Freizeit
Stratosphären-Springer im Verkehrshaus

Felix Baumgartner: «Es gibt zu wenig neugierige Menschen.»

Ein zweites Mal würde er nicht aus der Stratosphäre springen, sagt Felix Baumgartner. (Bild: kap)

Mit einem Fallschirm war Felix Baumgartner 2012 aus der Stratosphäre gesprungen. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums feierte am Sonntag im Verkehrshaus ein Dokumentarfilm dazu Premiere. zentralplus hat sich nach der Uraufführung mit dem Extremsportler getroffen.

Aus einer Höhe von fast 40 Kilometern sprang der Österreicher Felix Baumgartner am 14. Oktober 2012 aus einer kleinen Kapsel im Weltraum. Damit brach er mehrere aeronautische Weltrekorde: den bis dahin höchsten Absprung mit einem Fallschirm, die mit über 1'300 Kilometern pro Stunde höchste Geschwindigkeit eines Menschen im freien Fall sowie den längsten freien Fall.

«Für mich ist es schön zu sehen, dass nach zehn Jahren immer noch so viel Interesse da ist», sagt Baumgartner nach der Doku-Premiere im Filmtheater des Verkehrshauses. Der Film über die Mission wurde in den letzten zwei Monaten gedreht, wesentliche Teile davon auch im Verkehrshaus.

Mit der Mission wurden nicht nur aeronautische Rekorde gebrochen, sondern auch Streaming-Geschichte geschrieben: «Ich weiss, die ganze Welt sieht jetzt zu», sagte Baumgartner kurz vor seinem Absprung vor zehn Jahren. Und tatsächlich: Die mediale Inszenierung war riesig. Knapp 80 Fernsehsender berichteten live über das Ereignis, bis heute hat kein anderes Streaming mehr Live-Zuschauer auf Youtube erreicht als diese Mission.

Baumgartner lebt jetzt seinen zweiten Traum

Kurz vor seinem Stratosphären-Sprung ist Baumgartner nach Arbon (TG) gezogen. Nach seinem Rekordsprung im Jahr 2012 zog er sich vom Extremsport zurück. Langweilig ist ihm aber keinesfalls geworden: «Ich bin nun Hubschrauberpilot. Das war mein zweiter Kindheitstraum neben dem Fallschirmspringen. Mein Leben ist so spannend und umfangreich, langweilig wird mir also nicht.»

Als 16-Jähriger hat Baumgartner mit dem Fallschirmspringen begonnen. Auch nach seinem Rücktritt vom Extremsport bleibt der Adrenalin-Kick noch immer fester Bestandteil seines Lebens. Autorennen, Motocross, Paragliding. Auch heute steht er noch beim Sponsor Red Bull unter Vertrag, lotet seine Grenzen als Akrobatik-Helikopterpilot aus.

Dennoch sieht sich Baumgartner keinesfalls als «Adrenalin-Junkie», sondern als «Risiko-Manager» oder «Geschichtenerzähler». Er sagt denn auch, dass er den Stratosphären-Sprung nicht ein zweites Mal machen würde. Das Risiko bliebe gleich, neue Erkenntnisse könnte er aber nicht erlangen.

Aufmerksamkeit stört Baumgartner nicht

Zehn Jahre nach dem Rekordsprung besteht noch immer reges Interesse an Felix Baumgartner und der Mission «Red Bull Stratos» im Verkehrshaus. Baumgartner, der vor dem Stratosphären-Sprung schon mit Extremsport-Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde mit dem Sprung auf einen Schlag weltberühmt. Dass er noch immer auf seinen Rekordsprung angesprochen wird, stört den 53-Jährigen gar nicht: «Ich liebe meine Arbeit. Was gibt es Schöneres, als wenn du einen Kindheitstraum hast, der dich genau dort hinbringt, wo ich heute bin.»

Zudem sei die Bevölkerung der Schweiz sehr diskret, findet Baumgartner: «In der Schweiz gibt es diesen Hype nicht. Die Schweizer schätzen das Gespräch, brauchen aber weder ein Foto, noch kommen sie in eine grosse Euphorie, wenn sie mich sehen.»

«Wir müssen wieder Neugierde entwickeln. Das vermisse ich heute so sehr. Es gibt zu wenig neugierige Menschen.»

Felix Baumgartner

Vor kontroversen Aussagen schreckt Baumgartner nicht zurück

Nebst seinem Stratosphären-Sprung machte Baumgartner auch immer wieder mit politisch umstrittenen Aussagen auf sich aufmerksam. So sprach er sich im Jahr 2012 gegen die parlamentarische Demokratie und für eine «gemässigte Diktatur» aus. Abgeordnete müssten durch Leute aus der Privatwirtschaft ersetzt werden, die sich «wirklich auskennen» würden.

In die Medien schaffte es Baumgartner auch mit harscher Kritik an der Flüchtlingspolitik Österreichs oder mit dem Vorschlag, den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen. Die daraus entstandenen Shitstorms lösten bei ihm aber wenig aus. «Skandalschlagzeilen gibt es immer, aber die hat der Papst schon gehabt. Mir ist dies völlig egal, solang die Leute auf der Strasse positiv auf mich zukommen.»

Baumgartner plädiert für mehr Mut

Aus dem Film, dem Talk nach dem Film und dem Interview geht eine Botschaft Baumgartners klar hervor: Man soll mutig sein und seinen Träumen nachgehen. «Wir brauchen wieder mehr von diesen Menschen, wir müssen wieder Neugierde entwickeln. Das vermisse ich heute so sehr. Es gibt zu wenig neugierige Menschen.»

«Es gibt im Leben immer viele Leute, die sagen, wie es nicht geht, und ganz, ganz wenige, die sagen, lass es uns probieren.»

Felix Baumgartner

Felix Baumgartner freut sich daher sehr, dass mehrere kleine Kinder ihm nach dem Film ihre eigenen Träume offenbarten. Diesen Träumen soll man nachgehen, auch wenn es Leute gibt, die an der Machbarkeit eines Traums zweifeln. Solche Zweifler gab es auch beim Stratosphären-Projekt. Über diese müsse man jedoch hinwegschauen. «Es gibt im Leben immer viele Leute, die sagen, wie es nicht geht, und ganz, ganz wenige, die sagen, lass es uns probieren.»

Man müsse den Mut behalten und einfach einmal ausprobieren. «Scheitern gehört zum Alltag dazu. Man soll halt nur das Leben nicht verlieren.» Fast schon ironische Worte für einen Extremsportler, der in seinem bisherigen Leben immer wieder die Grenzen des Machbaren ausgelotet hat.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Felix Baumgartner
  • Talk nach der Filmpremiere im Verkehrshaus
  • Internetrecherche über Felix Baumgartner
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