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Kriens-Präsident kritisiert Zusammenarbeit mit dem FCL
  • Sport
Werner Baumgartner diskutiert nebst Sport auch gerne über Politik. (Bild: les)

Ausbildung von Talenten bringt SCK nur wenig Kriens-Präsident kritisiert Zusammenarbeit mit dem FCL

6 min Lesezeit 1 Kommentar 12.06.2019, 12:24 Uhr

Die besten Spieler des SC Kriens wechseln regelmässig nach Thun. Diese Zusammenarbeit funktioniere besser als mit dem nahen FC Luzern. SCK-Präsident Werner Baumgartner bedauert dies und erwähnt exemplarisch die Ungewissheit rund um Torwart Simon Enzler. 

Der Präsident des SC Kriens, Werner Baumgartner, äussert sich gerne pointiert. Im zweiten Teil des Interviews wagen wir einen Blick über den Tellerrand hinaus. Im ersten Teil sprach Baumgartner über die sportliche Zukunft des SC Kriens (zentralplus berichtete). 

zentralplus: Werner Baumgartner, das Pendant zum SC Kriens in der Super League ist der FC Thun. Mit wenig Mitteln erreichen die Berner Oberländer viel. Mit Saleh Chihadeh wechselt nach Chris Kablan, Dejan Sorgic und Ridge Munsy schon wieder ein Krienser zu Thun. Wie verläuft diese Zusammenarbeit?

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Werner Baumgartner: Hinter beiden Vereinen stehen ähnliche Philosophien. Wir denken langfristig und verlieren die Nerven nicht. Beim FC Thun sind vernünftige Leute am Ruder, die mit dem Herz und nicht dem Portemonnaie dabei sind. Diese Zusammenarbeit funktioniert besser als mit anderen Vereinen.

zentralplus: Besser als mit dem FCL?

Baumgartner: Ich bedaure etwas, dass in der Innerschweiz nicht mehr möglich ist. Die Thuner Beispiele zeigen ja, dass unsere Spieler das Zeug für die Super League haben.

«Es entscheidet nur noch der grosse Verein, was mit den jungen Talenten passiert.»

zentralplus: Der FC Luzern hat einige Spieler an Kriens ausgeliehen. Funktioniert das gut?

Baumgartner: (Zögert) Die Sache ist recht kompliziert und daher nicht ganz einfach zu erklären.

zentralplus: Ich stelle die Frage anders. Ist das Modell mit dem FCL als Nummer eins in der Region für junge Talente und dem SC Kriens als Plan B für die «Zweitbesten» noch das Richtige?

Baumgartner: Mit Vorbehalt. Das Modell, welches vom SFV vorgegeben wird, macht das Leben für die Kleinen zunehmend schwierig. Ziel des Verbandes ist es, die Besten zu fördern. Das macht zwar Sinn. Leider wird aber so den kleinen Vereinen die Verantwortung und damit die Motivation zunehmend entzogen. Es entscheidet nur noch der grosse Verein, was mit den jungen Talenten passiert. Aus meiner Sicht geht dadurch auch die Identität der kleineren Vereine verloren, es ist alles nur auf die Grossen ausgerichtet.

Seit der abgelaufenen Rückrunde die Nummer 1 des SC Kriens: Auch Simon Enzler hat Chancen, neuer Stammgoalie beim FCL zu werden.

Seit der abgelaufenen Rückrunde die Nummer 1 des SC Kriens: Auch Simon Enzler hat Chancen, neuer Stammgoalie beim FCL zu werden.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

 

zentralplus: Torwart Simon Enzler hat sich in der Rückrunde gut entwickelt. Womöglich wird er gar die Nummer 1 beim FCL. Vielleicht bleibt er auch beim SC Kriens. Der Entscheid liegt beim FCL. Sind Ihnen die Hände gebunden?

Baumgartner: Simon ist sicher ein gutes Beispiel für die Situation eines kleinen Vereins. Wir konnten ihn eine Saison vom FC Luzern ausleihen und ihn an den Profifussball heranführen. Er hat uns in dieser Zeit mit seinen Leistungen auch geholfen, dass wir die Liga halten konnten. Letztlich haben wir aber dann nichts mehr von ihm, sollte er nicht noch ein weiteres Jahr bei uns bleiben. Die Schwierigkeit liegt darin, dass es im heutigen System für uns nur Sinn macht, junge Talente auszuleihen, wenn uns diese sofort helfen können. Jedoch nicht solche, welche wir noch weiter ausbilden und an die Challenge League heranführen müssen. Denn wenn wir diese Arbeit übernehmen, haben wir am Schluss nichts davon und andere profitieren.

«Wenn immer möglich, sollten wir junge Spieler selber unter Vertrag nehmen können.»

zentralplus: Sie wirken etwas zerknirscht.

Baumgartner: Die Anreize, junge Talente weiterzubringen, sind für uns falsch. Es ist doch logisch, dass jeder für sich schaut. Beide Vereine haben sportliche Ziele und eine wirtschaftliche Verantwortung. Im Nachwuchs bilden wir im Team Innerschweiz mit dem FCL, dem Team Zugerland und dem SC Kriens zusammen aus, jedoch liegt am Schluss alles in den Händen des FC Luzern. Das ist für uns nicht immer einfach und auch nicht immer motivierend.

zentralplus: Und was lernen Sie daraus?

Baumgartner: Wir müssen uns den Gegebenheiten anpassen, die richtigen Schlüsse daraus ziehen und eigenständig bleiben. Wenn immer möglich, sollten wir junge Spieler selber unter Vertrag nehmen können. Dies ist für einen Verein wie den SCK und mit dem kleinen Budget halt nicht ganz so einfach.

zentralplus: Und was erwarten Sie vom FC Luzern?

Baumgartner: Wir sind in einem ständigen Austausch und wünschen uns vor allem eine vorausschauende und langfristige Zusammenarbeit, bei welcher das Team Zentralschweiz im Vordergrund steht. 

zentralplus: Zu einem anderen Thema, das nur entfernt mit dem FCL zu tun hat: Beim GC-Abstieg ist die Situation in der Swissporarena eskaliert, das Spiel musste abgebrochen werden. Sie haben nach den Vorfällen erklärt, der SC Kriens könnte sich vorstellen, auf die Heimspiele gegen GC zu verzichten und damit die sechs Punkte den Zürchern schenken. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

Baumgartner: Absolut, aber ich will es auch nicht provozieren und selbstverständlich würden wir die Spiele gerne stattfinden lassen. Es geht mir auch nicht nur um GC. Aber ich verlange, dass man die Problematik bespricht. Man muss schauen, wie viele Sicherheitskräfte müssen aufgeboten werden, wo sind die Risiken und was bedeutet es finanziell. Wenn wir die Sicherheit nicht garantieren können, dann werde ich ernsthaft den Antrag stellen, Spiele im Kleinfeld nicht durchzuführen. Ich will nicht leer drohen, sondern ich will die Leute wecken.

«Die Aussage ‹es ist ja nicht so schlimm› kann ich nicht stehen lassen. Ich finde, es ist sehr schlimm.»

zentralplus: Konflikte mit Fussballfans sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Bei den letzten drei Abstiegen von GC, Lausanne und Zürich gab es teils wüste Ausschreitungen. Was wäre zu tun?

Baumgartner: Es gibt offensichtlich sehr unterschiedliche Wahrnehmungen. Ich bin auch der Meinung, man hat das Problem nicht im Griff. Aber die Liga und ein Teil der Vereine sehen das anders. Sie sehen Fortschritte, die ich nicht sehe. Die Aussage, «es ist ja nicht so schlimm», kann ich nicht stehen lassen. Ich finde, es ist sehr schlimm. Wenn Spieler die Trikots abgeben müssen, damit es keine Verletzten gibt, dann ist das schockierend. Man darf es nicht überdramatisieren, aber man darf es auf keinen Fall verharmlosen oder schönreden. Und vor allem darf man nicht warten, bis noch Schlimmeres passiert.

Werner Baumgartner mit dem Trikot seines Herzensclubs.

Werner Baumgartner mit dem Trikot seines Herzensclubs.

(Bild: les)

zentralplus: Was sagen Sie zum Protest mit der Kette der FCL-Fans? Dort war keine Gewalt im Spiel.

Baumgartner: Auch das mit der Kette finde ich nur mässig originell. Wenn ein Flitzer «füdliblutt» den Platz stürmt, dann wird er von zwei Leuten im Schwitzkasten abtransportiert. Und der hat auch niemandem etwas zu Leide getan. Und wenn jemand mit Gewaltandrohung die Hosen der Spieler verlangt, greift man nicht durch. Da stimmt doch etwas nicht. Die Sicherheitsverantwortlichen sagen: 95 Prozent der Stadionbesucher fühlen sich sicher. Aber schaut mal, wie viele nicht mehr kommen. Womöglich aus Angst, vielleicht aber auch aus Überdruss.

«An den grossen Schlagzeilen sind nicht die Medien schuld, der Fussball selbst hat diese hervorgebracht.»

zentralplus: Ihre Worte zum Thema schlugen hohe Wellen. Sind Sie einfach der einzige, der in einer Welt voller weichgespülter Floskeln auch mal Klartext spricht?

Baumgartner: Ich bedaure, dass nicht mehr Verantwortliche hingestanden sind. Ich habe mich exponiert, auch für die Zukunft – und damals war die Politik noch kein Thema (lacht). Ich wählte meine Worte nicht aus Kalkül, sondern aus einer festen Überzeugung. Das Echo hat mich nicht wahnsinnig überrascht.

zentralplus: Was sollte die Liga tun?

Baumgartner: Sie muss meiner Meinung nach den Lead übernehmen, auch wenn das nicht einfach ist. An den grossen Schlagzeilen sind nicht die Medien schuld, der Fussball selbst hat diese hervorgebracht. Bürgerinnen und Bürger verstehen nicht, warum rund um den Fussball illegale Handlungen möglich sind und einfach hilflos akzeptiert werden, während der Staat beim «kleinen Mann» das Gesetz rigoros mit teilweise sehr hohen Bussen oder anderen Massnahmen durchsetzt.

zentralplus: Was sind Ihre konkreten Forderungen?

Baumgartner: Keine rechtsfreien Zonen mehr und schnelle Urteile mit drastischeren Massnahmen. Zudem müssen die Vereine noch besser in die Pflicht genommen werden, vor allem auch bei Auswärtsspielen. Generell eine bessere Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Parteien und kein Weitergeben des Schwarzen Peters.

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1 Kommentare
  1. Heinz Gadient, 12.06.2019, 15:00 Uhr

    Klare Worte von Werni Baumgartner!! Und Kriens soll die nächste Saison mit Osigwe im Tor spielen – der ist eh besser als Enzler.

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