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Die Luzerner Weihnachtswelt hat Expansionsgelüste
  • Regionales Leben
Weihnachtsatmosphäre gibt's bald auch auf dem Luzerner Inseli. (Bild: zvg)

Inseli, Neustadt und bald Mühlenplatz? Die Luzerner Weihnachtswelt hat Expansionsgelüste

6 min Lesezeit 2 Kommentare 18.11.2019, 13:37 Uhr

Das Luzerner Weihnachtsangebot trumpft neben dem Bewährten mit neuen Angeboten auf: Zusätzliche Weihnachtsmärkte gibt’s auf dem Inseli oder im Vögeligärtli in der Neustadt – und Kreative können sich eine Do-it-yourself-Krippe basteln. Die Verantwortlichen haben weitere Plätze im Visier.

Nur ein erleuchteter Platz ist ein guter Platz: Auf diese verknappte Formel könnte man die Aktivitäten rund um die Luzerner Weihnachtspromotoren bringen. Denn das Kollektiv «Weihnachten in Luzern» hat Expansionsgelüste. Und darum ist das Festtagsprogramm auf den Luzerner Gassen und Plätzen so dicht wie nie und die Stadt so hell erleuchtet wie selten.

Die Weihnachtsbeleuchtungen werden dieser Tage montiert, am Samstag werden sie angeknipst und dann geht der Reigen mit Märkten, Eisfeld und Glühwein bis zum Jahresende los. Luzern, die Weihnachtsstadt: Mit diesem Versprechen haben vor bald zehn Jahren IG und Verein die Fäden in die Hand genommen. Weihnachtsluzern ist stärker zusammengerückt (zentralplus berichtete).

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Nicht einfach Rambazamba sei das Ziel, so der oberste Weihnächtler Albert Schwarzenbach. Sondern «schön und wertvoll» soll die Weihnachtsstadt Luzern leuchten.

Ein sicherer Weihnachtswert: das Eisfeld vor dem KKL.

Die meisten Angebote im adventlichen Luzern besinnen sich auf das Bewährte: die Lichter über der Brücke, das Eisfeld vor dem KKL, die Märkte auf dem Kapell- und Franziskanerplatz, der Riesenbaum beim Luzernerhof oder das Kerzenziehen im Vögeligärtli. Luzerner wie Touristinnen schätzen diese Erinnerungen an die besinnliche Zeit.

Während der internationale Venite-Markt mit Ständen aus 24 Ländern wieder das farbenfrohe und multikulturelle Gegenstück setzt, hält der «Lozärner Wiehnachtsmärt» in der Kleinstadt mit Bläsern, Glocken und Trychlern die traditionelle Fackel hoch.

Neuer Ort der Zusammenkunft

Und doch ist einiges neu dieses Jahr – die Weihnachtswelt expandiert aufs Inseli und in die Neustadt. Ersteres wurde bereits kommuniziert: Auf dem Park gleich hinter dem KKL gibt’s dieses Jahr mit «Rudolfs Weihnacht» einen Weihnachtspark mit Fondue, Openair-Bar und lokalem Design (zentralplus berichtete).

Auch auf dem Vögeligärtli hat sich ein neues Team zusammengetan, das neben dem traditionellen Kerzenziehen nun auch einen Weihnachtsevent organisiert. Einen «Ort der Zusammenkunft», verspricht Initiantin Diana Russel. Während die Kleinen an den Wachstöpfen hantieren, kann man sich in Sichtweite einen Glühwein genehmigen. Das Ganze soll nicht kommerziell ausgerichtet sein, sondern das Neustadt-Quartier abbilden. Eine Charity-Künstlerhütte steht Kunstschaffenden gratis zur Verfügung, um ihre Werke zu verkaufen. Viele Tannenzweige und Bäume sollen das Pärklein in einen Zauberwald verwandeln.

Krippen selber machen

Fast könnten im ganzen Glitzerzauber die stillen Krippen untergehen. Für diese Tradition ist Florian Flohr, Leiter der neu renovierten Peterskapelle besorgt. Neben verschiedenen anderen Aktivitäten dürfte vor allem das Angebot der Do-it-yourself-Krippen von Interesse sein: In der Peterskapelle kann man sich ein Holz-Weinkistchen abholen und sich darin eine eigene Krippe basteln, die dann ausgestellt wird. Eine ganze Pyramide aus Krippen erhofft sich Flohr. Ob mit Lego, Tannenzäpfen oder Holz – alles ist willkommen.

Für Flohr ist die Krippe nicht von gestern, im Gegenteil: Sie fasst wichtige Werte in ein Bild. Und so will er Betlehem als armen Ort in die Jetzt-Zeit holen, etwa in Verbindung mit der politischen Situation im Westjordanland oder der aktuellen Flüchtlingssituation. Auch der Direktor des Kinderspitals von der Kinderhilfe Bethlehem wird in Luzern einen Vortrag halten.

Florian Flohr von der Peterskapelle demonstriert eine Krippe. Neben ihm: Albert Schwarzenbach, Sibylle Gerardi (Luzern Tourismus) und Pit Müller (Weihnachtsmarkt Franziskanerplatz).

Grosse Nachfrage nach Foodständen

Und was kommt noch? Der Verein würde gern expandieren, aber das freiwillige Engagement setzt Grenzen. Zum Beispiel beim Weihnachtsmarkt auf dem Franziskanerplatz: Immer wieder höre man den Wunsch, Richtung Bahnhofstrasse zu erweitern. «Doch die IG kann das nicht stemmen», sagt Pit Müller vom Markt auf dem Franziskanerplatz.

Die Nachfrage sei bei Anbietern nach wie vor hoch, vor allem im Foodbereich gebe es massenhaft Anfragen. Das traditionell Handwerkliche hingegen habe fast keinen Platz, bedauert auch er. Die durchgehende Präsenz und die Miete seien für viele Kleinanbieter nicht zu stemmen.

Das liebe Geld

Die Kräfte hinter dem Verein Weihnachten in Luzern betonen unisono das Gemeinsame, das Ehrenamtliche und die Verbundenheit zur Basis. Es sind die Werte, die tatsächlich zur besinnlichen Vorweihnachtszeit passen. Ist also alles Gold, was glänzt?

Die Finanzierung bleibt ein Kraftakt. «Wir rennen immer dem Geld hinterher», sagt Albert Schwarzenbach. Darum gibt’s wieder die offizielle Weihnachtstasse, mit deren Kauf man die Aktivitäten quersubventioniert. Doch noch sind nicht alle dabei, da braucht’s weitere Überzeugungsarbeit.

Bald leuchtet sie: Weihnachtsdeko auf dem Grendel.

Was kommt auf den Mühlenplatz?

Auch die Strassenbeleuchtungen sind ein ewiges Thema, etwa über dem neu gestalteten Grendel. Es werde immer schwieriger, die Beleuchtung durch Geschäfte zu finanzieren, weil die internationalen Ketten kein Interesse hätten, sich zu beteiligen, sagt Robert Casagrande vom IG Grendel. 200’000 Franken kosten die Sternen, Kronen und Girlanden jedes Jahr. «Die Weihnachtsbeleuchtung ist das A und O, wir brauchen Licht.» Darum wünscht sich Casagrande neben dem Grendel auch einen beleuchteten Löwengraben, quasi als Fortsetzung.

Und dann wäre die Verbindung zum Mühlenplatz hergestellt, denn auch dieser ist aus weihnächtlicher Sicht ein Sorgenkind. Auf diesem kann man in den nächsten Jahren etwas erwarten, verspricht Kurt Christen, Geschäftsführer des Vereins Weihnachten. Die Abklärungen mit der Stadt laufen, denn: «Es gibt noch Plätze in Luzern, die nicht bespielt werden.»

Auch beim KKL gibt’s noch Pläne, seit «Jeder Rappen zählt» Geschichte ist und Luzern um etwas Gratis-Werbung ärmer. Für dieses Jahr hat’s noch nicht gereicht, aber Christen kündigt für nächstes Jahr etwas Neues an, für das man einen neuen Partner an Bord habe und die Bewilligung der Stadt bereits im Trockenen.

Am 23. November geht’s los

Das ganze Angebot und Programm von Weihnachten in Luzern gibt’s auf der Website.

  • Wintervergnügen im Vögeligärtli: 23. November bis 23. Dezember
  • Winterzauber beim KKL: 23. November bis 23. Dezember
  • Rudolfs Weihnacht: 28. November bis 31. Dezember
  • Bruch-Weihnachten: 29. und 30. November
  • Internationales Weihnachtsforum Venite, Kapellplatz: 12. bis 15. Dezember
  • «Lozärner Wiehnachtsmärt», Franziskanerplatz: 5. bis 22. Dezember

Logiernächte ziehen an

Natürlich ist das Weihnachtsbrimborium in erster Linie gute PR im Dienste der Leuchtenstadt. Luzern Tourismus will die Stadt im Winterhalbjahr schmackhaft machen, was gut gelingt: Die Logiernächte haben im Dezember im Vergleich zu den Vorjahren um 30 Prozent angezogen. Luzern Tourismus befeuert das Weihnachtsinteresse mit speziellen Führungen und einem eigenen Startschuss am 23. November (siehe Box).

Auch die Einheimischen freuen sich natürlich über den Lichterglanz, den Glühwein oder das Gratiseisfeld vor dem KKL. Aber ob Weihnachtsdörfchen und Beleuchtungen auf immer mehr Plätzen und Gassen bei allen gut ankommen, sei dahingestellt.

Fakt ist: Luzern glänzt und leuchtet heller denn je. Dazu trägt auch das Lichtfestival Lilu bei, das vom 9. bis 16. Januar zum zweiten Mal stattfindet – womit sozusagen die Weihnachtsbeleuchtung nahtlos in die Lichtkunst im neuen Jahr übergeht. Und wann ist es wieder still und dunkel?

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2 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 19.11.2019, 07:15 Uhr

    Stimmt ja. Ganz vergessen. Beim Weihnachtsfest geht es in erster Linie um Konsum und Stärkung der Volkswirtschaft und des Tourismusstandortes Luzern. Was Luzern in den Zeiten von unbewältigbaren und unerträglichen Touristenschwemmen zu allerletzt braucht, sind drei Weihnachtsmärkte an verschiedenen Standorten. Dazu kommt ja dann noch der pittoreske “Weihnachtsmarkt” im wunderbar aufgehübschten Bahnhof SBB. Dichtestress und Cortisol-Ausschüttung in extremis, zudem virulente Pandemiegefahr. Das Fest der Liebe (Liebe zum Konsum und Erwerb von sinnlosem Tand) steht untrüglich wieder vor der Tür! Hallelujah…

    1. Redaktion Jonas Wydler, 20.11.2019, 09:25 Uhr

      Den Weihnachtsmarkt im Bahnhof gibt es meines Wissens nicht mehr …