Gesundheit & Fitness
Ambulante Angebote werden ausgebaut

Die Zuger Jugendpsychiatrie ist am Anschlag

In den letzten Jahren war die Kinder- und Jugendpsychiatrie besonders gefordert. So auch in Zug. (Bild: zvg/ Adobe Stock)

Ängste, Essstörungen, Depressionen: Die Pandemie hat der Jugend zugesetzt. Das spürt die Triaplus AG, die im Kanton Zug ambulante psychiatrische Dienste anbietet. Die Tagesklinik in Baar wird nun ausgebaut.

An den wenigsten Menschen ist die Pandemie spurlos vorbeigegangen. Wie sich nun immer mehr zeigt, sind es insbesondere die Jugendlichen, welche Corona belastet. Die Mitarbeiterinnen der Triaplus AG, die in Baar ambulante psychiatrische Dienste sowie eine Tagesklinik betreibt, sind seit der Pandemie am Anschlag. Auch wenn im Notfall bisher stets ein Therapieplatz gefunden werden konnte, besteht Handlungsbedarf. Die Wartezeiten für nicht-akute Fälle liegen aktuell bei sechs Monaten.

Jugendpsychiatrie Zug: Personalausbau von 3,5 Vollzeitstellen

Das soll sich nun ändern: «Wir sind sehr froh, dass wir ab Oktober im bestehenden Gebäude zusätzliche Räume, respektive 380 Quadratmeter, gewinnen», sagt Erich Baumann, der CEO der Triaplus AG. Zudem werden 3,5 Vollzeitstellen neu geschaffen.

«Tatsächlich ist die Personalsituation schweizweit schwierig.»

Erich Baumann, CEO der Triaplus AG

Damit gehen organisatorische Veränderungen einher. Der Empfang, der heute gut einsehbar ist, soll künftig aus Diskretionsgründen in ein separates Zimmer verlegt werden. Bloss: Eine Vergrösserung ist nur möglich, wenn das nötige Personal gefunden wird. Und das war schon bisher ein Problem (zentralplus berichtete).

«Tatsächlich ist die Personalsituation schweizweit schwierig, denn die Zahl der Kinder- und Jugendpsychiater ist beschränkt», so Baumann. Nichtsdestotrotz: Ziel ist es nun, die langen Wartezeiten abzubauen, die vor der Pandemie bei zwei bis drei Wochen lagen.

Eine plötzliche, hohe Nachfrage, die bis jetzt anhält

Jörg Leeners, Chefarzt und Bereichsleiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie von Triaplus in Zug, sagt: «Ich bin seit 2002 als Psychiater in der Schweiz. Die Zunahme der Behandlungen passierte zunächst langsam. Wir konnten uns stets vorbereiten. Wenige Monate, nachdem die Pandemie ausgebrochen war, erlebten wir einen sprunghaften Anstieg.» Die hohe Nachfrage sei bis heute nicht abgeklungen.

Das sagt Jörg Leener zu den Gründen für diesen Anstieg:

Die Einschränkungen, die Jugendliche während der Pandemie erlebt hätten, hätten diese in ihrer Entwicklung gestört. Freunde treffen, Sport treiben; plötzlich war nichts mehr möglich. «Vor 2020 hatten wir ein bis zwei Notfälle pro Monat. Nun haben wir sie wöchentlich. Diese Woche waren es bereits zwei», sagt Leeners. Insgesamt werden in Baar jährlich rund 800 Personen behandelt.

Gesellschaftliche Entwicklung führt zu mehr Fällen

Doch nicht nur die Pandemie dürfte zur Zunahme der psychiatrischen Fälle geführt haben. «Psychische Krankheiten sind heute weniger stigmatisiert als noch vor einigen Jahren. Eltern oder Lehrpersonen suchen eher Hilfe», so der Chefarzt. «Dazu kommt jedoch auch, dass Jugendliche heute unter einem enormen Druck stehen. Man will alles perfekt machen in der Schule, im Studium. Das wird zum Problem.»

Für den Kanton Zug sind sowohl die ambulanten Dienste wie auch das Tagesambulatorium von grosser Bedeutung. Dies, weil es hierzulande keine stationären Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche gibt. Eine Zusammenarbeit besteht zwar mit der Klinik Clientia, diese liegt jedoch im Littenheid, Kanton Thurgau.

Wichtig: Therapie ohne Schulabsenz

Als Ergänzung zu den ambulanten Diensten betreibt Triaplus das Tagesambulatorium in der Schule Sonnenberg, wo sechs Plätze zur Verfügung stehen. «Dieses Angebot ist für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie deren Umfeld – sei es die Familie oder die Schule – eine enorme Hilfe», sagt Leeners.

Dort erhalten die Betroffenen die nötigen Therapien und besuchen daneben eine Tagesschule. Gleichzeitig sind die Kinder und Jugendlichen nahe bei ihrem Wohnort und können rasch wieder in die Regelschule integriert werden.

Das Umfeld muss mithelfen

Psychische Krankheiten würden sich in 75 Prozent der Fälle zwischen 15 und 25 Jahren entwickeln, betont Leeners. Wichtig sei, dass man sie früh erkenne und behandle. «Oft brauchen die Jugendlichen gar keine jahrelangen Therapien. Oft machen wir in den ambulanten Diensten Abklärungen, arbeiten insbesondere auch mit Eltern und Lehrern zusammen.»

Es sei wichtig, dass das ganze Umfeld mitziehe und man an gemeinsamen Zielen arbeite. Dann seien die Erfolgschancen hoch.

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