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NLZ muss mit Entlassungen rechnen
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NZZ-Medienchefin Myriam Käser erklärt im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wie es mit der NLZ weitergeht. (Bild: Montage les)

Sparkurs der NZZ hat Folgen für Luzern NLZ muss mit Entlassungen rechnen

5 min Lesezeit 18.02.2016, 19:05 Uhr

Wie viele Mitarbeiter der «Neuen Luzerner Zeitung» (NLZ) müssen gehen? Wie viel Geld will die Besitzerin NZZ mit den neusten Massnahmen sparen? Was bedeutet das für den journalistischen Inhalt der Zeitung? Nach dem überraschenden Wechsel an der Spitze der NLZ stellen sich viele Fragen – welche die Besitzerin nicht klar beantworten mag. Klare Worte aber findet die verärgerte St. Galler Regierung. Auch die Luzerner Amtskollegen mahnen.

Nur noch bis etwa Ende April heisst der Chefredaktor der «Neuen Luzerner Zeitung» (NLZ) Thomas Bornhauser. Ab dann übernimmt Pascal Hollenstein, stellvertretender Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», das Ruder. Dieser führt künftig sowohl die NLZ als auch das St. Galler Tagblatt. Für die beiden Zeitungen wird nun ein «Mini-Chefredaktor» gesucht, der für den Regionalteil zuständig ist. Weil diese Funktion für die beiden Nochchefredaktoren eine Zurückstufung gewesen wäre, haben sie ihren Job quittiert.

Abgänge sind wahrscheinlich

Die von der NLZ-Besitzerin NZZ angestrebten Änderungen haben klar das Ziel, Synergien zu nutzen und damit Geld zu sparen. «Ziel der gemeinsamen Organisation ist es, im Überregionalen, bei der Lesermarktbearbeitung und in der Verwaltung zusammenzuarbeiten», sagt NZZ-Medienchefin Myriam Käser. Entlassungen seien zwar keine geplant, versichert sie. Aber ausgeschlossen werden können sie auch nicht, wenn man Käser genau zuhört: «Sicher können wir nach Einführung des gemeinsamen Redaktionssystems und Layouts besser verhindern, dass gleiche Inhalte doppelt produziert werden. Das kann vereinzelt zu personellen Veränderungen führen.» «Personelle Veränderungen» steht im PR-Slang für Personalabbau.

Wie viel mit den Umstellungen konkret gespart werden soll, verrät Käser nicht. Nur so viel sagt sie: Sparen wolle man primär da, wo es den Kundennutzen nicht tangiere, indem man etwa ein einheitliches Redaktionssystem und ein gemeinsames Layout mit jeweils unterschiedlichem Markenauftritt einführe. Die Einsparung des Chefredaktors betrifft den Kundennutzen offenbar nicht.

Verliert NLZ an Lokalbezug?

Weggespart werden also erst einmal die beiden Chefredaktoren. Hinzu kommen wohl auch einige Journalisten, die für den überregionalen Bereich – nationale und internationale Themen – verantwortlich sind. Dazu schreibt die NLZ in der Donnerstagsausgabe selber: «Längerfristig ist ein gemeinsamer Mantelteil (der beiden Lokalzeitungen) vorgesehen.» Das hätte dann zweifellos Auswirkungen auf die Berichterstattung.

Dazu ein Beispiel: Wenn in Bern eine Medienkonferenz über ein nationales Thema stattfindet, schicken die NLZ und das Tagblatt künftig nicht mehr je einen Journalisten hin. Sondern nur noch einen, der dann für beide Zeitungen einen Beitrag verfasst – wie es teilweise schon heute der Fall ist. Hier stellt sich die Frage, ob diese Beiträge künftig noch regionalisiert werden. Heute ist es so, dass der NLZ-Journalist wenn immer möglich auch einen Luzerner Bezug herstellt. Etwa, indem er Luzerner Politiker zu Wort kommen lässt. Fällt das künftig weg, wenn der Tagblatt-Journalist darüber schreibt?

Käsers Antwort auf diese Frage fällt sehr, sehr ausweichend aus. Seitens der Verantwortlichen sei man sich durchaus bewusst, «dass es nationale Geschäfte gibt, bei welchen die regionale Sicht entscheidend ist». Was das genau heisst, bleibt offen.

NLZ fühlt sich als Cashcow

Dass gespart werden muss, ist angesichts der Krise in der Medienbranche zwar nicht verwunderlich und durchaus nachvollziehbar. Kaum ein Medienhaus in der Schweiz ist davon nicht betroffen. Viele Zentralschweizer fragen sich aber, wieso die NZZ bei der NLZ spart. Immerhin erwirtschaften die LZ-Medien noch immer Millionengewinne. 2014 waren es gut 8,5 Millionen. Das waren allerdings zwei Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Trotzdem herrscht auf der Luzerner Redaktion die Meinung vor, dass die NLZ als Cashcow für die darbende NZZ herhalten muss. Als Indiz dafür wird unter anderem der Sinkflug der NZZ-Auflage zitiert. Dieser ist in der Tat massiv zurückgegangen, und zwar innerhalb von zehn Jahren um 30 Prozent (2005: 151’000 Auflage, 2015: 106’000).

Käser weicht in ihrer schriftlichen Stellungnahme auch dieser Frage aus. Sie erwähnt bloss, dass bei der NZZ jeder Geschäftsbereich für sich rentabel sein müsse: NZZ Medien, die Regionaltitel und die Business Medien. Dabei würden Titel wie die NLZ von der Zusammenarbeit mit der NZZ-Gruppe profitieren, etwa bezüglich Vermarktung und Technologieentwicklung. So weit, so unklar.

Online wird gestärkt

Auch dass die NLZ in den letzten Jahren immer dünner, dafür aber teurer wurde, irritiert einige Leser. Käser begründet das wie folgt: «Die Zeitung ist heute weniger stark über Werbung finanziert und dadurch dünner. Für die Leserinnen und Leser haben wir das Angebot aber laufend ausgebaut, und zwar auf allen Kanälen – etwa mit der zusätzlichen Zeitung am Sonntag oder dem Ausbau der Online-Kanäle.»

Am meisten investiert wird bei der NLZ definitiv im Digitalbereich. So wird etwa das Online-Team derzeit um das doppelte aufgestockt. NZZ-Medienchefin Myriam Käser wird wenigstens hier etwas konkreter: «Wir verfolgen in den Regionalmedien eine offensive Digitalstrategie. Zu den geplanten Schritten gehören etwa der Relaunch der mobilen Webseiten oder ein neues Abo-Portal.» Zudem habe man soeben die Newsportale der NLZ und des Tagblatts sowie der Regionalausgaben der beiden Zeitungen neu lanciert. Davon hat der klassische Print-Zeitungsleser allerdings wenig bis gar nichts.

Fazit: Es bleibt den Zentralschweizern nichts anders übrig, als abzuwarten und genau hinzuschauen, wie sich «ihre» Zeitung in den nächsten Monaten entwickeln wird. Wird sie an Eigenständigkeit verlieren, muss sich Pascal Hollenstein womöglich nicht nur bei der St. Galler Regierung, sondern auch bei jener in Luzern erklären (siehe Box).

St. Galler Regierung nimmt NZZ ins Gebet – Luzern mahnt

Die zwei wegfusionierten Luzerner und St. Galler Chefredaktoren Thomas Bornhauser und Philipp Landmark sowie die nun angestrebte engere Zusammenarbeit der beiden Lokalblätter führen zumindest in der Ostschweiz zu einem politischem Nachbeben. Denn dort fühlt man sich von der Tagblatt-Besitzerin NZZ je länger je mehr marginalisiert.

«Wir sind enttäuscht über diese Entwicklung. Die Befürchtungen, die wir 2014 geäussert haben, werden nun leider bestätigt», sagt Regierungspräsident Benedikt Würth gegenüber dem «St. Galler Tagblatt». Hintergrund: Bereits im Oktober 2014 hatte die NZZ-Leitung mit dem NLZ-Mann Jürg Weber einen Gesamtleiter für die Regionalmedien in St. Gallen und Luzern ernannt. Schon das passte den Ostschweizern nicht. Dass die Medienhäuser nun auch publizistisch zusammengeführt werden, sei ein schlechtes Zeichen, meint Würth. «Die sankt-gallische und die ostschweizerische Perspektive auf nationalen Themen wird geschwächt. Das ist für die Profilierung unseres Landesteiles negativ.» Die Regierung werde deshalb bei den NZZ-Verantwortlichen vorstellig werden. Auch der Thurgauer Regierungspräsident Jakob Stark äusserte sein Bedauern.

Vorsichtig mahnend äussert sich auf Anfrage von zentral+ die Luzerner Regierung zum Thema. Regierungsrat Reto Wyss sagt: «Der Regierungsrat hat ein grosses Interesse an einer qualitativ hochstehenden Berichterstattung über kantonale und regionale politische Themen. Er hofft deshalb, dass die Neuorganisation nicht zu einer publizistischen Schwächung des Medienstandorts Luzern und Zentralschweiz führt.»

Lesetipp: Lesen Sie hier mehr zum Thema:

«Grosser Knall bei der NLZ − Bornhauser tritt ab»

«Nach Abgang von Chefredaktor – wie weiter mit der NLZ?»

Plus unseren Kommentar: «Zeit für frischen Wind bei der NLZ»

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