Luzerner Forscher finden Rezept für günstigere Eigenheime
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Die Hochschule Luzern machte eine Studie zu einem neuen Modell für den Erwerb von Wohnungen und Häusern. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Wohneigentum auf Zeit Luzerner Forscher finden Rezept für günstigere Eigenheime

3 min Lesezeit 1 Kommentar 14.01.2021, 19:44 Uhr

Wohneigentum auf Zeit soll einem grösseren Teil der Bevölkerung ermöglichen, eigene vier Wände zu besitzen. Zudem soll dies nicht nur den Käuferinnen Vorteile bringen, sondern auch positive Wirkungen für Investoren und Umwelt haben.

Viele Schweizerinnen träumen von einer eigenen Wohnung oder einem eigenen Haus. Doch vielen fehlt für den Kauf einer Immobilie schlichtweg das Geld. In der Schweiz besitzen somit knappe 40 Prozent aller Bürger ein Haus oder eine Wohnung. Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt nun auf, wie mehr Personen als bisher zu Wohneigentum kommen können.

Kaufpreis sinkt deutlich

Das neue Modell heisst «Wohneigentum auf Zeit». Und der Name ist Programm: Der Käufer erwirbt eine Wohnung oder ein Haus. Das gekaufte Objekt gibt er nach einer bestimmten Frist wieder an die Investorin des Hauses zurück. Diese neuartige, befristete Art von Eigentum hat mehrere Vorteile, findet die Projektleiterin der Studie und Dozentin an der Hochschule Luzern Yvonne Seiler Zimmermann. Denn: Der Kaufpreis einer Immobilie würde durch die neue Form sinken. Seiler Zimmermann wird in einer Mitteilung zitiert: «Besonders attraktiv ist diese neue Eigentumsform für Menschen, die sich sonst kein eigenes Zuhause leisten könnten.»

Geht man nämlich von einer Lebensdauer der Immobilie von 100 Jahren aus und ist das Wohneigentum auf Zeit beispielsweise auf 30 Jahre beschränkt, so bezahlt die Käuferin nur 30 Prozent des Gesamtwerts der Immobilie an den Investor. Doch weshalb eine Wohnung kaufen, wenn man nach 30 Jahren wieder gehen muss? «Das entspricht in der Regel der effektiv notwendigen Nutzungsdauer einer bestimmten Immobilie», findet Seiler Zimmermann.

Zeitgeist und Nachhaltigkeit

Wenn es nach der Studie geht, trifft Wohneigentum auf Zeit exakt den heutigen Zeitgeist. Man sei davon abgekommen, alles ein Leben lang besitzen zu müssen. Dafür denke man nun immer mehr in Lebensphasen: «In jeder Lebensphase ändern sich die Bedürfnisse, so auch beim Eigenheim», führt die Dozentin aus.

Ein weiterer positiver Punkt, den die Studie im Wohneigentum auf Zeit gefunden hat, ist der verstärkte Nachhaltigkeitsaspekt. Mit einer auf eine gewisse Zeit befristeten Eigentumsform ist es dem Investor, also dem vor Beginn und nach Ende der Besitzdauer wiederkehrenden Eigentümer des Hauses, möglich, bessere Sanierungsmassnahmen am Gebäude vornehmen zu können. Und durch eine optimale Sanierung können Gebäude auch energetisch besser unterhalten und Bodenressourcen geschont werden.

«Wir haben in der Schweiz ein grosses Problem mit überalterten Immobilien, bei denen eine Totalsanierung längst überfällig wäre», meint Seiler Zimmermann weiter. Wenn sich beispielsweise Stockwerkeigentümer in Renovationsbelangen nicht einig würden, führe dies zu einem Stillstand. Und das wirkt sich auf die Öko-Bilanz des Hauses aus. Wenn aber nach jeweils dreissig Jahren die Wohnungen zurück in den Besitz des Investors gelangen, kann dieser einfacher und umfangreichere Baumassnahmen zur Substanzerhaltung vornehmen.

«Während ein Käufer im Besitz einer Wohnung ist, darf er mit denselben Rechten wie ein üblicher Stockwerkeigentümer bauliche Massnahmen an seinem Objekt vornehmen. Diese müssen am Ende der Vertragsdauer auch nicht mehr zurückgebaut werden», erklärt Seiler Zimmermann.

Akzeptanz ja, Investition noch nicht

Das neue Konzept ist bereits in grossen Kreisen auf eine hohe Akzeptanz gestossen, wie die Hochschule selbst mitteilt. Trotzdem gebe es in ganz Europa erst ein einziges Gebäude, bei dem Wohnungen im Wohneigentum-auf-Zeit-Modell zu kaufen seien. Das Haus in Bern ist eine Liegenschaft, die mit ihren 42 Wohnungen die Studienführer in ihren Überlegungen bestätigt. Denn: Das System funktioniert.

Dennoch: Grossinvestoren wie Banken und Pensionskassen sollen sich nach wie vor nicht mit der neuen Eigentumsform angefreundet haben. «Bei Neuerungen mit so grossem Innovationsgehalt tut sich die Immobilienbranche naturgemäss etwas schwer», so Seiler Zimmermann. Das sei auch der Grund, weshalb es momentan noch an entsprechenden Angeboten fehle. Solange die neue Eigentumsform nicht eine gewisse Marktdurchdringung erreicht habe, bleibe für die Investoren ein Risiko.

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1 Kommentare
  1. Mehr Details, 13.02.2021, 12:50 Uhr

    Hier wird viel geschrieben und nichts gesagt. Wie soll die Idee funktionieren, was ist der Nutzen des Investors, der gemäss dem Artikel nur 30% des VP erhalten soll?

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