und Finanzdirektor Reto Wyss, «geben wir die Zügel nicht aus der Hand.» Die AG bleibt zu hundert Prozent im Besitz des Kantons. «Das soll auch langfristig so bleiben», sagte Wyss an der Konferenz am Freitag. Der Regierungsrat stellt die Mehrheit im Verwaltungsrat und die Generalversammlung wird durch die Gesamtregierung gebildet. «Befürchtungen, dass wir den Bildungsauftrag aus der Hand geben, sind unbegründet», sagte Reto Wyss, der für die kantonalen Immobilien zuständig ist. «Wir können als Regierung über die beiden Hochschulen jederzeit die Bildungsstrategie und die Bildungsinhalte bestimmen», so Wyss.

Wer ist dafür, wer dagegen?

CVP, FDP, SVP und GLP haben die Ja-Parole beschlossen. Auch viele Verbände, die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, der KMU- und Gewerbeverband oder der Lehrerinnen- und Lehrerverband stehen hinter dem Projekt. Ebenso natürlich die Hochschule Luzern als Hauptbetroffene.

Die Grünen, die vor allem das Finanzierungsmodell kritisieren, empfehlen hingegen ein Nein. Die SP, die in der Vergangenheit ähnliche Bedenken geäussert hatte, hat Stimmfreigabe beschlossen.

Wie weiter?

Läuft alles nach Plan, kann der neue Campus 2025 in Betrieb genommen werden – etappenweise zumindest.

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1 Kommentare
  1. paul, 07.02.2021, 10:06 Uhr

    habe ich das richtig verstanden ;
    die ag brauchts damit der kanton (100% besitzer) entscheide fällen kann ohne „nachfragen“ zu müssen und somit freie entscheidungen ohne gegenwehr treffen kann.
    spannend … wer ist der ceo der ag? und die auftragsvergabe bleibt öffentlich oder wird diese durch die ag „privat“??

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