Krienser Stadtrat befürwortet 110-Meter-Hochhaus der Pilatus-Arena
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Bauvorsteher Matthias Senn (links) zeigt Cyrill Wiget und Toni Bucher, wo der Veloweg durchführen soll. (Bild: sib)

Ball liegt beim Parlament Krienser Stadtrat befürwortet 110-Meter-Hochhaus der Pilatus-Arena

6 min Lesezeit 4 Kommentare 28.10.2019, 16:01 Uhr

Kommt Kriens zu seiner Sport- und Eventhalle? Nachdem der Stadtrat den Bebauungsplan abgesegnet hat, wünscht er sich dasselbe vom Parlament. Die Höhe der Hochhäuser scheint bei den Kriensern kein Zankapfel mehr zu sein.

Aus 80 Metern wurden 104 und später sogar 110 Meter – das in Kriens geplante Hochhaus wuchs zumindest auf dem Papier immer weiter in die Höhe. Zum Vergleich: Der höhere der Allmend-Türme misst 88 Meter (zentralplus berichtete).

Am Montag luden der Stadtrat um Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne) und Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) gemeinsam mit Toni Bucher, Verwaltungsratspräsident der Pilatus-Arena AG, zur Medienorientierung. Grund dafür ist, dass der Stadtrat am Montag die Unterlagen zum Bebauungsplan und zur Teilzonenplanänderung an den Einwohnerrat versendet. Dies, nachdem der Stadtrat am 11. September den Vorprüfungsbericht des Kantons erhalten hat. «Einige der Anträge haben wir bereits in den Bebauungsplan einfliessen lassen», so Senn.

Vom Stadtrat gibt es grünes Licht

Die Haltung des Stadtrats zum Projekt ist klar: Er empfiehlt dem Parlament die Zustimmung zu den Pilatus-Arena-Plänen. Die Rede ist von einem «überzeugenden und durchdachten Projekt in sportlicher, städtebaulicher und wirtschaftlicher Hinsicht». Die Lage am S-Bahnhof Mattenhof sei für eine multifunktionale Arena geeignet. Zudem sei die Verdichtung an dieser Stelle mit den beiden Hochhäusern vertretbar. Kriens komme zu einem Infrastrukturbau von nationaler Bedeutung, ohne sich direkt finanziell engagieren zu müssen.

Das Projekt Pilatus-Arena

Auf dem Areal am Mattenhof-Kreisel zwischen Bahnhof Mattenhof, dem Brändi-Areal und der Ringstrasse planen private Investoren eine Überbauung mit dem Ziel, eine Sport- und Eventhalle für 4’000 Zuschauer zu erstellen. Flankiert wird die Halle durch zwei Wohnbauten. Am Gebäude direkt am Mattenhof-Kreisel sind 138 Mietwohnungen geplant, im Turm beim Bahnhof Mattenhof sollen 277 Miet- und Eigentumswohnungen realisiert werden.

Auch kritische Punkte hätten einer Prüfung standgehalten. So die engen räumlichen Verhältnisse und die Mobilität. Die nahen Quartiere sollen von Suchverkehr verschont bleiben. Zusätzliche Parkplätze sollen einzig für die Anwohner und das Gewerbe, welches in den Hochhäusern Einzug halten soll, gebaut werden – nicht jedoch für die Halle selbst.

Für Toni Bucher sollte dies kein Problem darstellen: «Einerseits hat es genügend umliegende Parkhäuser. Andererseits sind die Veranstaltungen vor allem am Abend und am Wochenende, wenn es in den Parkhäusern genügend Platz haben wird.» Senn ergänzte, dass die Besucher mit der S-Bahn-Haltestelle in unmittelbarer Umgebung sowieso möglichst aufs Auto verzichten sollen. Zumal im Rahmen von flankierenden Massnahmen ein Kombibillett (Eintritt und Transport) geplant sei. Ob der Stadtrat das Parlament damit überzeugen kann, wird sich am 28. November zeigen – an diesem Tag ist die erste Lesung im Einwohnerrat traktandiert.

Hochhaushöhe scheint nun akzeptiert zu sein

Um den Puls der Krienser zu fühlen und herauszufinden, wie sie zum Projekt Pilatus-Arena und damit zum 110-Meter-Turm stehen, leitete der Krienser Stadtrat ein Mitwirkungsverfahren ein. Im Februar und März lagen der Bebauungsplan und die Teilzonenplanänderung öffentlich auf. «Neun schriftliche Eingaben gingen bei der Stadt ein», erzählte Matthias Senn.

Der Bauvorsteher erklärte im Stadthaus, von wem die neun Eingaben im Mitwirkungsverfahren kamen: «Neben der EWL und Pro Velo gemeinsam mit dem VCS waren es drei Parteien, zwei Privatpersonen, die Gewerbebauten TPC AG sowie eine Sammelangabe von Kuonimatt-Anwohnern.» Die Höhe der Hochhäuser sei dabei kein grosses Thema gewesen. Senn dazu: «Nur eine Privatperson hat darauf hingewiesen, dass ursprünglich nur von 80 Metern Höhe die Rede war.» Inzwischen sind es 110 Meter für das höhere und 50 Meter für das niedrigere Hochhaus (zentralplus berichtete). Dies ist weiterhin der Fall, auch wenn Senn eingestehen musste, dass es mit Pergola und Lift tatsächlich noch jeweils drei Meter mehr sind.

Es soll eine Buvette entstehen

Er fasste die am häufigsten genannten Themen in den Mitwirkungseingaben in fünf Punkten zusammen: «Ein zentraler Punkt ist die Führung des Veloverkehrs. Mehrere Parteien wünschen sich, dass die Strecke der Veloverbindung zwischen Luzern und Hergiswil geklärt wird, beispielsweise die Velowegführung des Freigleises.»

«Eine Mantelnutzung ist der einzige Weg, den wir zur Finanzierung gesehen haben.»

Cyrill Wiget, Krienser Stadtpräsident

Zudem wünschen sich die Mitwirkenden genügend «öffentliche Aussenräume mit hoher Aufenthaltsqualität» sowie einen Gemeinschaftsraum für die Quartierbewohner, konkret einen Gewerberaum an der Ecke Horwerstrasse/Mattenstrasse, wie die Kuonimatt-Bewohner vorschlagen. Der Krienser Stadtrat nennt diesen Ansatz «spannend». Er habe Potenzial für eine interessante und gesellschaftsfähige Nutzungsart an diesem Ort. Laut Senn soll zudem eine Buvette entstehen. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nicht nur die Aussenflächen für die Anwohner sein sollen, sondern dass auch die Dachflächen der Hochhäuser zugänglich sein werden. «Das Dach der Arena hingegen wird begrünt», so der Bauvorsteher.

Die Krux mit dem Mehrwertausgleich

«Ausserdem besteht ein grosses Bedürfnis, dass die Pilatus-Arena auch für den Schul- und Vereinssport genutzt werden kann», so Senn weiter. In diesem Bereich konnte Cyrill Wiget Entwarnung geben: «Die Schule und Vereine werden Interesse an einer Nutzung haben, da das Quartier weiter wächst.» Toni Bucher, einer der Köpfe hinter dem Projekt, zeigte in seiner Präsentation bereits auf, wie die Arena als Sporthalle genutzt werden könnte.

Weiter wird eine seriöse und transparente Herangehensweise bei der Berechnung und Verwendung des Mehrwerts verlangt. Seit dem 1. Mai muss der Kanton mindestens 20 Prozent des Mehrwerts abschöpfen, wenn Grundstücke zu Bauland eingezont werden. Der vertragliche Mehrwertausgleich wird in den entsprechenden Fonds der Stadt Kriens eingelegt, womit beispielsweise eine öffentliche Spiel- und Freizeitanlage im Raum Luzern Süd finanziert werden könne, so der Stadtrat. Senn und Wiget liessen durchblicken, dass sich die Berechnung recht anspruchsvoll gestaltet habe und man diese habe überprüfen lassen. Nicht nur, weil es sich in Kriens dabei um eine Premiere handelt.

Der Grössenvergleich im Modell: Das geplante Hochhaus in Kriens links, rechts die Allmend-Türme.

Für die Arena sind 39 Millionen Franken budgetiert, Kanton und Bund beteiligen sich mit sieben bis neun Millionen daran. 27 Millionen Franken sollen über die Mantelnutzung querfinanziert werden. «Dies ist der einzige Weg, den wir zur Finanzierung gesehen haben», so Wiget. Laut Senn ist dies auch der Grund, weshalb die Berechnung des Mehrwerts durch die Teilzonenplanänderung bloss einen Wert von 1,4 Millionen Franken ergeben hat. 20 Prozent davon wären also 280’000 Franken. «Dafür haben sich die Investoren bereit erklärt, zwei Millionen Franken in den Krienser Mehrwertfonds zu zahlen», sagte Senn.

Der letzte genannter Punkt ist die Tragfähigkeit: Es soll aufgezeigt werden, dass die Pilatus-Arena von der Trägerschaft unterhalten werden kann, so die Forderung.

Wie wird sich das Parlament dazu stellen?

Folgt eine Mehrheit des 30-köpfigen Parlaments der Empfehlung des Stadtrats und tritt in der ersten Lesung auf die Vorlage ein, wird der Stadtrat den überarbeiteten Bebauungsplan öffentlich auflegen. Das Parlament wird die Vorlage dann in der zweiten Lesung beraten. Bei einer Zustimmung und wenn der Entscheid des Einwohnerrates nicht über das fakultative Referendum an die Urne gebracht wird, werden die Planungen anschliessend dem Regierungsrat zur Genehmigung unterbreitet. Die Investoren hätten so baurechtliche Klarheit, um das Projekt auf dem Grundstück weiterentwickeln zu können.

«Das Projekt hat einiges an Hirnschmalz gebraucht.»

Cyrill Wiget

Wiget ist gespannt auf die erste Lesung im Parlament. Er könne sich vorstellen, dass das Projekt vor das Volk kommen wird. «Es ist durchaus möglich, dass der Einwohnerrat nicht die alleinige Verantwortung für das Projekt tragen will – wie wir auch nicht – und deswegen die Bevölkerung darüber abstimmen lassen möchte. So wäre es breit abgestützt.»

Erfolgt der Baustart bereits 2021?

Auch dem Stadtrat sei es wichtig, dass die Bevölkerung dahintersteht. Hinter einem Projekt, das nach Angaben des Krienser Stadtpräsidenten «einiges an Hirnschmalz gebraucht hat» und das nach Aussage von Senn und Wiget gerade bei der Mobilität eine Vertiefung noch nötig habe.

Bucher betonte, dass man ohne Referendum am ursprünglichen Zeitplan festhalte: 2020 soll der Bebauungsplan stehen und 2021 nach Möglichkeit der Baustart erfolgen.

Blick vom Mattenplatz: rechts das kleinere Hochhaus, dahinter die Halle und der 110-Meter-Turm. (Visualisierung: Raumgleiter AG, Zürich)

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4 Kommentare
  1. Stofe, 29.10.2019, 14:11 Uhr

    Sagenhaft wie unsere Krienser Stadträte mit den verbleibenden Bodenflächen umgehen!
    Alles muss zubetoniert werden!
    Wundert Euch nicht, wenn die Quittung der nachfolgenden
    Generation kommt.

  2. Cäsar Aschenbrödel, 29.10.2019, 12:25 Uhr

    Eine neue Einöde und Betonwüste entsteht. Keine 500m weiter wird derweil die Renaturierung des Steinibachs auf Höhe Bahnhof Horw mit Fanfaren gefeiert. Dort ist zu lesen: „Jeder Grünfläche zählt!“. Und dann Mattenhof: Die Architektur ähnelt in ihrer beispiellosen Lieblosigkeit dem US-Projekt „Pruitt/Igoe“. Es fehlt nur noch der Charakter des sozialen Wohnungsbaus. In 5-10 Jahren, wird die Entwicklung im Mattenhof, als beispielhafte Anti-Schablone der Studierstuben herhalten müssen. Und was tun die Politier, anstatt nach Treu und Glauben solchen Entwicklungen (welche in keiner Weise dem Gemeinwohl dienen) Herr zu werden? Sie unterstützen es unisono über die Gemeindegrenzen hinaus und applaudieren noch gutgelaunt!

  3. Kasimir Pfyffer, 28.10.2019, 16:43 Uhr

    Der Stadtrat bleibt sich treu: Er bewilligt feuchte Fantasien von Immobilienentwicklern die

    a) Das Ortsbild auf Jahrzehnte verschandeln

    b) massive Infrastrukturausbauten notwendig machen – auf Kosten aller Krienser Steuerzahler

    c) die manifesten Verkehrsprobleme im Unort „Luzern Süd“ wie auch im Grossraum Kriens weiter chronifizieren und verstärken

    Momoll, super gemacht!

  4. Joseph de Mol, 28.10.2019, 16:22 Uhr

    Welch Wunder! Die Volksverteter alimentieren die Bauwirtschaft wunderbar mit Aufträgen. Wenn’s dann floppt, muss nochmals der Steuersäckel hinhalten, um die Defizite zu egalisieren. Und noch dies: Handball ist bekanntlich jetzt nicht gerade DIE Sportart, welche die Massen mobilisiert. Mantelnutzung ebenfalls problematisch, da es in der Region bereits ein verschärftes Überangebot gibt. Die gesamte Planung die Pilatus-Arena betreffend ist aus architektonischer wie auch betriebswirtschaftlicher Sicht ein einziger gigantomaner Anachronismus!

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