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Ein Defizit liegt jetzt nicht mehr drin
  • Kultur
Während der Musiktage ist auch auf dem Stanser Dorfplatz wieder viel los. (Bild: PD)

Stanser Musiktage zwischen Freude und Hilferufen Ein Defizit liegt jetzt nicht mehr drin

7 min Lesezeit 30.03.2016, 17:20 Uhr

Die Stanser Musiktage sind das bedeutendste Zentralschweizer Musik-Festival im Frühling. In den letzten Jahren geriet es aber in arge Nöte, 2015 musste man sogar pausieren. Nun steht das leicht abgespeckte Comeback an. Die Verantwortlichen aus Luzern sind zuversichtlich – aber auch nervös.

Um ein Haar gäbe es die Stanser Musiktage nicht mehr. Dieses kleine Festival, das sich seit 20 Jahren auf keinen Musikstil festlegen will, und gerade deshalb viele Musikbegeisterte anzieht – vor allem auch aus Luzern. Ausgerechnet die Jubiläumsausgabe 2014 war verregnet und ein Flop. Man stand vor einem Schuldenberg und 2015 musste man das Festival absagen. Das brach dem Traditionsfestival beinahe das Genick. Doch nur beinahe.

Nach einem Kraftakt steht man jetzt vor dem Comeback: Vom 5. bis 10. April finden die 21. Stanser Musiktage statt. Für die Co-Leitung sind neu Esther Unternährer und Marc Rambold verantwortlich, beide aus Luzern. Wir trafen sie mitten in den letzten Vorbereitungen.

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Das Leitungs-Duo der Stanser Musiktage: Marc Rambold und Esther Unternährer.

Das Leitungs-Duo der Stanser Musiktage: Marc Rambold und Esther Unternährer.

(Bild: jwy)

zentralplus: Nach der turbulenten Zeit ist das Festival 2016 die Bewährungsprobe – es muss jetzt funktionieren.

Esther Unternährer: Ja, wir haben eine Sanierung hinter uns und haben das Konzept überarbeitet. Wir wollten nicht einfach gleich weitermachen, weil in den letzten Jahren nicht alles perfekt funktioniert hat. Und wir haben viel Geld aufgetrieben, damit wir uns Zeit nehmen und die Musiktage wieder durchführen können. Wir stehen jetzt schon unter Druck, ein Minus können wir uns nicht mehr erlauben. Wir haben ein Budget von über einer Million – es muss einfach aufgehen.

«Wir haben alles gemacht, was wir können, damit es reibungslos läuft. Jetzt müssen einfach die Leute kommen.»

Marc Rambold, Co-Leiter Stanser Musiktage

Marc Rambold: Es ist so, wir müssen mindestens ein schwarzes Null schreiben, sonst wird es schwierig. Wir haben im Rahmen der Sanierung Darlehen aufgenommen, die wir irgendwann zurückzahlen müssen.

Nach einer Pause: Neustart und neue Leitung

Die Stanser Musiktage haben turbulente Zeiten hinter sich – letztes Jahr musste das Festival aus finanziellen Gründen gar aussetzen (zentralplus berichtete). Schuld war vor allem das schlechte Wetter beim Jubiläumsfestival 2014, das dem Festival ein Defizit von 160’000 Franken bescherte und es zu einer Pause und zu einer Sanierung zwang.

Jetzt schaut man mit einer neuen Leitung aus Luzern in die Zukunft: Für die Co-Leitung sind die Luzerner Esther Unternährer und Marc Rambold zuständig (beide waren einst bei Radio 3fach als Geschäfts- bzw. Marketingleiter). Der Gründer und langjährige Leiter der SMT, Christoph Rosset, hatte sich zurückgezogen. Auch der neue Programmleiter ist ein Luzerner: der bestens bekannte Musiker Marc Unternährer (kürzlich im Interview mit zentralplus).

Vor allem dank Privatpersonen, Institutionen, einer Benefizveranstaltung, dem Kanton Nidwalden und der Gemeinde Stans kam das nötige Geld zusammen: rund 250’000 Franken. Ohne Kompromisse ging’s aber nicht: Das Festival ist neu etwas kürzer, das Rahmenprogramm etwas dünner und es gibt weniger Spielorte. Dazu kommt: Auf 2017 steigt der langjährige Hauptsponsor, eine Grossbank, aus – die Suche nach Ersatz läuft.

zentralplus: Was überwiegt: die Nervosität, Anspannung, Vorfreude?

Unternährer: Alles miteinander, zwischen Riesenfreude und Hilferufen! (lacht)

Rambold: Es ist ein Wechselbad. Aber abgesehen vom Organisatorischen können wir jetzt nicht mehr viel steuern, wir haben alles gemacht, was wir können, damit es hoffentlich reibungslos läuft. Jetzt müssen einfach die Leute kommen.

Unternährer: Wir müssen abwarten, das macht uns manchmal nervös.

zentralplus: Wie läuft der Vorverkauf?

Rambold: Er läuft noch etwas zu verhalten für unser Gusto. Es muss einen Endspurt geben, um in den gewünschten Bereich zu kommen.

Unternährer: Wir hoffen, dass viele Leute spontan reagieren.

zentralplus: Woran liegt es?

Rambold: Am Programm liegt es nicht, glaube ich. Aber nach dem Jahr Pause, warten wohl viele einfach mal ab, was passiert. Da müssen wir sicher wieder Vertrauen aufbauen, auch gegenüber Stammgästen.

zentralplus: Aber die Stammgäste werden die Stanser Musiktage wiedererkennen?

Unternährer: Wir haben dieses Festival überhaupt nicht auf den Kopf gestellt, wir haben einfach Anpassungen vorgenommen. Wir haben in einer Gruppe am Konzept gearbeitet und geschaut, was in den letzten Jahren funktioniert hat und was nicht. Und wir haben viele Leute zugezogen, die sich auskennen und zum Teil schon fast 20 Jahre bei den Musiktagen dabei sind. Es ist nicht so, dass wir zwei gekommen sind und gesagt haben: So, jetzt machen wir das irgendwie. Wir haben das sorgfältig aufgegleist und uns auf die Stärken konzentriert.

Rambold: Wir sind etwas kleiner geworden, das mussten wir, um wieder in einen rentablen Bereich zu kommen. Da gehören gewisse Abstriche dazu. Wir konzentrieren das Festival besser und haben zwei Zentren geschaffen, wo man sich trifft.

zentralplus: Wurde das Festival wetterunabhängiger? Kann es euch weniger einen Strich durch die Rechnung machen?

Rambold: Ja, früher verkauften wir für das Rahmenprogramm einen Pin. Dieser wurde zu wenig verkauft, wenn es regnete – dann fehlten relativ hohe Beträge. Den Pin gibt’s nicht mehr und die aufwendige Infrastruktur haben wir reduziert, es gibt weniger Fixkosten. Aber natürlich sind wir immer noch auf schönes Wetter angewiesen, für die Gastronomie ist das relevant. Aber wir haben nicht mit 25 Grad Sonnenschein budgetiert.

Unternährer: Schönes Wetter hilft der Stimmung, es kommen mehr Leute, man sitzt auf dem Dorfplatz.

«Wir sind unsere Linie absolut treu geblieben, vielleicht gab’s eine gewisse Verjüngung.»

Esther Unternährer

zentralplus: Die drei wichtigsten Köpfe (neben der Co-Leitung ist das Programmleiter Marc Unternährer, siehe Box) kommen aus Luzern, ihr habt das Festival aus dem Sumpf gerissen?

Beide: Noch nicht!

Rambold: Nein, bei der Sanierung hätten wir alleine keine Chance gehabt …

Unternährer: Wir brauchten die Kontakte und Vernetzung unseres Vorstands, wir haben vor allem im Hintergrund gearbeitet: Konzept geschrieben, Zahlen zusammengetragen – das hätten wir nie geschafft ohne Vorstand.

zentralplus: Dass ihr aus Luzern kommt, war in Stans nie Thema?

Unternährer: Es war schon Thema, aber die Nidwaldner sind so nett und offen.

Rambold: Wir haben uns dafür entschieden, alle Arbeitszeit für die Musiktage vor Ort zu erledigen. Wir haben ein gut gelegenes Parterre-Büro in Stans, da laufen oft Leute rein. Wir sind präsent, das ist wichtig.

Unternährer: Und wir haben einen Vorstand mit Stanser und dazu rund 70 Aktivmitglieder – das sind auch grösstenteils Nidwaldner. Wir sind also gut vernetzt, das ist kein Problem.

zentralplus: Das Musikprogramm ist weiterhin ein Mix aus Weltmusik, Volksmusik, Jazz und Pop? (siehe Box am Ende)

Unternährer: Wir sind unsere Linie absolut treu geblieben, vielleicht gab’s eine gewisse Verjüngung.

Rambold: Das war ein sehr bewusster Entscheid. Dieser Mix ist eines der Merkmale der Musiktage. Daran wollten wir nicht schrauben, und irgendein Pop- oder Schlagerfestival organisieren.

zentralplus: Gibt es persönliche Highlights im Programm, die ihr nicht verpassen wollt?

Unternährer: Diese Frage wird oft gestellt, aber es ist so schwierig …

Rambold: Ich will sicher Christophe Chassol mit seinem Projekt «Big Sun» sehen, das ist etwas Einzigartiges, da kann man nicht eine CD reinschieben – es ist das Erlebnis vor Ort.

Und so tönt der Pianist Christophe Chassol (9. April, Theater an der Mürg):

 

Unternährer: Auf das Andromeda Mega Express Orchestra freue ich mich auch extrem. Wir haben ja oft Orchester an den Musiktagen. Oder Noureddine Khourchid aus Syrien mit den tanzenden Derwishen. Es gibt so viel Einmaliges… und natürlich Animal Collective.

Und das ist das Andromeda Mega Express Orchestra (8. April, Theater an der Mürg):

 

Ein weiteres Highlight sind Animal Collective (8. April, Kollegium St. Fidelis):

 

zentralplus: Ein spannender Punkt: Asylsuchende helfen beim Festival mit – wie kam es dazu?

Rambold: Das ist eine Tradition, sie helfen beim Auf- und Abbau und auch während des Festivals bei gewissen Aufgaben. Das ist extrem wichtig. Das Team für den Auf- und Abbau wäre ohne sie aufgeschmissen.

Unternährer: Es ist super, sie wollen wirklich mithelfen – aber wir wurden fast etwas überrannt.

zentralplus: Ein Wehrmutstropfen bleibt, die Musiktage müssen einen neuen Hauptsponsor suchen (siehe Box oben). Warum?

Rambold: Ja, nach 17 Jahren.

Unternährer: Es kam nicht überraschend, wir wissen das schon länger. Wir sind dran. Aber es ist eine Herausforderung, die Credit Suisse war ein starker Partner.

Rambold: Es ist nicht einfach jetzt im Vorfeld einen neuen Hauptpartner für 2017 zu finden, bevor wir bewiesen haben, dass das Festival 2016 funktioniert. Wir sind auf die Zeit nach dem Festival angewiesen, es ist angebahnt. Vielleicht gibt es auch nicht mehr einen Hauptpartner, sondern man verteilt die Last auf verschiedene Partner.

Unternährer: Wenn wir das Festival 2016 hinter uns bringen, schaffen wir auch das mit dem neuen Sponsor!

Mit zentralplus an die 21. Stanser Musiktage

Wir verlosen 2×2 Tickets für das Konzert Chassol am 9. April, 20.30 Uhr. Schreiben Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff «Stanser Musiktage», Ihrem Wunschkonzert und Ihren Kontaktdaten bis Mittwoch, 6. April, 12 Uhr, an [email protected] Die Gewinner werden ausgelost und per E-Mail informiert.

Teilnahmeberechtigt sind alle Community-Mitglieder von zentralplus. Mit Ihrer Teilnahme erklären Sie sich einverstanden mit unseren AGB.

Was läuft sonst noch?

Die Stanser Musiktage bieten heuer rund 40 Konzerte: in verschiedenen Lokalen im Hauptprogramm, im Rahmenprogramm auf dem Dorfplatz und mit einem neuen Nachtprogramm. Das Festival dauert vom 5. bis 10. April.

Das Festival beginnt am Dienstag 5. April mit dem Konzert der Mbongwana Star aus der Republik Kongo im Kollegium St. Fidelis: Groovender, elektronischer Sound für alle, die wissen wollen, wie zeitgemässe Musik aus Afrika tönt. Weiter geht’s dann bis Sonntag – eine Auswahl: Es gibt Indie-Pop von den hoch angesehenen Animal Collective aus den USA, die in Stans ihr einziges Schweizer Konzert spielen (8. April, Kollegium). Es gibt Neue Volksmusik etwa von Ambäck, eines innovativen Trios, das die traditionelle Schweizer Musik auffrischt (5. April, Theater an der Mürg). Und es gibt Jazz zum Beispiel des Sylvie Courvoisier Trio (7. April, Theater an der Mürg): innovative Sounds in klassischer Jazzbesetzung mit Piano, Schlagzeug und Kontrabass.

Auch Luzerner Musiker sind prominent im Programm: etwa der Luzerner Gitarrist Manuel Troller mit dem Lyriker Michael Fehr und der Urafführung ihres Sprache-Klang-Projekts (6. April, Theater an der Mürg), das Rockabilly-Trio The Knocked Out Rhythms (8. April, 21 Uhr, Dorfplatz) oder Beatie Bossy: sechs Jazzer erfinden die Beastie Boys neu (9. April, 21 Uhr, Dorfplatz).

Und für die jüngeren Partyhasen gibt’s eine neues Nachtprogramm im Kollegium St. Fidelis, Club im Engel und in der Zivilschutzanlage mit DJs und Konzerten. An allen Festivaltagen kommt man bis um 1:30 Uhr kostenlos mit dem ÖV zurück nach Luzern (Freitag und Samstag sogar bis 3:30 Uhr).

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