Gesellschaft
Platz für Skateparks, aber nicht für Tiere

Ehepaar findet kein Land für Hundeschule in Luzern

Die Hundetrainerin Brigitte Keiser bei einer Vorführung an der Luga 2019. (Bild: zvg)

Das Ehepaar Keiser ist frustriert. Zwar verfügen die Bereiber der Luzerner Hundeschule Dog4you über Geld und ein Konzept für einen neuen Trainingsplatz. Doch niemand will ihnen Land verkaufen. Ein Jurist schlägt unkonventionelle Methoden vor.

Um die 540'000 Hunde leben in der Schweiz. Freizeitsportler, Nachbarn und Hundehalter wissen jedoch aus eigener Erfahrung: Erzogen sind nicht alle dieser flauschigen Vierbeiner.

Das wissen auch Markus und Brigitte Keiser. «In jedem siebten Haushalt des Kantons Luzern lebt ein Hund. Gerade in den letzten eineinhalb Jahren seit Corona ist die Zahl überdurchschnittlich gestiegen.» Die Crux: «Die Zahl der Trainingsmöglichkeiten ist hingegen sehr überschaubar. Dabei ist das Erziehen von Hunden eine ernste Sache», sind sich die beiden einig. Das Ehepaar betreibt seit 15 Jahren mit Dog4you eine der grössten Hundeschulen im Kanton Luzern. Neun Hundetrainer sind dort angestellt, 250 bis 300 Hund-Mensch-Teams betreten wöchentlich ihren Trainingsplatz. «Es gibt viel mehr Menschen, die einen Hund haben, als Menschen, die beispielsweise im Fussball- oder Tennisclub sind», gibt Markus Keiser zu bedenken.

«Wir finden schlichtweg kein Land, welches wir kaufen können.»

Markus Keiser, Hundeschul-Betreiber

«Gerne würden wir den heutigen Ansprüchen gerecht werden und den Hundehaltern eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen», ergänzt Brigitte Keiser. Vor einigen Jahren haben die Schulbetreiber zu diesem Zweck ein Konzept auf die Beine gestellt. «Geplant ist eine Halle für sportliche Aktivitäten. Dazu benötigen wir genügend Aussenflächen, auf welchen die Erziehungskurse stattfinden können. Ebenso sind eine Freilaufwiese und genügend Parkplätze vonnöten», führt sie aus. Und weiter: «Unser Projektdossier wurde in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro erstellt und die Finanzierung ist durch die Kantonalbank gesichert.» Klingt nach einer durchdachten Angelegenheit.

Planungssicherheit fehlt

Bloss: «Wir finden schlichtweg kein Land, welches wir kaufen können», erklärt ihr Partner. Zwar verfüge man derzeit über einen Trainingsplatz in Rothenburg. «Doch ist die Kündigungsfrist für grössere Investitionen mit sechs Monaten relativ kurz. Uns fehlt damit die Planungssicherheit, um kostenintensive Bauten wie ein neues Clubhaus sowie etwa eine Flutlichtanlage vornehmen zu können», sagt der Hundetrainer.

Das Paar hat vor sechs Jahren mit der Suche nach Land für seine Hundeschule begonnen. Bis jetzt erfolglos, wie Markus Keiser erzählt: «Die Nutzung von Landwirtschaftszonen ist im Kanton Luzern für unsere Zwecke nicht erlaubt. Dies, weil man dort keine Dienstleistungen anbieten darf. In Sport- und Freizeitzonen wären Hundetrainingsplätze möglich. Nur ist dieses Land, das meistens den Gemeinden gehört, schwer zu bekommen. Oft wird es von diesen selbst genutzt, um darauf beispielsweise Skateparks oder Sportplätze zu bauen.» Er führt aus: «Hundeschulen haben nach wie vor und völlig zu Unrecht ein etwas schmuddeliges Image. Jeder weiss, dass es Hundeschulen braucht, doch keiner möchte eine solche vor der eigenen Türe haben.»

So ist's brav. Der Besuch einer Hundeschule verhindert oft unglückliche Situationen mit anderen Hunden und Menschen. (Bild: zvg Adobe Stock)

Bleiben also noch Gewerbezonen, auf denen Hundeschulen ebenfalls möglich wären. Doch auch dort beissen die beiden auf Granit. Brigitte Keiser erklärt: «In der Industriezone sind höhere Bauten erlaubt, so dass man unsere Interessensbekundungen nicht ernst nimmt. Über unsere Zahlen und das Projekt an sich zu sprechen, ist unmöglich, da wir immer vorher eine Absage erhalten.» Ihr Partner fügt an: «Grundsätzlich können wir froh sein, wenn wir bei der Hälfte der Anfragen überhaupt eine Rückmeldung erhalten, und sei es eine negative.»

Entsprechend könne man mit den Landbesitzern auch nicht über weiterführende Pläne der Hundeschule sprechen, etwa darüber, dass neben der Sportanlage auch ein Pet-Shop, eine Physiotherapie-Praxis sowie ein Fitnessstudio vor Ort angedacht sei.

Der Jurist gibt Tipps

Der Zuger Jurist Meinrad Huser ist unter anderem als Hochschul-Dozent für Baurecht tätig. Er schätzt die Situation wie folgt ein: «Tatsächlich dürfen in der Landwirtschaftszone im Grundsatz nur Tätigkeiten ausgeübt werden, die mit dem Erzeugen landwirtschaftlicher Produkte in Verbindung stehen», so Hauser. «Dennoch könnten die Betreiber der Hundeschule versuchen, eine Ausnahmebewilligung dafür zu erhalten. Dies wäre gegebenenfalls möglich, wenn sie darlegen können, dass es notwendig ist, das Vorhaben ausserhalb der Bauzone umzusetzen.»

«Ich weiss, dass Hundeheime generell ausserhalb von Bauzonen stehen. Dies aufgrund der Lärmemissionen.»

Meinrad Hauser

Und konkreter: «Ich weiss, dass Hundeheime generell ausserhalb von Bauzonen stehen. Dies aufgrund der Lärmemissionen.» Ob auch eine Hundeschule auf eine solche Ausnahmebewilligung hoffen kann, sei zu prüfen.

«Eine Hundeschule wäre zudem durchaus in einer Industrie- oder Gewerbezone denkbar, wenn dort überhaupt Land gefunden werden könnte», sagt der Jurist. Womit wir beim Problem des Ehepaars Keiser wären.

Meinrad Huser gibt diesbezüglich zu bedenken: «Derzeit laufen vielerorts Raumplanungsrevisionen. Die Hundetrainer könnten proaktiv versuchen, sich im Rahmen dessen einzubringen und sich eine spezifische Zone zu reservieren.» Am aussichtsreichsten sei dieses Vorgehen, wenn die Schule klar darlegen könne, warum ein bestimmter Stützpunkt an einem spezifischen Ort notwendig sei.

In Zug wurde vor einigen Jahren eine gute Lösung gefunden

Nicht überall wird es Hundeschulen derart schwer gemacht wie Dog4you. In Zug etwa besteht seit rund sieben Jahren im Hünenberger Bösch ein grosser Hundetrainingsplatz, der von mehreren Hundeschulen genutzt werden kann. Möglich wurde dies, da das ehemalige Landwirtschaftsland im Rahmen der Ortsplanrevision 2004 zu einer «übrigen Zone» wurde. Den Lead hatte damals der Kanton, an den die Koordination der Hundeausbildungsplätze von den Gemeinden übertragen wurde.

Eine solche unkomplizierte Lösung zeichnet sich für die Dog4you-Betreiber derzeit nicht ab. Markus Keiser erklärt abschliessend zur Sache: «Wir verstehen uns nicht als Weltverbesserer. Doch geht es letztlich darum, dass Hundehalter, Biker sowie Spaziergänger, die gemeinsam Wald und Wiese teilen, miteinander auskommen und sich gegenseitigen Respekt entgegenbringen.»

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