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Ein Parkhaus unter dem Schweizerhof – gegen das «Luzerner Trauma»
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Im Bereich der aktuellen Mittelinsel vor dem Luzernerhof planen die Initianten die Zufahrt ins Seeparking. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Wie man vom Musegg-Parkhaus lernen will Ein Parkhaus unter dem Schweizerhof – gegen das «Luzerner Trauma»

5 min Lesezeit 25.08.2017, 15:00 Uhr

Ein unterirdisches Car-Parking unter dem Schweizerhofquai: Das Team um den Luzerner Architekten Marc Syfrig hat am Freitag diese Idee präsentiert. Sie sind von der Machbarkeit überzeugt – wenn alle Parteien mitspielen. So soll ein Car 100 Franken pro Stunde für den Parkplatz zahlen.

Sie wirbelte bereits ordentlich Staub auf: Die letzte Woche publik gewordene Idee für ein Carparkhaus unter dem Schweizerhofquai. Die Initianten haben diesen Freitag Details zum Projekt bekannt gegeben.

Die Initianten, das sind der Luzerner Architekt Marc Syfrig, der Bauingenieur Gregor Schwegler, der Verkehrsplaner Oscar Merlo sowie Berater Franz Egle.

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40 Carparkplätze, zwei Stockwerke

Auf den ersten Blick scheint die Idee eines unterirdischen Parkings vor dem Schweizerhof sehr visionär. Dessen sind sich die Initianten bewusst. «Natürlich ist es schwierig und es gibt einige Knackpunkte zu lösen», sagt Marc Syfrig, der Kopf hinter dem Konzept. Doch die vier Initianten sind von der Machbarkeit überzeugt.

Geplant ist ein zweistöckiges Parkhaus für 40 Cars, das sich vom Luzernerhof rund 320 Meter zum Schwanenplatz ziehen würde. Beim Gotthardgebäude, wo heute eine begrünte Verkehrsinsel liegt, sollen die Cars in den Untergrund verschwinden.

Im ersten Untergeschoss wäre Platz für die Cars. Angedacht sind dort mehrere Ausgänge für die Touristen – durch die sie rasch in die Altstadt, zum Löwendenkmal oder Richtung Bahnhof gelangen (in der Grafik rot angezeichnet).

Die Zufahrt zum Seeparking ist vor dem Luzerner Hof geplant – laut Initianten ist das trotz enger Platzverhältnisse machbar.

Die Zufahrt zum Seeparking ist vor dem Luzernerhof geplant – laut Initianten ist das trotz enger Platzverhältnisse machbar.

(Bild: zvg)

Im zweiten Untergeschoss sollen Autos unterkommen – laut Syfrig maximal 240 Fahrzeuge. Das ist deutlich weniger als beim Musegg-Parking, wo über 600 Parkplätze für Autos geplant waren – ein Punkt, der besonders den linken Kreisen sauer aufstiess.

Theoretisch wäre beim Schweizerhofquai gar ein drittes Stockwerk möglich, so Syfrig. Doch nachdem die Zahl der Autoparkplätze beim Musegg-Parking zum Politikum wurde, hält der Architekt fest: «Das ist politisch unmöglich.»

Anders als die Cars würden die Autos via das bestehende Schweizerhof-Parkhaus in das Seeparking gelangen – und nicht über die Einfahrt beim Luzernerhof.

Keine Cars mehr über die Seebrücke

So weit, so schön. Doch wie realistisch ist es, vor dem Luzernerhof eine Zufahrtsrampe in ein solches Parking zu bauen? Viel Platz hat es ja dort nicht gerade. Verkehrsplaner Oscar Merlo kündigt an, dass die Details in weiteren Studien erarbeitet werden müssten. «Doch aus unserer Sicht ist es möglich – da sehen wir noch keinen Stopp oder ein No-Go.»

Im ersten Untergeschoss sollen die Cars Platz finden – mit mehreren Ausgängen für die Fussgänger.

Im ersten Untergeschoss sollen die Cars Platz finden – mit mehreren Ausgängen für die Fussgänger.

(Bild: zvg)

Dies auch, weil die Cars nur über die Zürichstrasse zum Parking kommen sollen. Der Vorteil liegt auf der Hand: «Die Cars fahren nicht mehr über die Seebrücke und den Bahnhofplatz», sagt Syfrig. Die Initianten reagierten auch auf die Sorge, dass das Parking dem Durchgangsbahnhof in die Quere kommen könnte (siehe Box).

100 Franken pro Stunde

Die Kosten schätzen die Initianten auf rund 100 bis 120 Millionen Franken. Zum Vergleich: Beim Musegg-Parking wird mit rund 150 Millionen gerechnet. Auch in Sachen Finanzierung unterscheiden sich die beiden Projekte. Bezahlen sollen das Seeparking laut den Initianten die Touristen selber – beziehungsweise die Tourismusunternehmen.

Was ist mit dem Tiefbahnhof?

Gregor Schwegler, Geschäftsleitungsmitglied des Büros Basler & Hofmann, beschwichtigte am Freitag die Sorgen um eine Kollision mit dem Tiefbahnhof. Zwar brauche es auch diesbezüglich noch detaillierte Abklärungen. Aber das Vorprojekt zum Tiefbahnhof zeige, dass sich die beiden Projekte nicht tangierten – oder nur minim. Denn die geplanten Gleise würden tiefer liegen als die Parkgeschosse. Im schlimmsten Fall müsste man auf einen Teil der angedachten Autoparkplätze verzichten. Zu dieser Frage ist im Kantonsrat bereits ein Vorstoss eingegangen (zentralplus berichtete).

Das heisst im Klartext: Die Cars würden deutlich mehr berappen für ihren Parkplatz. Geht es nach den Initianten, würden pro Tourist und Car zwei Franken fällig. Geht man davon aus, dass 50 Leute in einem Bus sitzen, wäre das ein happiger Preis von 100 Franken pro Stunde. Damit lägen die Preise deutlich über dem, was im Musegg-Parking angedacht ist. Für Syfrig aber kein Problem. «Cars brauchen viel mehr Fläche als ein Auto.» Zudem ist für ihn klar: «Will man mit dem Car direkt ins Herz der Stadt fahren, dann kostet das.»

Die Finanzierung soll also auf komplett anderen Beinen stehen, als dies beim Musegg-Parking angedacht ist. Auch bezüglich Investoren haben die Initianten ihre Vorstellungen. «Unser Traum ist, dass es ein Luzerner Projekt wird», sagt Syfrig. Investieren sollen demnach die Unternehmen, die ein Interesse an den zahlungskräftigen Touristen haben – also beispielsweise die Uhren- und Schmuckverkäufer am Grendel. Aber auch an klassische Investoren wie Pensionskassen oder private Gesellschaften denkt der Architekt. Nicht zuletzt schwebt die Idee im Raum, dass jeder Luzerner Aktien kaufen könnte. Die Stadt soll das Grundstück im Baurecht abgeben.

Drei Plätze freispielen

Ob diese Idee je zum Fliegen kommt, ist noch alles andere als definitiv. Für Syfrig ist indes klar, dass das «Luzerner Trauma» überwunden werden muss: Die Cars behinderten den Verkehr, drei öffentliche Räume – der Löwenplatz, der Schwanenplatz und der Platz vor dem Inseli – würden durch Cars besetzt. Und doch gebe es keinen politischen Konsens, wie das zu lösen ist. Auch wenn eine Initiative das Musegg-Parking noch retten will: Nach dem Nein des Stadtparlaments zum Musegg-Parking Ende 2016 kamen kaum gleichwertige Alternativen aufs Tapet, die Debatte ist ins Stocken geraten.

Das Seeparking hat nun wieder Schwung in die Sache gebracht. «Doch es ist erst eine Idee, kein Vorprojekt, geschweige denn ein Projekt», hielt Franz Egle am Freitag fest. Dennoch sind die Initianten überzeugt, dass mit dem Seeparking mehrere Vorteile winken. «Wenn Städte wachsen, müssen Grünräume mitwachsen», sagte Syfrig, langjähriger Präsident der Stadtbaukommission. Mit dem Parkhaus beabsichtigt er, den Schwanenplatz, den Löwenplatz und den Platz vor dem Inseli von Cars zu befreien. Und nicht nur das: «Das ganze Weyquartier könnten wir aufwerten», ist Syfrig überzeugt. Indem Parkplätze aufgehoben würden, könnte man das Quartier begrünen. Gleichzeitig sollen die Touristen nach wie vor direkt ins Zentrum gelangen.

Die Initianten (von links): Marc Syfrig, Franz Egle, Gregor Schwegler, Oscar Merlo.

Die Initianten (von links): Marc Syfrig, Franz Egle, Gregor Schwegler, Oscar Merlo.

(Bild: jal)

Dem würde wohl kaum jemand widersprechen. Genau dieselben Motive kennt man von den Initianten des Musegg-Parkhauses.

Doch das Parking unter dem Schweizerhofquai hat gemäss Initianten einen weiteren Trumpf in der Hand: «Wir können bestehende Infrastruktur nutzen», sagt Syfrig. Die Strasse vor dem Schweizerhof bestehe bereits – «wir würden sie einfach unterkellern». Das sei ein Verfahren, das in vielen anderen Städten erfolgreich umgesetzt werde. Syfrig verwies auf das geplante Parking beim Kunstmuseum Basel oder bei der Gessnerallee in Zürich. «Da können wir von anderen Städten lernen.»

Lernen aus dem Nein zum Musegg-Parking

Der nächste Schritt ist laut Initianten eine Machbarkeitsstudie. Sie soll zeigen, ob die Idee architektonisch, bautechnisch, verkehrsplanerisch und kommerziell aufgehen kann. «Die Erfahrung vom Musegg-Parking zeigt, dass man den ersten Schritt nur machen kann, wenn man grünes Licht vom Parlament hat», so Franz Egle. Deshalb wollen die Initianten die Politik von Anfang an einbinden.

Dem Stadtrat und einzelnen Fraktionen ist die Idee bereits präsentiert worden. Die ersten Reaktionen sind laut Egle «ermutigend». Angedacht ist zudem eine Begleitgruppe, in der womöglich auch Quartiervertreter eingebunden wären. «Wir wollen kein Projekt, das zum Spielball der politischen Gruppen wird», sagt Egle. Die Devise ist klar: Man will Lehren aus dem Schiffbruch des Musegg-Parkings ziehen.

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