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Falsche Zahlen: So rechtfertigen sich die Petitionäre
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Die Kälber werden auf Schulers Hof in Boxen aufgezogen. (Bild: giw)

Tierschutz-Verein über den Stallbau in Hünenberg Falsche Zahlen: So rechtfertigen sich die Petitionäre

4 min Lesezeit 3 Kommentare 15.09.2019, 05:00 Uhr

Die Petition rund um die Stallbau-Pläne von Martin Schuler in Hünenberg sorgt für Kontroversen. So kommuniziert der Verein dahinter nicht mehr aktuelle Zahlen. Die Frage ist: Steckt Kalkül dahinter?

«Die Interfarm GmbH […] möchte mit einem gewaltigen Neubau Platz für 1’040 Jersey-Kühe schaffen», warnt der Verein Fluid Spirit in seiner Petition gegen die geplante «Tierfabrik» in Drälikon, Hünenberg. Deswegen fordert er den Gemeinderat auf, das geplante Projekt zu verhindern und einer Vergrösserung der bestehenden Ställe nicht zuzustimmen. Das Problem ist bloss: Die Zahl der 1’040 Jersey-Kühe ist nicht mehr aktuell. Interfarm-Geschäftsführer und Bauer Martin Schuler hat sein Projekt inzwischen redimensioniert. Die Rede ist nun nur noch von 300 Kühen plus Jungtiere, die im neuen Stall Platz finden sollen, wie der zuständige Gemeinderat Thomas Anderegg klarmachte (zentralplus berichtete).

Werden Unterstützern der Petition etwa absichtlich falsche Zahlen kommuniziert?

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Verein wurde überrascht

Danielle Jolissaint ist Vorsitzende von Fluid Spirit mit Sitz in Hünenberg. Sie spricht davon, dass die Gegenpartei die Inhalte der Petition zu bagatellisieren versuche. Sie zeigt sich erstaunt, dass nun andere Zahlen kommuniziert werden, da bis zum Zeitpunkt der Lancierung der Petition keine anderen Zahlen veröffentlicht worden seien.

«Jegliche Art von Massentierhaltung kommt in unserem Sinne einer Tierfabrik gleich.»

Danielle Jolissaint, Vorsitzende Verein Fluid Spirit

Sie bemängelt, dass bis zum Zeitpunkt der Petition niemand gewillt gewesen sei zu sagen, welche Zahlen betreffend Grössen und Mengen der Tiere im neuen Stall nun stimmten. Von der Gemeinde Hünenberg oder von Bauer Schuler sei sie bis heute nicht darauf aufmerksam gemacht worden, dass das Projekt inzwischen kleinere Ausmasse angenommen habe.

An der Haltung gegenüber Schulers Plänen ändert sich aus Sicht von Fluid Spirit trotz anderer Ausgangslage jedoch nichts. «Jegliche Art von Massentierhaltung kommt in unserem Sinne einer Tierfabrik gleich», sagt Jolissaint.

Schulklassen sollen Schlachthöfe besuchen

Doch was verbirgt sich hinter dem Namen Fluid Spirit überhaupt? Nach eigenen Angaben ist Ziel und Zweck des Vereins, «Heimat für alle Wesen, das heisst alle Menschen, Tiere und Pflanzen dieser Welt zu schaffen». Fluid Spirit schwebt unter anderem eine Aussöhnung der Geschlechter vor. Der Grundtenor ist dabei eindeutig: Das Patriarchat ist die Wurzel von Krieg und allem Übel.

Daneben setzt sich der Verein vehement für Tierrechte ein, teils mit radikalen Forderungen. So sollen Schulklassen Schlachthöfe besuchen, um das Leid der Tiere hautnah mitzuerleben. Auf der Website von Fluid Spirit finden sich zahlreiche Angebote, von veganen Kochbüchern über eine eigene Kochgruppe, der man beitreten kann, bis zu Studien über das Essverhalten der Menschen. Deren Leitung hatte Jolissaint dabei gleich selbst inne. Der Verein publizierte auch einen Artikel zum Thema, welche Qualen ESAF-Siegermuni Kolin habe ertragen müssen.

«Die Attraktivität von Hünenberg hat durch die Tier-Iglus und die Gewächshäuser bereits abgenommen.»

Danielle Jolissaint

Wie viele Mitglieder der Verein zählt, will Jolissaint nicht verraten, dies tue nichts zur Sache. «Wir sind ein kleiner Verein», sagt sie jedoch. Auskunftsbereiter zeigt sie sich, weshalb sie sich ausgerechnet gegen Schulers Pläne so vehement einsetzt.

Angst um Hünenberg

«Früher ging ich noch zum benachbarten Bauern Edgar Boog, um Gemüse einkaufen. Jedes Mal, wenn ich dafür an den vielen Iglus für die Kälbchen von Bauer Schuler vorbeigehen musste, brach es mir das Herz, wie unmenschlich die Menschen mit den Tieren umgehen.» Sie habe mehrmals erfolglos versucht, Martin Schuler umzustimmen und die Kälbchen bei ihren Müttern zu belassen. Aus ihrer Verzweiflung heraus habe sie begonnen, sich vermehrt für die Tiere einzusetzen.

Die Mitglieder von Fluid Spirit wollen bereits den Kindern aufzeigen, wie die Tiere leiden.

Jolissaint fürchtet nicht bloss um die Gesundheit der Tiere, sondern auch um die Attraktivität von Hünenberg. Diese habe durch die vielen Tier-Iglus (Schuler) und die zahlreichen Gewächshäuser (Boog) bereits abgenommen. «Wenn jetzt noch eine Tierfabrik dazukommt, leidet die Attraktivität von Hünenberg noch mehr. Das Naherholungsgebiet existiert dann überhaupt nicht mehr», befürchtet sie. Sie spricht von einer «Verschandelung der Reussebene in Hünenberg».

Die Petition, welche inzwischen deutlich über 4’000 Unterzeichner aufweist, läuft noch bis Ende Oktober. «Danach werden wir sehen, wie es weitergeht», zeigt sich Danielle Jolissaint zugeknöpft. Klar ist: Rechtlich verbindlich ist eine Petition nicht. Die Gemeinde ist einzig zur Kenntnisnahme verpflichtet.

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3 Kommentare
  1. Markus Schwarz, 17.09.2019, 22:58 Uhr

    Unfassbar, dass solche tierquälerische Massentierhaltung in Hünenberg ausgebaut werden soll. In so extremen Massstäben dazu…
    Erst werden die Kühe jährlich zwangsgeschwängert, dann werden ihnen die Jungen sogleich entrissen, nur um sie dann auf ca. 4qm einzusperren, damit sie ja möglichst wenige Muskeln ansetzen. Einfach nur kranke Tierquälerei. Man soll und muss die Wahrheit beim Namen benennen.
    Als Mensch welcher eine normale Empathie für andere Lebewesen hat und Tiere nicht gleich hasst, bricht es einem jedesmal das Herz, diese Tiere in diesen “Iglus” wie sie euphemistisch genennt werden, eingesperrt zu sehen.
    Auch ich kaufe nicht mehr bei Boog ein, weil der Weg durch diese tierquälerischen Gegenden einfach unhaltbar ist. Dann kaufte ich aber auch nur noch Bio-Lebensmittel, da die Vergiftung unserer Natur (80% ausgestorbenen Insekten grüssen!) und unseres Trinkwasser einfach eine weitere himmeltraurige Schande sind, was das ganze eh obsolet machte.
    Und ja, die Verschandelung der Gegend an der Reuss, durch die vielen Tierfabriken und Gewächshäuser ist sehr auffallend und haben schon viele Bekannte angesprochen.

    Schön zu sehen, dass zig tausende Menschen schon dagegen unterschrieben haben. Solchen Tierquälern, welche auf dem Rücken der wehrlosen Tiere dicke Gewinne einfahren, wird in Zukunft zurecht ein immer härterer Wind entgegen wehren. Immer mehr Menschen schalten Ihr Hirn ein und realisieren, was wir hier unseren Mitlebewesen alles antun. Kein Wunder gibt es immer mehr und mehr Vegetarier und Veganer.
    Es ist schlichtweg eine Frage der Moral, der Ethik und des Anstandes. Jahrzehnte der industriellen Massentierhaltung sind einfach endlich mal genug. Abermilliarden aus reinem Fleischesgenuss gequälte und getöteten empfindsame Wesen, sind eine der grössten Schande in der Menschheitsgeschichte.

    @Simon Bertschi; Könnten Sie erkläutern, was an veganen Kochbüchern und Forderungen, wie dass Schulklassen der puren Realität und Wahrheit unseres Umgang mit Tieren in die Augen blicken, “radikal” sind? Es ist höchstgradig heuchlerisch das eigene Büsi, den Hund etc. ach so zu lieben, aber im Gegensatz aus Genuss im Supermarkt zum verpackten Fleisch zu greifen, bei dem man sich längst nicht mehr bewusst ist, dass hinter dem sterilen, verpackten, abstrakten,Etwas getötete und gequälte (ja, in Massentierhaltung dahinzuvegetieren ist schlichtweg Qual) Tiere stecken. Ein Schlachthofbesuch ist nichts anderes, als wenigstens ein bisschen Ehrlichkeit und sich mit den grässlichen Auswüchsen, welche man als Fleischesser selbst unterstützt und verantwortet, auseinandergesetzt.
    Schlachthäuser sollten Glaswände haben, genau so, wie man auch problemlos zuschauen kann, wie Kartoffeln und Getreide geerntet werden.

    PS: bevor irgendwelche Unterstellungen kommen, ich habe mit dem im Text erwähnten Verein nichts zu tun, kannte ihn bis anhin nichtmal. Finde es aber eine sehr gute und dringliche Sache, man sollte, so weit nur möglich, allen Lebewesen auf unserem blauen Planeten Respekt und Würde entgegen bringen. Dass das Patriarchat ein Problem darstellt ist unbestritten, dass es aber die Grunwurzel des Übels ist, würde ich so nicht unterschreiben.

  2. mebinger, 15.09.2019, 12:47 Uhr

    Klima- und Umweltschützern werden langsam radikal und es ist Vorsicht geboten. Man weiss langsam nivht, wo ihr Protest endet

    1. Markus Schwarz, 17.09.2019, 22:28 Uhr

      An MEBINGER:
      Ist das Ihr Ernst? Sich für wehrlose Lebewesen einzusetzen ist “radikal”?!
      Wissen Sie was radikal, nein so richtig extrem und pervers ist?! In der kleinen Schweiz 169’000 pro Tag getötete Tiere, das macht 7000 pro Stunde!
      Rein aus puren Genussgründen ein solches Massaker anzurichten. Tierquälerei pur gegenüber Millionen Tieren in Gefangenschaft. Schauen Sie mal in eine Schweinezucht in der Schweiz, fragen Sie sich, ob das dem Tier und Lebewesen gegenüber gerecht ist, so auf engstem Raum (0.7qm pro Tier!) in der Massentierhaltung und im Dreck dahinzusiechen.
      Gehen Sie mal zu einem Kälbchen in solch einer Box, verbringen Sie Zeit mit dem Tier, streicheln Sie es, schauen Sie ihm in die Augen, und fragen sich, wie korrekt es ist, dass das Tier auf wenigen Quadratmeter sein Leben verbringen muss, damit es möglichst wenig Muskeln ansetzt, damit, wenn dem Tier dann die Kehle durchgeschnitten wurde, es auf dem Teller möglichst fein und weiss ist…
      Würden Sie an der Stelle des Kalbes so dahinvegetieren wollen? Bitte ehrlich.
      7300 Betriebe wurden dazu wegen Tierquälerei in der CH verzeigt seit 2017!

      Radikal ist hier nur einer, das sind Leute wie Sie, welche solche Praktiken auch noch fördern, unterstützen und mit solchen Aussagen und Taten gegen den Schutz von Tieren vorgehen.
      Ihr substanzloser Seitenhieb gegen Klimaschutz zeigt zudem auch, dass Sie die absolut wissenschaftlich erwiesene Gefahr nicht mal annähernd erfassen können. Bildung täte dringend Not. Dann hätte man evt. auch mehr Empathie für andere Lebewesen.