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Plötzlich stürmen alle die Tanzfläche
  • Kultur
Morgens ist die Stimmung ruhig und gemütlich vor dem Luzerner Theater. (Alle Bilder: jav)

Luzerner Theater: Start unter neuer Intendanz Plötzlich stürmen alle die Tanzfläche

4 min Lesezeit 1 Kommentar 11.09.2016, 12:24 Uhr

Das Luzerner Theater läutet mit der «Open Box» eine neue Ära ein. zentralplus hat sich am Wochenende unter die Leute gemischt, wurde verpflegt, in ein silbernes Meer geworfen, hat mit den Operndarstellern gesungen und mit dem Tanzensemble getanzt.

Luzern lebt an diesem sonnigen Samstagmorgen. Der Reuss entlang schlendern wir vom Flohmarkt in den Wochenmarkt und von diesem ans Fest des Luzerner Theaters.

Am Morgen wirkt das Ganze ein bisschen wie ein Quartierfest. Es gibt gratis Kaffee und Gipfeli, farbige Kreide, Treträder, Dreiräder und diese anderen Räder aus der Ludothek. Man kann in der offenen Box, auf den Festbänken oder in den Liegestühlen auf der Wiese Platz nehmen, am Glücksrad drehen oder sich das Gesicht bemalen lassen.

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Gute Mischung

Das Publikum ist bunt gemischt und so bleibt es den ganzen Tag. Theaterinteressierte, Passanten, Touristen, Familien, Jugendliche, Theaterschaffende aus allen Szenen, Veranstalter und Politiker.

Das Team des Hauses ist an vorderster Front dabei: isst, trinkt, diskutiert und feiert. Brigitte Heusinger, die stellvertretende Intendantin und künstlerische Leiterin Oper, Musikdirektor Clemens Heil, Ballettdirektorin Kathleen McNurney und Intendant Benedikt von Peter sind den ganzen Tag immer wieder zu sehen. Verwaltungsdirektor Adrian Balmer freut sich über die zahlreichen Besucher und das Wetter. Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck schwärmt noch ganz verklärt von der Prometeo-Premiere vom vergangenen Abend.

Essen und entspannen

Zur Mittagszeit öffnet der Grillstand mit Chriesiwürsten, Currywürsten und Bratwürsten. Doch nach dem Mittag leert sich der Platz langsam.

Es wird heiss am Nachmittag, auf dem Platz vor dem Luzerner Theater ist es etwas ruhiger. Eine Maschine bläst Seifenblasen auf den Platz, einige Leute sitzen in den Liegestühlen und entspannen. Es ist ein Kommen und Gehen, eine gute Stimmung.

Wenn «Jazz» allen gefallen soll

Gegen Abend beginnt das Programm wieder an Fahrt aufzunehmen. Die «Fetzige Volksmusik» mit Adrian Würsch am Schwyzerörgeli und Pirmin Huber am Bass fetzt und lässt die Leute mitgehen.

Beim Jazz in der Box kommen Jazzer dann allerdings kaum auf ihre Kosten. Sängerin Kira Stahel und Bassist Stefan Guggisberg sprechen dafür bestimmt viele Passanten an, welche gerne Radio und die Charts hören. Nette Musik auf jeden Fall.

Tragische Geschichte

Doch wer richtig Publikum anzieht, das ist die Performance der Gruppe «Ultra» am Abend – viele Gesichter aus der Freien Szene sind mit dabei. Die Box ist voll, die Leute sitzen, wo sie sich gerade noch reinquetschen können. Auf einer vom Wind bewegten Plastikfläche wird die tragische Geschichte von Alkyone und Keyx erzählt, deren Liebe durch die stürmische See auf eine andere Ebene gehoben wurde.

Während der Performance wird aber schnell klar: Hier sitzen Leute, welche noch nie einer Performance beigewohnt haben und dies für eine grosse Verarschung halten. «Was sell das?», «Gad das no lang?», wettert es lautstark in meinem Rücken, während die anderen Menschen konzentriert den projizierten Worten auf der bewegten Fläche folgen. Aber damit scheint man rechnen zu müssen, wenn man ein Fest für alle macht und trotzdem nicht auf etwas anspruchsvollere Kunst verzichten will.

Ein Meer aus Folie

Doch als die Leute zum Ende der Erzählung tröpfelnd die Box verlassen, sind wohl auch die letzten Mötzler verstummt. Denn zwischen dem Holzkubus und dem Theatergebäude liegt ein silbernes Meer. Während die Zuschauer in der Box waren, wurde der gesamte Platz mit glitzernder Folie ausgelegt.

Noch während die Leute staunend starren, beginnt ein kleiner Chor oben auf der neuen Holztreppe zum Luzerner Theater zu singen.

Opernsänger singen «s’Vreneli ab em Guggisberg»

Als der Chor danach das Haus betritt, strömen die Leute hinterher und werden im Inneren gleich nochmals besungen. Einige neue Mitglieder des Opernensembles und Gesangsstudenten der Luzerner Musikhochschule treten gemeinsam auf. Und bei den Schweizer Volksliedern stimmt auch das Publikum mit ein – Musikdirektor Clemens Heil an vorderster Front.

Wer traut sich auf die Tanzfläche?

Ein bisschen scheint die Rechnung der neuen Theaterführung bereits aufgegangen zu sein: Jung und Alt setzen sich im Globe auf den Boden, als hier die Türen aufgehen. Doch als das Tanzensemble die Tanzfläche stürmt und die umstehenden und sitzenden Leute zum Mittanzen animieren will, liegt eine seltsame Befangenheit in der Luft.

«Wir sind in Luzern, das klappt niemals», denke ich und genau in diesem Moment trauen sich die ersten Zuschauer auf die Tanzfläche. Kaum haben diese den Schritt gewagt und sind zwischen den Tänzern des Ensembles verschwunden, beginnen immer mehr Luzerner sich dazuzugesellen. «Luzerner tanzen im Luzerner Theater, das hätte ich nie gedacht», lachen zwei Einheimische beim Eingang.

Zwischen dem neuen künstlerischen Team und den Ensemblemitgliedern, neben Benedikt von Peter und Kathleen McNurney tanzen Jung und Alt. Für ein paar Songs bin ich mit dabei, aber die Musik ist nicht ganz meins und der Weg führt mich wieder nach draussen, wo zwei freundliche Security auf Wiedersehen sagen.

Bei der kleinen Bar vor der Box wird langsam aufgeräumt. Das silberne Meer ist schon wieder verschwunden.

Mehr Eindrücke des Tages finden Sie in unserer Slideshow:

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1 Kommentare
  1. Sam Pirelli, 12.09.2016, 12:59 Uhr

    Zu früh gegangen – und das Konzert der grossartigen Intoxica verpasst … Ts, ts, ts.