Barbara Kiener hat ihre Performance beendet: Nach 24 Stunden betritt sie wieder festen Boden.
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Barbara Kiener hat ihre Performance beendet: Nach 24 Stunden betritt sie wieder festen Boden. (Bild: jru)

Symbol der Flüchtlingsthematik Nach 24 Stunden an der Kälte: Künstlerin verlässt Teich beim Löwendenkmal

3 min Lesezeit 1 Kommentar 01.10.2020, 14:00 Uhr

Die Aktionskünstlerin Barbara Kiener verbrachte 24 Stunden auf einem Floss im Teich beim Löwendenkmal. Die Performance galt als symbolischer Akt zur Flüchtlingsthematik und soll für eine Ausstellung verwendet werden.

Das Löwendenkmal gilt als eine der bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt Luzern. Passanten kamen am Dienstag und Mittwoch aber nicht nur wegen des steinernen Löwens ins Staunen: Auf dem Teich beim Löwendenkmal schwamm ein Floss mit einer liegenden Frau darauf. Die Aktionskünstlerin Barbara Kiener hatte sich vorgenommen, für 24 Stunden regungslos auf dem Floss zu verharren – ohne Unterbrechung (zentralplus berichtete).

Kieners Performance fand im Rahmen des Mehrjahresprojekts von «Löwendenkmal 21» der Kunsthalle Luzern» statt. Dies teilte Angela Gube, Mediensprecherin beim Projekt Löwendenkmal 21 (L21), gegenüber zentralplus mit. Die Aktion fand Anklang: rund 1’300 Besucherinnen und spontan Interessierte schauten vorbei.

Nach 24 Stunden naht das Ende

Die Künstlerin hielt durch. Sie lag während 24 Stunden bis am Donnerstagmorgen um 9 Uhr auf dem selbstgebauten Floss. Weder Pause, noch Essen oder Toilette standen auf dem Programm. Bewusst. Denn Kiener wollte bei ihrer ruhigen und mystisch angehauchten Performance auf die Flüchtlingsthematik und dem Ergehen der Betroffenen während deren Flucht aufmerksam machen. «Die Performance war berührend und ist ohne Zwischenfälle verlaufen», meint Karin Mairitsch, Projektleiterin L21 vor Ort.

Mittlerweile ist die Aktion beendet. Am Donnerstagmorgen um 8.45 Uhr erhob sich Kiener im weissen Kleid. Es schien, als müsse sie sich erstmal langsam strecken, nachdem sie sich während eines ganzen Tages kaum gerührt hatte.

Zuerst die Erholung, dann die Medien

Nachdem sich die Performerin aufgerappelt hatte, standen ihr mehrere Helferinnen zur Hilfe. Mit Seil und Rettungshaken holten sie die schwimmende Unterlage mit der darauf sitzenden Kiener an Land. Die Künstlerin bekam wieder festen Grund unter die Füsse.

Dafür, dass sie sich während eines ganzen Tages und einer Nacht nicht bewegt hatte, nichts gegessen und in der Kälte gelegen hatte, bewegte sich die Künstlerin erstaunlich gut. Für ein Interview war sie jedoch noch nicht bereit, wie die Projektleitung mitteilte.

Sinnbild des Scheiterns

Das Floss, auf dem die Künstlerin ihre Zeit verbrachte, soll gemäss Projektbeschrieb an die Flüchtlingsbewegungen der jüngeren Vergangenheit erinnern. Ebenfalls spielt die Aktion auf Théodore Géricaults Gemälde «Das Floss der Medusa» aus dem Jahre 1816 an. Dieses zeigt einen tragischen Rettungsversuch der auf den Grund gelaufenen Fregatte Méduse. «Ein Sinnbild für das Scheitern», wie es heisst. Das Betrachten des Bildes soll unangenehm sein – genauso die Intervention beim Löwendenkmal.

Für Projektleiterin Mairitsch war die Performance eine einmalige Erfahrung: «Ich bin in der Nacht hergekommen. Zuerst überwältigte mich ein sehr ästhetisch ergreifendes Gefühl. Ich dachte mir, wie schön diese Szenerie im spiegelglatten Wasser vor dem Löwen ist.» Nach wenigen Minuten wurde ihr aber unwohl. «Es lag Unbehagen in der Luft», erzählt Mairitsch weiter, nachdem die Künstlerin bereits vom Platz war.

Gegen die Kälte gab es Fell und Mütze

Die Atmosphäre habe nach eigenen Angaben die Ausrichtung der Performance wiedergegeben, die Kälte war jedoch kaum auszuhalten. Damit die Künstlerin nicht zu sehr abkühlte, brachte man ihr mitten in der Nacht Fell und Mütze. Zudem sei für die Sicherheit Kieners immer eine Person konstant vor Ort gewesen. An einen Abbruch wurde aber nie gedacht, teilt Mairitsch mit.

Eine fotografische Dokumentation ihrer performativen Intervention zeigt Kiener im Rahmen der Ausstellung «Die dunkle Seite des Löwen» ab dem 16. Oktober in der Kunsthalle Luzern.

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1 Kommentare
  1. chrisBonX, 01.10.2020, 23:31 Uhr

    Krass systemrelevant …!

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