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IG Kultur: Die Leuchttürme sind in Gefahr
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Die Höflinge verspotten Rigoletto – Bernt Ola Volungholen in der Federjacke als Marullo und Denzil Delaere mit der blonden Perücke als Borsa.  (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Bedroht das Luzerner Sparpaket die Kultur? IG Kultur: Die Leuchttürme sind in Gefahr

4 min Lesezeit 28.10.2016, 12:54 Uhr

Jetzt geht die Kultur auf die Barrikade: Zieht der Kanton das Sparpaket so durch, hätte das Folgen für die grossen Kulturbetriebe vom Kunstmuseum bis zum Verkehrshaus. Letztlich sei nicht nur das Kulturangebot bedroht, sondern es stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel, ist die IG Kultur überzeugt. Darum startet sie jetzt eine Online-Petition.

Letztes Wochenende startete das Sinfonieorchester einen Aufruf gegen geplante Kürzungen der Kantonsbeiträge (zentralplus berichtete). Nun zieht die IG Kultur, der Dachverband der Zentralschweizer Kulturbetriebe, nach: «Es wird eng für die Kultur in Luzern. Drohende Kürzungen der öffentlichen Beiträge stellen die Entwicklung und zum Teil die Existenz der fünf grossen Kulturbetriebe in Frage», teilt die IG Kultur mit.

Hintergrund ist das 500 Millionen Franken schwere Sparpaket der Luzerner Regierung. Von Kürzungen sind auch die Beiträge an den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe betroffen – konkret das Luzerner Theater, das Sinfonieorchester, das Kunstmuseum, Verkehrshaus und Lucerne Festival.

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1,2 Millionen weniger pro Jahr

Zurzeit erhalten diese Institutionen vom Kanton rund 20 Millionen Franken pro Jahr. Ab 2017 sollen es nach den Plänen des Kantons jährlich 1,2 Millionen Franken weniger sein. Ursprünglich wollte man die Beiträge sogar leicht ausbauen (zentralplus berichtete). Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen, das Kantonsparlament wird im November und Dezember über das KP17 debattieren.

Die IG Kultur Luzern fordert nun gemeinsam mit den betroffenen Institutionen «ein klares Bekenntnis zur Kultur in Luzern und einen Verzicht auf diese kurzsichtige Sparmassnahme». Dazu hat die Kultur-Lobby am Freitag eine Online-Petition gestartet. «Um deutlich zu machen, dass die Sparpolitik nicht von der Kulturszene mitgetragen wird», so die IG Kultur.

Samt Banner protestierten die Musiker des LSO gegen die kantonalem Sparmassnahmen.  (Bild: Thomas Plain)

Samt Banner protestierten die Musiker des LSO gegen die kantonalem Sparmassnahmen.  (Bild: Thomas Plain)

Auswirkungen auf Beiträge der Stadt

«Die Sparmassnahmen hätte weitreichende Auswirkungen und würde nicht nur die Subventionen der Stadt Luzern, die unmittelbar an die kantonalen Gelder gekoppelt sind, ebenfalls kürzen, sondern auch die eigenerwirtschafteten Mittel genauso wie die Beiträge Dritter mitbetreffen», so die IG Kultur. Wegen des fixen Verteilschlüssels hätte die kantonale Kürzung der Subventionen automatisch eine Kürzung des städtischen Beitrags um weitere 0,5 Millionen Franken zur Folge.

Erst 2015 wurden die Leistungsvereinbarungen zwischen dem Zweckverband Grosse Kulturbetriebe Kanton Luzern und den Institutionen unterzeichnet. Die Betriebe rechneten daraus mit Budget- und Planungssicherheit für die nächsten Jahre.

Die fünf genannten Leuchttürme hätten kein luxuriöses Budget, so die IG Kultur, bereits in den Vorjahren habe es erhebliche Kürzungen gegeben. «Die erneute massive Streichung von Subventionen trifft die Institutionen an ihrem Lebensnerv», so die IG Kultur. Konkret seien Arbeitsplätze gefährdet und die Einlösung der in den Leistungsaufträgen festgeschriebenen Aufgaben sei infrage gestellt.

Entwicklung wird aufs Spiel gesetzt

IG-Kultur-Präsident Urs Bugmann und Geschäftsleiterin 
Eva Laniado benennen die Bedeutung der grossen Kulturbetriebe für Luzern: «Die Kultur in Luzern, die Ausstrahlung der Kulturstadt, das Angebot für Bevölkerung und Gäste, die Wertschöpfung für Wirtschaft und Tourismus, das kreative Klima werden in einem Masse beeinträchtigt, das zunichtemacht, was in langen Jahren erfolgreich aufgebaut, etabliert und fortentwickelt werden konnte.» Das werde nun aufs Spiel gesetzt, obwohl die Sparübung die Finanzprobleme des Kantons nicht lösen würden.

Die Kürzungen hätten nach Meinung der IG Kultur letztlich Auswirkungen auf den gesamten Kulturplatz, «bis hin zur Musikschule und Musikhochschule Luzern, auf die gesamte Musik- und Theaterlandschaft». Die IG Kultur Luzern fordert darum: «Es müssen andere Lösungen gefunden werden, etwa eine Lockerung der Schuldenbremse.»

Die Halle Luftfahrt des Verkehrshauses.

Die Halle Luftfahrt des Verkehrshauses.

(Bild: PD)

Folgen für die einzelnen Institutionen

Die IG Kultur benennt die Folgen für die einzelnen Institutionen: Beim Luzerner Theater hätten: «Einsparungen im künstlerischen Bereich hätten unweigerlich Qualitätseinbussen und eine Verminderung des Angebots zur Folge.» Den Theaterbetrieb würde es in dieser Form nicht mehr geben – eine Spartenschliessung wäre nicht ausgeschlossen.

Beim Sinfonieorchester (LSO) sei als Hausorchester des Luzerner Theaters doppelt von Kürzungen der Beiträge der öffentlichen Hand betroffen. Das LSO soll 0,5 Millionen Franken weniger vom Kanton erhalten. «Das Orchester kann eine weitere Reduktion der staatlichen Beiträge nicht verkraften», teilt das LSO bereits vor einigen Tagen mit. Schon heute ist das LSO jenes Orchester in der Schweiz mit dem höchsten Anteil der Eigenfinanzierung (zentralplus berichtete).

Auch beim Kunstmuseum Luzern
 bestehe nach der Kürzung der Subventionen 2014 und eigenen Sparanstrengungen von 10 Prozent kein Spielraum mehr, der Betrieb sei bei weiteren Kürzungen nicht mehr garantiert. «Im nationalen Vergleich wirtschaftet das Kunstmuseum Luzern bereits heute äusserst kosteneffizient», so Laniado und Bugmann. 2019 feiert der Trägerverein des Kunstmuseums, die Kunstgesellschaft Luzern ihr 200-jähriges Jubiläum (zentralplus berichtete).

Das Verkehrshaus der Schweiz 
verhandelt derzeit mit dem Bundesamt für Kultur über höhere Bundesbeiträge. Obwohl die Verhandlungen erfolgsversprechend verliefen, durch die kantonalen Kürzung der Subventionen sei eine Erhöhung durch das Prinzip der Subsidiarität infrage gestellt, so die IG Kultur. «Das Museum ist ausgesprochen gut besucht und ein touristischer Magnet in Luzern, doch verursacht der aufwendige Unterhalt der Sammlung hohe Kosten», so die IG Kultur.

Das renommierte Lucerne Festival schliesslich erhält im Vergleich einen geringeren Betrag an Subventionen – es wäre daher auch von der Kürzung weniger stark betroffen. Trotzdem wäre es ein negatives Zeichen, «das nicht dazu beiträgt, das Lucerne Festival als fundamentalen Beitrag an die lebendige Kultur in Luzern sichtbar zu machen», so die IG Kultur. Das Festival sei nicht zuletzt auch ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor.

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