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Knüsel wünscht sich ein Gspändli im Innerschweizer Königsverbund
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Harry Knüsel wurde 1986 in Sion als erster Innerschweizer Schwingerkönig bejubelt. (Bild: Christian Mutzner )

Ein Leben für den Schwingsport Knüsel wünscht sich ein Gspändli im Innerschweizer Königsverbund

7 min Lesezeit 1 Kommentar 03.07.2019, 04:53 Uhr

Heinrich «Harry» Knüsel ist bis dato der einzige Schwingerkönig aus der Innerschweiz. Gut möglich, dass seine solitäre Regentschaft heuer ein Ende finden wird. Den umtriebigen Zuger, der sich auf allen erdenklichen Ebenen ins heimische Eidgenössische einbringt, würde es freuen.

Was er am 24. August 1986 im Walliser Regen in Sitten auslösen würde, dessen war sich Heinrich Knüsel, den einfach alle nur als den «Harry» kennen, nicht bewusst. Als erster und bisher einziger Schwinger aus der Innerschweiz sollte er damals ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest gewinnen und so zum Schwingerkönig werden. Und das ist er auch heute noch, denn Schwingerkönig bleibt man ein Leben lang.

Genau 33 Jahre nach seinem Königstitel wird in Zug vor über 56 000 Zuschauern der erste Wettkampftag am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 ausgetragen. «Als Innerschweizer hoffe ich natürlich auf einen einheimischen Sieg», erklärt Knüsel und beziffert dabei die Chancen der Innerschweizer auf 50 Prozent. «Das Team ist sehr ausgeglichen und es gibt den einen oder anderen Schwinger, dem ich den grossen Schritt zutraue.»

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Schwingerkönig-Nachwuchs ist gewünscht

Auf das Nennen konkreter Namen will sich der Schwingerkönig von 1986 nicht einlassen. Angesprochen auf den grossen Trumpf Joel Wicki sagt er nur: «Er traut sich anzugreifen, wo manchmal andere Spitzenschwinger auf Sicherheit schwingen. Das gefällt mir, aber natürlich auch dem Publikum. Gerade deswegen glaube ich, dass seine Chancen auf den Königstitel intakt sind. Aber es gibt nicht nur Joel Wicki, sondern auch viele weitere Schwinger aus der Mannschaft des Innerschweizer Schwingerverbandes, die das Zeug zum Schwingerkönig mitbringen.»

Im Gespräch mit ihm wird deutlich spürbar, dass er sich Zuwachs im Königsverbund der Innerschweiz wünscht. Bisher sitzt er darin alleine. Er sähe in einem Innerschweizer Schwingerkönig viele Vorteile, für sich, aber auch den Schwingsport im Allgemeinen. «Die Begeisterung für den Schwingsport in der Innerschweiz ist ungebrochen.

«Es würde mich nicht stören wenn mal ein anderer Innerschweizer Schwingerkönig an einem Anlass einspringen könnte.»

Harry Knüsel, einziger Innerschweizer Schwingerkönig

Ein neuer Schwingerkönig aus der Innerschweiz könnte für den zweifellos vorhandenen Nachwuchs ein Vorbild werden. Und zudem könnte ich auch mal dem jüngeren Schwingerkönig den Vortritt lassen, wenn es um die Präsenz an einem Anlass in unserer Region geht!»

Viel unterwegs

Dass sich Harry Knüsel zu seiner «Entlastung» einen Innerschweizer Schwingerkönig als Ergänzung wünscht, ist verständlich, wenn man hört, wie oft er derzeit für den Schwingsport im Einsatz steht. «Im Moment sind es mehrere Anlässe pro Woche, an denen ich eingeladen oder integriert bin. Das macht natürlich Spass und dennoch würde es mich keinesfalls stören, wenn ich einmal einen Anlass auslassen könnte, weil ein anderer Innerschweizer Schwingerkönig einspringen könnte.» Er spricht damit auch die Berner oder Nordostschweizer an, bei denen mehrere Schwingerkönige die Termine je nachdem untereinander aufteilen können.

Harry Knüsel ist ein gefragter Mann in der Schwingerszene.
Harry Knüsel ist ein gefragter Mann in der Schwingerszene.

(Bild: Tobias Meyer)

Dass der im Schwingervolk äusserst beliebte Knüsel derzeit oft unterwegs ist, liegt aber auch daran, dass er rund um das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 sehr engagiert ist. Gleich drei Ämter nimmt er ein: Er ist Munipate von ESAF-Siegermuni «Kolin», ESAF-Botschafter und Mitglied im Präsidialausschuss des Organisationskomitees. Diese intensive Zeit bestreitet der in Abtwil (AG) wohnhafte 58-Jährige aber mit viel Elan. «Es bleibt mir ja nichts anderes übrig», sagt er.

Chance für den Schwingsport

Das Eidgenössische Schwingfest in Zug sieht er als grosse Chance für die ganze Region. «Eine bessere Plattform für die Stadt und den Kanton Zug kann es eigentlich nicht geben.» Die Wertschöpfung für die Region Zug ist «riesig», wie es Knüsel ausdrückt. Die Schweizerinnen und Schweizer sollen spüren, dass der Kanton Zug im Speziellen und die Stadt Zug im Allgemeinen nicht nur Arbeitsgebiet ist, sondern viel mehr zu bieten hat. Der Kanton Zug ist zwar flächenmässig einer der kleinsten der Schweiz, aber Berge, zwei Seen und viel ländliches Gebiet machen den Kirsch-Kanton einmalig.

Der Anlass werde breit gestreut und darin sieht Knüsel auch die Chancen für den Zuger Schwingsport. Wenn nach dem ESAF der eine oder andere Jungschwinger bei einem der vier Zuger Schwingklubs anklopft und dabei bleibt, sei das Ziel bereits erreicht. «Das Problem mit dem Nachwuchs kennen ja viele andere Sportarten auch.» Dass das Eidgenössische Schwingfest mitten in der Stadt Zug stattfinde, macht für Knüsel durchaus Sinn. «Der Unterschied zwischen Stadt und Land ist im Schwingsport aus meiner Sicht kaum mehr zu erkennen.»

Wirtschaft macht mit

Der kritischen Haltung rund um den Schwingsport, dass es immer grösser werde und immer mehr Geld im Spiel sei, steht Harry Knüsel positiv gegenüber. Insbesondere das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug steht in Schwingkreisen immer wieder in der Kritik. «Ich kann diese Punkte verstehen und man muss aufpassen, dass nicht übertrieben wird. Aber solange es der Wirtschaft gut geht, werden die Schwinger oder die Schwingveranstaltungen davon profitieren. Das Produkt Schwingsport stimmt halt einfach», erklärt der Zuger. Allerdings macht Knüsel hinter seiner Aussage auch Abstriche. «Es darf nicht ausarten, und wenn es nur alle drei Jahre an den Eidgenössischen Schwingfesten geschieht, sehe ich auch keine Probleme mit den immer höher werdenden Budgets an den Schwingfesten.»

«Luzern 2004 war der Start einer neuen ESAF-Ära. Das Eidgenössische hat sich seither deutlich verändert.»

Harry Knüsel, erster Innerschweizer Schwingerkönig

Ausserhalb der Eidgenössischen Schwingfeste müsse aber die Ehrenamtlichkeit zwingend beibehalten werden. «Genau diese Ehrenamtlichkeit macht den Schwingsport im Gegensatz zu anderen Sportarten so einzigartig», ergänzt Harry Knüsel. Immer wieder merkt man ihm im Gespräch an, dass er weiss, wovon er spricht. Es ist nicht das erste und sicherlich nicht das letzte Mal, dass sich der Schwingerkönig von 1986 in Sitten zu diesem Thema äussern muss.

Rasante Entwicklung miterlebt

Harry Knüsel, der erst mit 18 Jahren zum Schwingsport kam, hat die Entwicklung der Eidgenössischen Schwingfeste hautnah miterlebt. Drei Jahre nach seinem Königstitel bestritt er 1989 in Stans wie heuer die Innerschweizer Schwinger ein Heim-Eidgenössisches. «Ich habe kaum mehr Erinnerungen daran, was rund um Stans geschah. Der Fokus lag auf dem sportlichen Abschneiden. Wie die Stimmung am Fest oder im Vorfeld war, kann ich also nicht beurteilen.» 15 Jahre später in Luzern bekam er von der Organisation schon viel mehr mit, leitete er doch das Gabenkomitee gemeinsam mit dem heutigen Obmann Paul Vogel. «Luzern 2004 war der Start einer neuen ESAF-Ära. Das Eidgenössische, vor allem das Drumherum, wurde grösser und hat sich seither auch deutlich verändert.»

Und jetzt steht wieder ein ESAF in der Innerschweiz an. Und dies erst noch im Kanton Zug, für den Knüsel während seiner Aktivzeit im Einsatz stand. Bedauert er, dass ihm die Möglichkeit eines Eidgenössischen in der Heimat verwehrt blieb? «Nein, ich habe mich jeweils fast noch wohler gefühlt, wenn ich nicht in der Nähe meines Wohnortes geschwungen habe.» Der Einsatz in der Nähe von zu Hause setze Druck auf. «Damit geht nicht jeder gleich um. Für die einen ist es eine Last, andere treibt es womöglich gar zu Höhenflügen an.»

Auch ein Gastgeber

Harry Knüsel ist am ESAF auch Gastgeber. Wie schon am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld sowie drei Jahre später in Burgdorf wird es entlang der Festmeile «Königszelte» geben. «Darauf freue ich mich besonders, denn wir können den interessierten Besucherinnen und Besuchern viel bieten, und ich hoffe, dass sich dies zum Treffpunkt der Schwinger entwickeln wird», erklärt er.

Harry Knüsel am ESAF 1986 im Sägemehl gegen Ernst Schläpfer.
Harry Knüsel am ESAF 1986 im Sägemehl gegen Ernst Schläpfer.

(Bild: Christian Mutzner)

Im Herzen steht die «Kolin-Bar», welche von Harry Knüsel und seinem Team gleich selbst betrieben wird. «Pro Teilverband gibt es ein Zelt oder ein Chalet. Bei uns Innerschweizern wird es ein Holzchalet sein.» Das Chalet trägt den Namen «Königshuus». Das Personal für diese beiden Standorte kommt ebenfalls aus dem Umfeld von Schwingerkönig Knüsel und von dessen Schwingklub Cham-Ennetsee. Auch die übrigen vier Teilverbände erhalten um die Kolin-Bar eine Platzmöglichkeit mit einem mottogerechten Namen.

Knüsel ist überzeugt, dass sich die Schwingerfreunde uneingeschränkt auf das Eidgenössische Schwingund Älplerfest 2019 in Zug freuen können. «Es ist beeindruckend, mit welchem Elan und welcher Freude in der Organisation an diesem Grossanlass gearbeitet wird.» Er selber wird den Anlass sicherlich genau beobachten, als Gastgeber, als Zuschauer, als Botschafter, als Munipate oder als Mitglied des Präsidialausschusses des Organisationskomitees. Und wer weiss, vielleicht sogar auch als letztmals einzig und alleiniger Schwingerkönig aus der Innerschweiz.

Dieser Artikel stammt aus TYPISCH, das Magazin für Tradition. www.typischmagazin.ch

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1 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 03.07.2019, 06:52 Uhr

    Die Nordostschweizer sind auch dieses Jahr am stärksten besetzt. Aber der ISV hat mit Wicki einen Mann am Start, der durchaus, wenn’s läuft, den Titel holen kann! Dennoch sehe ich es deutlich vor mir: Giger Samuel wird der neue Chönig!