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Fluffigkeit ist Trumpf
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Die Familienpackung: Hier ist die Sippe kurzerhand zu Nagern mutiert. (Bild: wia)

Mini-Modeschau beim Zuger Fasnachtstreiben Fluffigkeit ist Trumpf

5 min Lesezeit 05.02.2016, 11:00 Uhr

Von gruftig bis fluffig: Am Zuger Kinderumzug war so allerhand dabei. Auch wenn wir das Gefühl nicht loswerden, dass der Cowboy und der Indianer zugunsten der Flauschigkeit verdrängt werden. Wir versuchen, Ordnung ins wilde Treiben zu bringen.

Gleich geht’s los, 14.30 Uhr, ganz Zug wartet gespannt am Strassenrand darauf, dass der Umzug beginnen möge. Die Kängurus haben ihren Beutel geleert, um ihn später mit Süssigkeiten füllen zu können, die neonfarbenen Ohrenschützer sind montiert – zuungunsten der zum Kostüm zugehörigen Ohren. Ist das nun Katze oder Pinguin? Doch das sehen die Kinder nicht, kein Grund zum Weinen also. Und sollten sie doch mal toben, ist es rundherum so laut, dass das keinen plagt.

Wir gehen durch die Strassen, versuchen uns zu orientieren. Jawoll, Pippi Langstrumpf hier, Prinzessin dort, Zwerg da. Viel scheint sich ja nicht verändert zu haben in der Kostümbranche. Unser Weltbild bleibt intakt. Und doch macht sich der eine oder andere Wandel bemerkbar. Wir beginnen beim Offensichtlichen.

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Die Flauschigen

Überall sind sie, diese lebendigen Stofftiere. Von der Maus über den Affen, das Pferd, den Bären bis hin zu Monster, Pinguin und Seepferd. Ja in der Tat, auch die grundsätzlich eher glibbrigen Tiere werden an der Fasnacht als Plüschversion getragen.

Ist das Einhorn die neue Prinzessin?

Ist das Einhorn die neue Prinzessin?

(Bild: wia)

Ein bisschen Grünzeug muss sein. Hier ein kleiner Kaktus, ein Mexikaner und ... ein Karottenfeld? Gemischter Salat? Man weiss es nicht.

Ein bisschen Grünzeug muss sein. Hier ein kleiner Kaktus, ein Mexikaner und … ein Karottenfeld? Gemischter Salat? Man weiss es nicht.

(Bild: wia)

Und auch die Kakteen, die wir antreffen, sind ganz weich. Darüber sind wir jedoch keinesfalls unfroh. Wir wollen ja nicht, dass sich ein Schaf darin verheddert. Denn Schafe, die gibt es hier auch. Und zwar im Rudel.

Die Herdentiere

Man braucht nur eine Idee für die ganze Sippe, findet sich leicht wieder und präsentiert sich als funktionierendes, soziales Team. Das Gruppenmotto hat durchaus seine Berechtigung und ist erst noch hübsch anzusehen. Da kommen sie als Robin Hoods daher, als Mexikaner und als Fusion zwischen Gothic und Mozart.

Die Familienpackung: Hier ist die Sippe kurzerhand zu Nagern mutiert.

Die Familienpackung: Hier ist die Sippe kurzerhand zu Nagern mutiert.

(Bild: wia)

Gothic meets Mozart. Diese Gruppe hat sich mächtig ins Zeug gelegt für die Fasnacht: «Und wir sind nur die Hälfte. Die andere ist irgendwo in Luzern.»

Gothic meets Mozart. Diese Gruppe hat sich mächtig ins Zeug gelegt für die Fasnacht: «Und wir sind nur die Hälfte. Die andere ist irgendwo in Luzern.»

(Bild: wia)

Die Gekleisterten

Sobald es nach Fischkleister stinkt und nach Pappe aussieht, weiss man: Hier war eine Schulklasse am Werk. Am Zuger Kinderumzug braucht man natürlich kein Sherlock Holmes zu sein, um Schule von Privaten zu unterscheiden. Zweitere stehen still, die Schulklassen sind Teil des Umzugs. Aktuell wären das Schweine, Kaminfeger, Pilze und Kleeblätter.

Glücksbringer waren jene Menge unterwegs. In Form von Kaminfegern, Schweinen, Kleeblättern und Pilzen.

Glücksbringer waren jede Menge unterwegs. In Form von Kaminfegern, Schweinen, Kleeblättern und Pilzen.

(Bild: wia)

Während die Glücksbringer in der Masse vorbeispazieren, betet wohl jede Mutter inbrünstig, es möge doch bitte trocken bleiben. Bei einem Platzregen würde aus dem Kleeblatt innert Sekunden eine Portion Spinat, aus dem Schwein eine Schweinerei. Die Schüler haben Glück. Mehr als zu nieseln traut sich Petrus nicht. Vielleicht, weil er weiss, dass Gandalf auch hier ist und ihm sonst den Hintern versohlen würde. Womit wir bei einem weiteren Thema wären.

Die Individualisten

Wir nehmen es vorweg. Sie sind selten. Womöglich sind die richtig Angefressenen, die während eines halben Jahres im Keller gebastelt haben, doch eher in Luzern unterwegs. Und doch. Da steht Gandalf furchteinflössend am Strassenrand, dort läuft ein Mikro-Nikolaus durch die Gassen. Und wäre das Seepferdkostüm nicht offensichtlich aus dem Versandhaus, fänden wir auch das ganz originell.

Total süss. Aber was ist es denn? Wir vermuten ein Seepferd.

Total süss. Aber was ist es denn? Wir vermuten ein Seepferd.

(Bild: wia)

Das Vollweib

Eigentlich immer, wenn sich ein Mann als Frau verkleidet, stellt sich heraus, dass er sein temporäres Amt viel glaubwürdiger auszuüben vermag als viele seiner weiblichen Zeitgenossen. Die Lust, endlich einmal langes blondes Haar, eine Schurz und einen üppigen Busen zu tragen, scheint gewaltig. Mit Wonne werden Fiepsstimmchen produziert, mit erstaunlichem Talent werden die Hüften geschwungen.

Immer gern gesehen: Männer in Damenkostümen. Besonders, wenn sie so charmant sind.

Immer gern gesehen: Männer in Damenkostümen. Besonders, wenn sie so charmant sind.

(Bild: wia)

Und dann gibt es noch die, bei denen wir uns einfach nicht ganz sicher sind …

Die Ominösen

Ist es nun ein Stier oder trägt das Kind einfach eine Banane auf dem Kopf? Und was ist das? Wenn man das mit der Banane herausgefunden hat, ist’s schon einfacher.

Irgendwann wird's klar... Das sind Kiwis!

Irgendwann wird’s klar… Das sind Kiwis!

(Bild: wia)

Ist es ein Schornsteinfeger oder handelt es sich um den Rockmusiker Slash? Ist der Mensch überhaupt verkleidet oder einfach beim Bahnhof falsch abgebogen? Und dann gibt es auch die, die zwar sowohl flauschig, ominös und durchaus etwas unheimlich sind …

Und hier der Beweis, dass flauschig nicht herzig sein muss, sondern durchaus furchteinflössend sein kann.

Und hier der Beweis, dass flauschig nicht herzig sein muss, sondern durchaus furchteinflössend sein kann.

(Bild: wia)

 

Mittlerweile ist die Parade schon in vollem Gange, Guggenmusiken sorgen dafür, dass die Kinder ihre Gehörschutze nicht ohne Grund tragen. Letzi-Prinzen winken in die Runde, Zunftmitglied Jürg Messmer stopft den Besuchern selektiv Konfetti in den Kragen. Maoam und Sugus werden verteilt und in Kängurubeutel gesteckt. Beim Bundesplatz gibt’s für die Schüler zum Schluss ein Wienerli mit Brot, um sich für die kommende Konfettischlacht zu stärken.

Das Fazit

Tiere scheinen alle gut zu finden. Sowohl die grossen wie auch die kleinen Besucher. Ein sicherer Wert also, dazu noch warm. Doch wo sind alle Cowboys geblieben? Keinen einzigen haben wir entdeckt. Keine «Chäpslipistole» knallen gehört. Und auch der Indianer war unauffindbar. Dafür immer und immer wieder das Spiderman-Kostüm. Mit einem – bei sechsjährigen Milchbuben leicht irritierenden – integrierten Sixpack. Und dann bleiben noch einige offene Fragen.

Warum wollte dieses eine Kind ein Seepferdchen sein? Ist das Einhorn die neue Prinzessin? Und wie zum Henker hat es dieser Papa geschafft, dass sein Kind keine Angst vor ihm hat?

Das Kind (eine Katze, wie wir herausfinden) scheint zwar «not amused» zu sein. Doch Angst hat es wohl auch keine.

Das Kind (eine Katze, wie wir herausfinden) scheint zwar «not amused» zu sein. Doch Angst hat es wohl auch keine.

(Bild: wia)

 

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