Nathalie Brunner: «Das Neubad ist ein Stadtentwicklungslabor»
  • Kultur
Nathalie Brunner wird neue Geschäftsführerin des Neubad in Luzern. (Bild: zvg)

Kulturmanagerin will Vollgas geben Nathalie Brunner: «Das Neubad ist ein Stadtentwicklungslabor»

3 min Lesezeit 6 Kommentare 30.03.2021, 19:55 Uhr

Die 40-jährige Nathalie Brunner übernimmt ab dem 1. August die Geschicke des Neubads als Geschäftsführerin. Die gebürtige Wienerin über die Endlichkeit der Zwischennutzung, die Ungewissheit und ihren Bezug zur Stadt Luzern.

Das Netzwerk Neubad stellte am Montag Nathalie Brunner als Nachfolgerin von Dominic Chenaux vor (zentralplus berichtete). Die 40-Jährige hat sich nach eigenen Angaben «schon früh dem Kulturschaffen und dem Zusammenkommen von Menschen aller Couleur und Interessengemeinschaften» gewidmet.

Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien in München war sie in unterschiedlichen Rollen für viele Kulturprojekte und Festivals tätig. Aktuell arbeitet Nathalie Brunner als Kulturmanagerin und Projektleiterin im multidisziplinären Kulturhaus Kosmos in Zürich. zentralplus hat mit der designierten Neubad-Geschäftsleiterin gesprochen.

zentralplus: Nathalie Brunner, wie gut kennen Sie die Stadt Luzern?

Nathalie Brunner: Ich bin seit vielen Jahren bekannt mit der Stadt Luzern, auch beruflich. So habe ich etwa die Workshops «Helvetia rockt» im Treibhaus durchgeführt, in Zusammenarbeit mit dem Female* Music Lab. Auch die Neubad-Kontakte bestehen seit Längerem aus meiner Arbeit in Zürich, da ein regelmässiger überregionaler Austausch besteht.

«Der Betrieb muss auch in Zukunft seine Kosten decken können.»

zentralplus: Was finden Sie am Neubad besonders reizvoll?

Brunner: Es ist ein einmaliger Ort, der über die Region hinaus bekannt ist. Ein Stadtentwicklungslabor, ein wichtiges Kulturzentrum. Der Innenraum, die Architektur, der Inhalt und die Menschen –  das Neubad entlockt mir immer wieder ein «Wow», wenn ich hier bin. Schon damals hätte ich mir einen solchen Ort für Zürich gewünscht. Hier zu arbeiten, diesen Raum mit Kultur zu füllen, ehrt mich.

zentralplus: Was ist für Sie das Neubad?

Brunner: Das Neubad ist vor allem ein vitaler und durchmischter Quartiertreffpunkt, der für alle Interessierten und Ideen offensteht. Es ist eine inspirative Tankstelle für Leib und Seele, geprägt von Partizipation. Das soll auch so bleiben.

«Wir alle sehnen uns nach Nähe und Kultur.»

zentralplus: Das Neubad ist auch eine Zwischennutzung und damit zeitlich begrenzt. Ist das für Sie eher mit Unsicherheit verbunden oder inspirierend?

Brunner: Zwischennutzungen haben per Definition ein fixes Ende. Das weiss man und so konzipiert man auch. Es gehört also dazu und ist für mich eher eine Inspiration. In der Zeit, die man hat, will man auch Vollgas geben. Als Zwischennutzung ist das Neubad inzwischen ja auch zu einer Beratungsstelle für andere Projekte geworden. Ob davon etwas bleibt, oder ob es an einem neuen Ort weitergeht – wer weiss.

zentralplus: Sie starten in einer schwierigen Zeit. Mit welchem Gefühl sehen sie dem Sommer entgegen?

Brunner: Es ist eine Challenge. Ich bin aber von Natur aus ein zuversichtlicher Mensch. Wir haben es mit der Pandemiesituation mit einer neuen Realität zu tun, mit der wir leben lernen müssen. Wir Kulturmanager haben gelernt, weiterzumachen, auch wenn vieles unplanbar ist. Wir müssen laufend analysieren und schauen, was geht. Schliesslich muss der Betrieb auch in Zukunft seine Kosten decken können.

zentralplus: Was ist Ihre Hoffnung?

Brunner: Dass es mit dem Impfen rasch vorwärtsgeht und Veranstaltungen wieder möglich werden. Dominic Chenaux und das Team können hoffentlich mit ihrem Programm im Sommer schon starten, bevor ich am ersten August übernehme. Und irgendwann ist auch diese Krise vorbei.

zentralplus: Und dann?

Brunner: Das Netzwerk Neubad wird dann mehr denn je dieser begehrte Sehnsuchtsort für seine vielen bunten Gäste sein. Wir alle sehnen uns nach Nähe und Kultur.

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6 Kommentare
  1. Dunning-Kruger, 31.03.2021, 10:44 Uhr

    Wenn man das Ganze aus der Perspektive vom «Umbau der Gesellschaft» her betrachtet, also u.a. Theorien über den Konstruktivismus (siehe Judith Butler) ungefragt zur Anwendung treibt, kann man schon zum Schluss gelangen, dass die Gesellschaft nolens volens in Experimente verstrickt wird, ja. Nur wäre mir das Labor hier eindeutig lieber als der Feldversuch.

  2. Michel von der Schwand, 31.03.2021, 09:41 Uhr

    Gewisse Exponenten meinen tatsächlich, sie können den Pöbel für blöd verkaufen. Das Neubad ist ein kultureller Quartiertreff mit Ausstrahlung in die Agglomeration. Frau Brunner übt sich in universitären Phrasen. Stadtentwicklungslabor? Das ist Satire. Danke für den Lacher.

    1. Peter Bitterli, 31.03.2021, 09:55 Uhr

      Ist dieser Zeitgeistmüll wirklich „universitär“? Dann ist die Degeneration an den Universitäten schon weiter fortgeschritten als ich vermutete.

    2. Michel von der Schwand, 31.03.2021, 11:26 Uhr

      @Peter Bitterli so schlimm ist es an den Universitäten schon nicht. Glaube ich. Vermute eher, dass die Degeneration in der Kultur schon weiter fortgeschritten ist. Stadtentwicklungslabor? Bitteschön, was will die Dame mit solch inhaltslosen Phrasen vermitteln? Ein Quartiertreffpunkt wird zur intellektuellen Kunstplattform? Irgendwie passend, dass dies im alten Hallenbad passiert. Da könnte man doch glatt meinen, gewisse Exponenten hätten zu heiss gebadet.

    3. Peter Bitterli, 31.03.2021, 12:46 Uhr

      @ Michel von der Schwand:
      Je nach Fakultät vermutlich. Was früher mal als „Geisteswissenschaft“ bezeichnet wurde, ist heute führend im postmodernen Unsinn. Von den sogenannten „Fachhochschulen“ als eigentlichen Petrischalen dieser Denke und Auffangbecken hochüberflüssigen Akademikernachwuchses ganz zu schweigen.
      Nun ja. Ich gehe davon aus, dass Frau Kaufmann schneller wieder vom Stadtlabor weg ist als es braucht, um „Servus“ zu sagen. Sie weiss ja: Zwischennutzungen haben ein definiertes Ende.

  3. Roli Greter, 31.03.2021, 07:00 Uhr

    Nein Frau Brunner, das Neubad ist ein Kultur- und Gastrobetrieb. No Drama 😉

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