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Nach Gerichtsurteil in den USA

Recht auf Abtreibung: In Luzern demonstrieren 200 Frauen

Gut 200 Menschen fanden am Dienstagabend auf dem Bahnhofplatz Luzern zusammen. (Bild: ida)

Die Proteste zum Gerichtsurteil aus den USA erreichen Luzern: An diesem Dienstagabend haben rund 200 Personen auf dem Bahnhofplatz Luzern für das Recht auf Abtreibung demonstriert.

«Es ist erschreckend, dass wir alle heute hier sein müssen», sagt eine Frau. Vor ihr stehen rund 200 Personen mit grossen Transparenten und kleineren Schildern aus Karton. «You don't like Abortion? Get your Vasectomy» steht da drauf. Oder «Not your Body, not your Choice».

Was ist passiert? Vergangenen Freitag hat der Oberste Gerichtshof der USA das Urteil «Roe v. Wade» aufgehoben. Damit steht jedem Bundesstaat frei, Abtreibungen zu illegalisieren. In mehreren Bundesstaaten werden Abtreibungen innert Monatsfrist nicht mehr erlaubt sein – auch nicht bei Fällen von Vergewaltigungen. Schliesslich werden wohl über die Hälfte der 50 Bundesstaaten Abtreibungen stark einschränken oder verbieten.

Dagegen erhebt sich weltweit lauter Widerstand. Und die Protestwelle erreicht auch Luzern. An diesem Dienstagabend hat das feministische Streikkollektiv Luzern eine Kundgebung auf dem Bahnhofplatz angekündigt. Um ihre «Wut und Abscheu» auszudrücken gegenüber politischen Kräften, die über die Körper von Frauen entscheiden wollen.

Der Gerichtsentscheid habe nichts mit «fürs Läbe» zu tun, hält das feministische Streikkollektiv in einer Medienmitteilung fest. «Abtreibungen finden statt, ob es christlichen Fundamentalistinnen, rechten Politiker, Konservativen passt oder nicht.»

Durch Verbote würden Abtreibungen nur in die Illegalität gedrängt und dadurch unter unsicheren Bedingungen durchgeführt. Und das kostet Menschenleben, so das feministische Streikkollektiv. Weltweit sterben jährlich Zehntausende Frauen an den Folgen unsicherer und illegaler Abtreibungen.

Auch in der Schweiz wurden Initiativen zum Thema Abtreibung lanciert

Mit der Kundgebung wollen die Teilnehmerinnen nicht nur gegen das Gerichtsurteil in den USA protestieren. Sondern auch daran erinnern: «Weltweit und alltäglich wird die Selbstbestimmung von FLINTA-Personen und das Recht auf Abtreibung angegriffen. Von Polen über El Salvador bis in die USA – und auch in der Schweiz.»

Im Dezember haben Nationalrätinnen der SVP gleich zwei Initiativen lanciert, die Abtreibungen reduzieren wollen. Dahinter stehen die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann und ihre Parteikollegin Andrea Geissbühler.

Die «Einmal-darüber-schlafen-Initiative» soll laut den Initiantinnen Frauen vor «überstürzten Entscheidungen» schützen und fordert, dass vor einer Abtreibung ein Tag Bedenkzeit absolviert werden muss. Die zweite Initiative «Lebensfähige-Babys-retten-Initiative» will dem Fötus ab einem bestimmten Zeitpunkt ein absolutes Recht auf Leben zugestehen.

Kritik vom feministischen Streikkollektiv Luzern

«Die Initiativen zwingen die feministischen Kräfte in der Schweiz dazu, einen Status Quo zu verteidigen, der an sich schon problematisch und prekär ist», so das feministische Streikkollektiv Luzern dazu. «Denn genau betrachtet gilt der Abbruch einer Schwangerschaft in der Schweiz nach wie vor als Straftat.» Abtreibungen sind im Strafgesetzbuch geregelt und nur unter bestimmen Umständen straffrei: nämlich in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft, nach Bestätigung einer Notlage, nach einem Gespräch mit einer Ärztin.

Eine eintägige Bedenkzeit sei «beschämend und beleidigend». «Wir schulden niemandem die Gründe für unsere Entscheidungen, wir schulden niemandem ein ‹nochmal-drüber-schlafen›.»

Und mit den Worten «My Body, my Choice!» läuten die Teilnehmenden der Kundgebung Widerstand ein.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung feministisches Streikkollektiv Luzern
  • Besuch der Demo vor Ort
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