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Fabers Frivolität verkauft sich gut
  • Kultur
  • Rezension
(Bild: Marcel Hörler)

Zu Besuch bei Faber im Südpol Fabers Frivolität verkauft sich gut

3 min Lesezeit 18.05.2017, 17:40 Uhr

Er singt über die Leiden eines jungen Zürchers, über minderjährige Mädchen, trägt lederne Cowboyschuhe und meistens den weiss-goldenen Schal seiner Mutter. Am Mittwoch war der Singer-Songwriter Faber zu Gast im Südpol und liess das Publikum tanzen.

Vor zwei Jahren taufte Faber im El Lokal seinen Erstling «Alles Gute». Spätestens von diesem Zeitpunkt an begann für den unterdessen 24-jährigen Julian Pollina ein mit Lorbeeren geschmückter Aufstieg. Für den Sohn des Pipo Pollina war es von Beginn das Ziel, von seiner Musik leben zu können, will heissen, damit Geld zu verdienen. Es kommt somit nicht von ungefähr, dass der hiesige Zürcher ausverkaufte Konzerte spielt. Auf der einen Seite erfreut das die Institution, die damit ihre als Underground gelabelten Konzerte quersubventioniert, und auf der anderen Seite die Musiker, die sich dann einen Bandbus samt sympathischem Merchandiser mieten. Was hat diese Win-Win-Situation nun mit der gemeinen Konzertbesucherin eines Faber-Konzerts im Südpol zu tun?

Die Romantik eines geliebten Sohnes

Eine Gitarre funktioniert auch mit einer Saite weniger, beweist Julian schon nach kurzer Zeit stolz den weiblichen Gästen im Publikum. So tat er das auch früher, erzählt Julian. Die Gitarre wird zur Klampfe degradiert, zumindest temporär. Reparieren tut sie Max, nicht Julian, der Gitarrist der Goran Koč Orkestar Band und Vaterersatz von Julian. Angespannt und fachmännisch weiss er sich zu helfen und spannt eine neue Saite ein.

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Neu ist auch das Album «Sei ein Faber im Wind», das im Juli erscheinen wird und um das es eigentlich geht bei dieser Sei-ein-Faber-im-Wind-Tour. Nur von der Promo der Platte zu sprechen, wäre jedoch weit gefehlt, lebt ein Faber Gig doch in erster Linie von der Live-Atmosphäre eines geselligen Pop-Rock-Konzerts und der lebendigen Dynamik unter den Musikern. Neben Julian und Max sind da noch Tillmann an der grossen Trommel und an der Posaune, Janos an der Bassgitarre und am Cello sowie Goran am Piano. Singen tun sie alle.

Lieber eine Tochter statt ein Weib

Julian singt gerne über Sex und über Mädchen. Minderjährige oder zumindest junge. Das tat schon Udo Lindenberg mit dem Song «Nina». Nur die wenigsten wissen, dass jener Song von Carola Kretschmer stammt, der früher Thomas hiess und ein Mann war. Julians Stimme ist männlich, tief, schmeckt wie Whisky und hört sich nicht so brummig an wie die von Henning von AnnenMayKantereit. Freilich liebt Julian das weibliche Geschlecht und so männlich er in die Menge schaut, umso verträumter blicken ihn die Männer und Frauen an.

Er singt, als habe er schon einiges erlebt, und das vor zwei Zimmerpflanzen, welche die Bühne schmücken und eine wohlig warme Stubenatmosphäre kreieren. Nur der Teppich fehlt. Ach nein, der befindet sich ja unter Tillmanns Füssen.

Pop vermischt mit Polka

Fabers Musik ist Pop. Pop mit Einflüssen aus der Polka und dem Folk, gepaart mit sizilianischen Volksliedern. Die Songs lassen sich deshalb so gut verkaufen, weil sie durch leicht bekömmliche Moral («In Paris brennen Autos und in Zürich mein Kamin»), stimmungsvolle und freimütige Texte in deutscher Sprache («Manchmal schicke ich ne Karte/manchmal ficke ich ne Schwarze»), in Plus-Minus-Manier («Die Tram ist leer/ich bin voll») und nicht zuletzt durch die kraftvollen, treibenden Rhythmen brillieren und eine grosse Menge anzuregen vermögen.

Der Besuch eines Faber-Konzerts ist somit wärmstens zu empfehlen, insofern man auf all das oder nur die Musiker steht. Hingegen ist davon abzuraten, nach dem Konzert Faber buchen zu wollen. Bei mehr als sechzig Konzerten in diesem Jahr (letztes Jahr waren es geschätzte dreimal so viel) wirken sie ziemlich beschäftigt.

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