Freizeit
Wasserqualität im Freibad

Die Hitze setzt auch den Luzerner Badis zu

Die vielen Leute machen dem Betriebsleiter des Parkbads Kriens René Bienz zu schaffen. (Bild: zvg)

Bei den hohen Temperaturen bietet oft nur Wasser eine Abkühlung. Das merken auch die Freibäder: Es ist ein Rekordsommer. Aber für das Wasser ist es ein grosser Stress. Eine kleine Chemiestunde zum Badewasser.

Du kennst sicher den Moment, wenn Personen, die noch vor Kurzem im Wasser herumgeplanscht haben, plötzlich stehen bleiben, hinknien oder sich setzen. Sie bleiben ein paar Sekunden lang ganz ruhig und springen dann wieder auf oder schwimmen weiter. «Ned is Wasser bisle!», könnte man jetzt hinterherrufen. Aber Hand aufs Herz: Wer hat noch nie irgendwo aus der Not ins Wasser gemacht? Eben.

Mit den Hygienestandards in den Hallen- und Freibädern sind die kleinen Mengen Urin im Grunde auch nicht schlimm. Denn die Bäder werden regelmässig desinfiziert und das Chlor im Wasser tötet schon in kleinen Mengen Bakterien ab. Zudem sorgt Frischwasser dafür, dass Stoffe, die nicht ins Wasser gehören, wieder hinausgespült werden.

Doch wie sieht die Situation im Wasser aus, wenn die Temperaturen auf Rekordhöhe klettern? Denn Bakterien haben es ja gewöhnlich gern warm und feucht. zentralplus hat im Parkbad Kleinfeld in Kriens und beim Kantonschemiker Silvio Arpagaus nachgefragt.

Bei der Hitze kann das Wasser bis 27 Grad warm werden

Die hohen Temperaturen an sich stellen den Betriebsleiter des Parkbads Kleinfeld in Kriens vor keine Herausforderung: «Die Hitze ist für die Wasserqualität kein Problem», sagt René Bienz. Denn bei einem Anstieg der Wassertemperatur regelt die Anlage die Qualität selbstständig. «Wenn bei so hohen Temperaturen das Wasser wärmer wird, kommen auch mehr Gäste. Und pro Badegast braucht es entsprechend auch etwas mehr Frischwasser», führt er aus.

«Die Anzahl der Badenden ist bei dieser Witterung teilweise problematisch.»

Silvio Arpagaus, Kantonschemiker, Kanton Luzern

Bei einer konstanten Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen steige die Wassertemperatur im Becken teilweise bis auf 26 oder 27 Grad an. Da das Leitungswasser aber eine Temperatur von zehn bis elf Grad habe, kühle es das Becken so automatisch runter, erklärt Bienz.

Viele Leute duschen nicht vor dem Baden

Doch was ist mit der Verschmutzung durch Mikroorganismen? Dafür ist das Chlor zuständig. Denn Chlor ist für die Desinfektion von Badewasser gut geeignet. Doch Kantonschemiker Silvio Arpagaus weist auf die Grenzen des Chlors hin: «Chlor ist für die Mikroorganismen zuständig. Aber Chlor kann Stoffe wie Harnsäure oder Sonnencreme nicht entfernen.» Diese könne man nur mit dem Zufluss von Frischwasser regulieren, fügt er an.

Harnsäure kommt nicht nur im Urin vor, sondern auch im Schweiss. Da die Leute bei den hohen Temperaturen mehr schwitzen, gelangt so auch mehr ins Wasser. «Harnsäure gelangt beispielsweise dann ins Wasser, wenn vor dem Baden nicht geduscht wird», sagt der Kantonschemiker

«Wenn man Chlor zum Wasser hinzugibt, soll es mit Krankheitserregern reagieren. Wenn aber viele andere Stoffe enthalten sind, reagiert es mit diesen statt mit den Mikroorganismen.»

Silvio Arpagaus, Kantonschemiker, Kanton Luzern

Doch dieser Mix an Stoffen ist oftmals nicht das Hauptproblem bei der Wasserqualität. «Freibäder sind bis zu einem gewissen Grad in der Lage, derartige Verunreinigungen zu entfernen. Aber die Anlagen haben ein Limit», erklärt Arpagaus.

Das Chlor reagiert schnell und mit vielem

Denn die Wasserbecken sind auf eine gewisse Anzahl Personen ausgelegt. Wenn sich dann aber viel mehr Personen im Wasser befinden, als vorgesehen, kämen die Anlagen irgendwann an ihre Grenzen. «Die Anzahl der Badenden ist bei dieser Witterung teilweise problematisch», sagt Silvio Arpagaus deutlich.

Die grossen Mengen der Stoffe, die ins Wasser gelangen, könne die Desinfektion beeinträchtigen. «Wenn man Chlor zum Wasser hinzugibt, soll es mit Krankheitserregern reagieren. Wenn aber viele andere Stoffe enthalten sind, reagiert es mit diesen statt mit den Mikroorganismen. Zudem entstehenden dabei Stoffe, welche im Badewasser unerwünscht sind», erklärt Silvio Arpagaus.

Für Badewasser gelten gemäss Gesetz verschiedene Höchstwerte, welche erfüllt werden müssen. Der Badebetrieb muss die Einhaltung dieser Werte sicherstellen. Zudem führt auch den Kanton regelmässig Kontrollen durch. Im Parkbad in Kriens ist das bis anhin kein Problem. Die Wasserqualität kann mit den gewohnten Abläufen sichergestellt werden.

Was hinter dem Chlor-Geruch wirklich steckt

Doch auch wenn das Wasser den Belastungen durch die Hitze noch standhalten mag, kommen bei einer grossen Anzahl von Menschen mehr Stoffe zusammen, als bei einer durchschnittlichen Nutzung.

Unter den Stoffen, die bei den Chlor-Reaktionen entstehen, ist Chloramin einer der häufigsten. Denn Chloramin entsteht bei der Reaktion von Chlor mit Harnsäure. «Der Chloramin-Gehalt ist der primäre Indikator für die Wasserhygiene», sagt Arpagaus.

Für den Anteil Chloramin gelten klare Standards. Doch auch Laien können feststellen, wenn sich zu viel Chloramin im Wasser befindet. Und zwar am Geruch. Was üblicherweise als Chlor-Geruch wahrgenommen wird, ist nämlich der Geruch von Chloramin. «Eine gute Anlage riecht nicht», sagt Betriebsleiter des Parkbads Kleinfeld René Bienz. Das heisst also für Badegäste: Riechst du kein Chlor, ist das Wasser in einem guten Zustand.

Badewasser kann auch natürlich gereinigt werden

In Kriens gibt es aber seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, dem Nachdenken über Chlor komplett auszuweichen: mit dem Naturbad. In diesem Becken des Freibads Kleinfeld wird das Wasser nämlich nicht mit Chlor gereinigt, sondern auf natürliche Weise (zentralplus berichtete).

«Die Wasserzirkulation des Badewassers im Naturbad geschieht genau gleich wie in den anderen Becken, nur ohne Chlor», erklärt René Bienz. Denn auch hier arbeite man mit der Umwälzung von Wasser zur Abkühlung und Reinigung. Sauberes Wasser wird durch Wasserdüsen ins Becken eingeführt und läuft durch Überlaufrinnen wieder ab. Gereinigt wird das Wasser durch einen Naturstein-Filter.

Wenn das Wasser wärmer wird, wird dieser Prozess automatisch hochgefahren. Das heisst: Durch das stete Umwälzen des Wassers wird das Wasser im Filter mit vielen Sprinklerdüsen verteilt und die Wärme wird bei diesem Prozess natürlich abgebaut, erklärt Bienz. Das klingt nach einer Verlockung.

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