Luzern plant internationalen Weihnachtscoup
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Sowohl das Eisfeld (links) auf dem Europaplatz sowie die Seerose sollen zu Weihnachten umplatziert werden. (Bild: zVg)

Seerose und Eisfeld sollen vors Hotel National Luzern plant internationalen Weihnachtscoup

6 min Lesezeit 1 Kommentar 09.05.2016, 16:44 Uhr

Auf dem grossen Platz beim Pavillon neben dem Hotel National am Quai soll eine attraktive «Weihnachtswelt» entstehen. Highlights: die riesige Gästival-Seerose, die zum Weihnachtsstern werden soll, und das Eisfeld, das normalerweise während der Weihnachtszeit vor dem KKL aufgebaut wird. So sollen mehr und zahlungskräftigere Besucher angelockt werden. Ob der Plan aufgeht, muss sich aber erst zeigen.

Das Luzerner Weihnachtsgeschäft läuft jeweils ganz ordentlich. Diverse Märkte bieten an, was man eben so anbietet um diese Zeit, und vor dem KKL können Eisprinzessinnen ein paar Runden auf dem temporären Eisfeld drehen, bevor sie sich einen Glühwein gönnen.

Durchschlagenden Erfolg hat dieses Angebot jedoch nicht. Durchschlagend im Sinne von: Luzern hebt sich über die Weihnachtszeit insgesamt nicht von anderen Städten im In- und Ausland ab. Doch das soll sich ändern. Und zwar richtig. Zumindest wenn es nach Kurt Christen vom Verein Weihnachten in Luzern geht. Dieser Verein setzt sich seit Jahren für eine Bündelung der Luzerner Weihnachtsangebote ein. Zusammen mit Luzern Tourismus und dem Produzenten Gerry Hofstetter will das Trio den Luzerner Weihnachtsmarkt mit einem neuen Hotspot ergänzen und beliebter machen. Und zwar – wennschon, dennschon – weltweit.

Kurplatz soll Weihnachtsmittelpunkt werden

Unter dem Titel «Weihnachtswelt Luzern» planen die Initianten eine Konzentration von Attraktionen an einem neuen Ort, nämlich rund um den Pavillon am Nationalquai. Konkret sollen die vom Gästival bekannte schwimmende Seerosen-Plattform sowie das Eisfeld vor dem KKL dorthin verschoben werden. Dies geht aus einer Ausschreibung im Kantonsblatt hervor. Von Mitte November 2016 bis ca. 10. Januar 2017 soll dieser Event erstmals stattfinden, danach alle Jahre wieder, wenn die Erfahrungen positiv sind.

«Es fehlt in Luzern ein Magnet und Highlight, um sich von anderen Weihnachtsdestinationen zu differenzieren.»

Aus der Ausschreibung des Vereins Weihnachten in Luzern

Neues Herzstück soll die Seerose werden. Diese wurde extra für das grosse Tourismusfestival Gästival letztes Jahr hergestellt. Die schwimmende Riesenplattform im Seerosendesign war die Hauptattraktion des Anlasses. Sie legte in allen beteiligten Zentralschweizer Kantonen an. In Luzern stand sie beim Inseli. Nach dem Festival schnappte sich der Verein MuTh Vitznau die Plattform. Er will dort ein Zentrum für Jugend, Musik und Theater einrichten. Nun soll das rosa Ungetüm mit seinen acht aufklappbaren Blättern während drei Monaten zum Luzerner Weihnachtsbooster werden.

So sah die Seerose vor dem Inseli bei Tag aus.

So sah die Seerose vor dem Inseli bei Tag aus.

(Bild: Emanuell Ammon)

Dazu schreibt der Verein Weihnachten in Luzern in der Bauausschreibung: «Die Seerose soll als erste schwimmende Weihnachtsplattform mit Markt und Kulturprogramm als der Weihnachtsstern von Luzern vor dem Kurplatz neben dem Hotel National verankert werden.» Die Seerose entspreche in Form und Farbe exakt der Pflanze Weihnachtsstern. Daher soll die Plattform attraktiv mit weihnachtlichen Lichteffekten beleuchtet und inszeniert werden. Dann kommt der Verein ob dieser Idee noch eine Stufe höher ins Schwärmen: «Somit würde die Seerose zum Weihnachtsstern und zu einem nicht übersehbaren einmaligen Anziehungspunkt im Seebecken der Leuchtenstadt Luzern und medial weltweit Beachtung finden.»

Stadt prüft, zahlt aber nichts

Mario Lütolf leitet bei der Stadt die Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen. Er sagt: «Ein Gesuch der Luzern Tourismus AG zur Verlagerung des Eisfeldes auf den Kurplatz liegt uns zur Prüfung vor. Noch ist es zu früh, um zur Beurteilung und den mit einer allfälligen Bewilligung verbundenen Auflagen und Bedingungen Stellung zu nehmen.» Bezüglich Seerosen-Plattform liegt der Stadt noch kein Nutzungskonzept vor. Laut Lütolf beteiligt sich die Stadt nicht an den Kosten des Projekts.

«Die Weihnachtswelt Luzern könnte zu einem grossen Anziehungspunkt in der Stadt werden.»

Kurt Christen, Verein Weihnachten in Luzern

Kurt Christen vom Verein Weihnachten in Luzern hat übrigens eine spezielle Beziehung zur Seerose. Er war während des Gästivals der Technik-Verantwortliche für die Plattform, etwa wenn es um die Verschiebungen von einem Standort zum anderen ging. Dadurch ist er auch auf die Idee gekommen, die Seerose für das Weihnachtsgeschäft einzuspannen.

Eisfeld vor KKL ist zu teuer

Auch soll das Eisfeld, das jeweils zur Weihnachtszeit vor dem KKL auf dem Europaplatz aufgestellt wird, auf den Kurplatz beim National verlagert werden. «Luzern soll so eine einheitliche, zentrale Weihnachtswelt erhalten», begründet der Verein die Idee. Und er hat nachvollziehbare monetäre Argumente: «Die Kosten der Bahn auf dem Europaplatz sind nicht mehr zu finanzieren.» Der Holz- respektive Wasseruntergrund auf dem Europaplatz würde die Kosten in die Höhe schiessen lassen. Es brauche einen festen Untergrund für die Bahn.

Das Eisfeld vor dem KKL soll auf die andere Seeseite verschoben werden.

Das Eisfeld vor dem KKL soll auf die andere Seeseite verschoben werden.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Zu essen und trinken geben könnte es laut Projektbeschrieb die Klassiker: Mineral, Bier, Kaffee, Tee, Glühwein, Fondue, Raclette, Suppen, Sandwich, Salate, Spiessli etc. Das sind allerdings erst Ideen. Öffnungszeiten sind laut Verein Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 14 Uhr plus am Freitag und Samstag bis 2 Uhr.

Nicht gerüttelt werden soll am Standort des grössten Luzerner Christbaummarktes. Dieser findet vor Weihnachten jeweils zwischen Schwanenplatz und Pavillon entlang des Nationalquais statt. Er soll als Verbindung vom Stadtzentrum in Richtung Pavillon dienen.

Rotes Smily: Hier soll die Seerose ankern. Blaues Smiley: Hier vor dem Pavillon soll das Eisfeld hin.

Rotes Smily: Hier soll die Seerose ankern. Blaues Smiley: Hier vor dem Pavillon soll das Eisfeld hin.

Beleuchtete Eislandschaft

Der Verein Weihnachten in Luzern ist gemäss Beschreibung überzeugt: «Vor und beim Kurplatz könnte die Infrastruktur ideal miteingebunden werden und Luzern hätte eine bewährte Attraktion in einer aufgefrischten Variante. Von deren Wertschöpfung könnten weitere Betriebe profitieren.» Der Pavillon werde weihnachtlich beleuchtet, die vorhandenen Lampen und Bäume sollen in die Eislandschaft integriert werden.

Der Verein ist davon überzeugt, dass ein solches Angebot nötig ist: «Es fehlt in Luzern ein Magnet und Highlight, um sich von anderen Weihnachtsdestinationen zu differenzieren. Es fehlt der einmalige Aufhänger, der Besucher und Gäste speziell nach Luzern zu verlocken mag und auch über Luzern hinaus Beachtung findet.»

Tourismus hofft auf Impulse

Von diesem neuen Weihnachtsangebot sollen nicht nur die Besucher profitieren. Auch der Tourismus, konkret die Hoteliers, sollen einen Happen vom Erfolg abbekommen. Denn mehr Gäste bedeuten oft auch mehr Übernachtungen in Luzern sowie mehr Umsatz für die städtischen Läden. Das würde prima passen, denn im Winterhalbjahr hat Luzern noch grosses Potenzial. Zudem erhoffen sich die Initianten mit dieser Stärkung Luzerns als Weihnachtsstadt unter anderem auch, mehr zahlungskräftige Kundschaft anzulocken. Nicht nur Tagestouristen, die so schnell weg sind, wie sie gekommen sind. An diesem Ziel arbeitet Luzern Tourismus schon länger. Kurt Christen präzisiert hier: «Dieses neue Angebot ist natürlich für die ganze Bevölkerung gedacht.»

Was die ganze Aktion kostet, möchte Christen noch nicht verraten. «Wir sind zusammen mit unseren Partnern am Evaluieren.» Klar sei bislang, dass sich die öffentliche Hand nicht daran beteilige.

Grosse Hoffnungen

Das Gesuch für die Seerose beim Pavillon liegt noch bis Ende Mai zur Einsicht beim Kanton oder auf dessen Webseite auf. Danach wird klar, ob und wer gegebenenfalls Einsprache dagegen gemacht hat und ob das Projekt eine Chance hat. Für das Gesuch der Eislaufbahn ist die Stadt Luzern zuständig (siehe Box).

Wichtig zu wissen: All diese Angaben sind noch nicht in Stein gemeisselt, sondern Teil der Projekteingabe an den Kanton und die Stadt als Bewilligungsbehörde. Es ist damit zu rechnen, dass es noch Anpassungen geben wird.

Kurt Christen ist überzeugt, dass das Projekt grosse Chancen hat und in der Bevölkerung gut ankommen würde. «Die Weihnachtswelt Luzern könnte zu einem grossen Anziehungspunkt in der Stadt werden.»

Plattform zerstörte Pflanzen – aber nur kurz

Bevor die Seerose letzten Sommer vor dem Luzerner Inseli anlegen durfte, musste ein Umweltgutachten her. Denn die 30 mal 30 Meter grosse Plattform beeinträchtigt natürlich die Unterwasserwelt an diesem Standort, weil dadurch kaum mehr Sonne auf den Seeboden scheinen kann. Die Firma Aquaplus AG hat die Wasserpflanzen vor, während und nach dem Seerosengastspiel analysiert. Ihr Fazit, das auch für die Bewilligung beim Nationalquai wichtig sein dürfte: «Die Plattform hat dazu geführt, dass die gesamte beschattete Fläche praktisch abgestorben war. Die Vegetation war massivstens ausgebleicht, lediglich wenige Reste der Pflanzen waren noch grün.»

Das tönt zwar erschreckend, hat aber ein Happy End: «Zwei Monate später war von der ausgebleichten Fläche keine Spur mehr zu sehen, die Vegetation hat sich vollständig regeneriert.» Die Firma warnt aber: «Eine noch längere Benutzung hätte zu einem Absterben der Pflanzen führen können.»

So sieht der Plan der Initianten aus.

So sieht der Plan der Initianten aus.

(Bild: zVg)

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1 Kommentare
  1. Markus Walti, 10.05.2016, 09:30 Uhr

    Man stelle sich vor, die verstreuten Weihnachtsmärkte zu vereinen, von Pavillon bis zu den Tennisplätzen einen Weihnachtsmarkt vor den prächtigen Hotelbauten zu realisieren und die Seebadi für Glühwein und Raclette mit Sicht aufs winterliche Luzern zu öffnen. DAS wäre dann die wirkliche Weihnachtsstadt Luzern!

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