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Gisikon sponsert Restaurantbesuch mit Steuergeldern
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Die Gemeinde Gisikon bittet zu Tisch im «Treff 6038». (Bild: zvg)

Luzerner setzen auf Integration mit dem Kochlöffel Gisikon sponsert Restaurantbesuch mit Steuergeldern

4 min Lesezeit 25.04.2017, 15:28 Uhr

Die Rontaler Gemeinde Gisikon leidet unter Entfremdung und fehlendem Dorfleben. Statt die Faust im Sack zu machen, lanciert sie kulinarische Aktionen und will so den Zusammenhalt im Dorf stärken. Mit Steuergeldern Essensgutscheine zu finanzieren: Ist das Sache der öffentlichen Hand?

Zur Vorspeise eine Curryschaumsuppe mit Kokosnussmilch und Flusskrebsen, zum Hauptgang ein gebratenes Zanderfilet auf Spargel-Champignon-Ragout mit jungen Kartoffeln und Rohschinkenstreifen und als Nachtisch ein Hugo on Ice, eine Kugel Zitronenglace mit Prosecco, Holunderblütensirup und frischer Minze. Dieser vielversprechende Dreigänger wird am 23. Juni im Restaurant Tell, einem Betrieb der Remimag-Gruppe, in Gisikon serviert. Für gerade einmal 39.50 Franken.

Gemeinde fehlt das Dorfleben

Ein exklusiver Preis für eine exklusive Kundengruppe. Denn ausschliesslich die Bewohner der 1’300-Seelen-Gemeinde im Rontal kommen in den Genuss eines gemeinderätlich genehmigten Essensgutscheins in der Höhe von 10 Franken – ansonsten würde das Menü 49.50 Franken kosten. Und auch sonst zeigt sich Gisikon grosszügig gegenüber seinen Steuerzahlern: So bezahlt sie etwa Gratistagesausflüge auf das Stanser- und das Stockhorn oder bietet verbilligte SBB-Tageskarten, ebenso eine vergünstigte Kneipp-Tour durch das Naturschutzgebiet (zentralplus berichtete).

Das hat seinen Grund. Denn obwohl täglich Tausende Pendler an Giskion vorbeifahren – einen Zwischenstopp legen die Vorbeireisenden äusserst selten ein: «Gisikon hat die Tendenz zu einer Schlafgemeinde», konstatiert Gemeindeschreiber Beat Amrein. Darunter leiden wie in vielen anderen Gemeinden der Zusammenhalt und das Dorfleben, so Amrein: «Die Leute hier, insbesondere Neuzuziehende, kennen sich kaum, oder zumindest zunehmend weniger.»

Die Gemeinde Gisikon bezahlt seinen Bürgern einen Beitrag ans Menü im Gasthof Tell.

Die Gemeinde Gisikon bezahlt seinen Bürgern einen Beitrag ans Menü im Gasthof Tell.

(Bild: Screenshot / Google)

Verantwortliche rechnen mit 40 Teilnehmern

Das will man nicht einfach so belassen. Deshalb hat sich die Redaktion der gemeindeeigenen Publikation «Dorfpost Gisikon» etwas einfallen lassen: Sie lädt an zwei Abenden die Bürger zum Nachtessen in die zwei einzigen Restaurants der Gemeinde.

Das ist neben dem für seine Fischgerichte bekannten Gasthof Tell das Restaurant «Treff 6038», das am 19. Mai zu Tisch bittet. Im Mischbetrieb wird zum Anlass handfeste und lokale Kost serviert: Luzerner Chässuppe, danach Chügelipastetli, zum Schluss gibt es Birewegge und Lebkuchen mit Schlagrahm. Kostenpunkt: 24 Franken.

«Es liegt auch in unserer Verantwortung, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und für eine lebendige Kommune zu sorgen.»

Beat Amrein, Gemeindeschreiber Gisikon

Zu Tisch gebeten werden auch explizit Zuzüger – denn wie im übrigen Rontal nisten sich immer mehr Leute auf der Achse zwischen Luzern und Zug ein, bestätigt Amrein. Umso mehr Gisikoner der Einladung folgen, desto besser. Amrein rechnet mit rund 40 Anmeldungen für die beiden Tage. So gesehen halten sich die Kosten im Rahmen.

Inspiriert von TV-Sendung

Gleichzeitig bietet die kommunale Verwaltung Unterstützung für die Aktion «Gisiker kochen für Gisiker». Das Ziel: Die Einwohner bilden Kochgruppen und verwöhnen sich dann gegenseitig kulinarisch in regelmässigem Abstand – inspirieren liess man sich von der einschlägigen SRF-Sendung «Landfrauenküche».

Im Gegensatz zum TV-Vorbild hält man den Ball aber flach, wie auf einem entsprechenden Aufruf auf der Webseite der Gemeinde zu lesen ist: «Keine Angst – wir begeben uns nicht auf dieses Niveau und Bewertungen gibt es auch keine», schreibt die Initiatorin Daniela Elmiger Amrein.

Für Gemeindeschreiber Amrein sind die beiden Aktionen eine lustvolle Möglichkeit, näherzurücken: «Beim Essen lernt man sich kennen.» Doch ist es tatsächlich Aufgabe der Gemeinde, mit Steuergeldern die lokalen Gaststätten zu subventionieren? «Nicht unbedingt», stellt Amrein klar. «Jedoch liegt es in unserer Verantwortung, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und für eine lebendige Kommune zu sorgen», begründet der Gemeindeschreiber die unkonventionellen Aktionen.

Eine einmalige Aktion

Diesen Auftrag nehme man ernst, deshalb habe sich der Gemeinderat bereit erklärt, einen kleinen Beitrag aus der Gemeindekasse zu sprechen. Er kenne keine andere Luzerner Kommune, die eine ähnliche Massnahme umgesetzt habe. Gisikon unterstütze auch in anderen Bereichen, etwa in der Kultur, Projekte, welche den Zusammenhalt stärken.

«Wenn die Gemeinde einen Teil der Steuergelder mit dieser Aktion an seine Bürger zurückgibt, finde ich das eine gute Sache.»

Markus Halter, Co-Präsident SVP Gisikon

Ausserdem handle es sich beim Restaurant-Rabatt um eine einmalige Sache: «Wir haben die Aktion an der gemeinsamen Redaktionssitzung der Dorfpost entworfen und der Gemeinderat hat sie unterstützt. Es ist ein Novum und wird es vorerst auch bleiben.»

Selbst der Co-Präsident der SVP Gisikon, die nicht im Gemeinderat vertreten ist, hält den Daumen hoch: «Ich koche und esse gerne – wenn die Gemeinde einen Teil der Steuergelder mit dieser Aktion an seine Bürger zurückgibt, finde ich das eine gute Sache», erklärt Markus Halter.

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