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Die heilige Barbara findet den Weg in den Luzerner Gletschergarten
  • Kultur
So sieht es im Innern aus des Felsenwegs aus. (Bild: bic)

Letzte Sprengung beim Grossprojekt ist erfolgt Die heilige Barbara findet den Weg in den Luzerner Gletschergarten

3 min Lesezeit 03.12.2019, 17:35 Uhr

Genau einen Tag vor Sankt Barbara, dem Tag der Schutzpatronin der Bergleute, ist es geschafft: Der Weg durch den Felsen im Luzerner Gletschergarten ist frei. Am Dienstag wurden die letzten Zentimeter Gestein weggesprengt. Dabei wurde sogar Gold gefunden.

Um Punkt 10.15 Uhr löste am Dienstagmorgen Flurina Egli die letzte Sprengung für den neuen Luzerner Felsenweg aus. Egli ist eine Nachfahrin der Familie Amrhein-Troller, die den Gletschergarten 1873 gegründet hatte. Nachdem sich der Staub verzogen hatte und die Schutzwände weggeräumt waren, war der Blick ins Innere der massiven Gesteinsformation frei.

Traditionsgemäss wurde als Erstes eine Statue der heiligen Barbara durch die Öffnung getragen, um der Schutzpatronin der Bergleute für den unfallfreien Bau der neuen Attraktion zu danken. Insgesamt 456 Tage lang gruben sich die Mineure durch den Fels (zentralplus berichtete). Sie kamen rasch voran. Zwischenfälle, wie einen von Bergleuten gefürchteten Wassereinbruch, gab es nicht. «Im Gegenteil: Wir waren sogar explizit auf der Suche nach dem Wasser», erzählte Gletschergartendirektor Andreas Burri. Mit dem kleinen unterirdischen See nehme es sogar einen wichtigen Teil ein.

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Spuren von Jahrmillionen werden sichtbar

Obwohl der Berg wie erhofft mitgemacht hatte, war trotzdem Vorsicht geboten. Denn zu starke Erschütterungen hätten das nahe gelegene Löwendenkmal in Mitleidenschaft ziehen können. «Aber auch hier ist zum Glück nichts passiert», zeigte sich Burri erleichtert. Man habe ausserdem kaum technische Hilfsmittel wie Felsanker benötigt, um das Gewölbe zu stabilisieren. Das Gestein hält von alleine und kann so fast gänzlich naturbelassen bleiben.

«Einen wichtigen Teil haben wir hinter uns, was jetzt folgt sind die Feinarbeiten», so Burri. Nun gehe es darum, die Spuren der Zeit für die Besucher sichtbar zu machen. «Unser Sandstein offenbart beeindruckende Erdgeschichte. Sie ist geprägt von geologischen Kräften und Klimaveränderungen über Jahrmillionen.»  

Auch Gold wurde gefunden – leider ist es wertlos

Im Fels betrete man einen vierdimensionalen Raum ergänzte der Geologe Franz Schenker. Als Stiftungsrat des Gletschergartens ist er der geistige Vater des Projekts. «Zu den drei geometrischen Achsen gesellt sich die Zeit hinzu, die das Gestein so geschaffen hat, wie es sich heute präsentiert», so Schenker. Und man habe sogar Jahrmillionen alte Spuren gefunden, mit denen man nicht gerechnet habe.

Auch Gold, genauer Katzengold, haben die Mineure gefunden.

«An einer Stelle sind wir auf Pyrit, im Volksmund auch Katzen- oder Narrengold genannt, gestossen. Leider hat dies keinen Wert, da es zwar aussieht wie das teure Edelmetall, aber nichts davon enthält.» Es ist ein Gemisch aus Eisen und Schwefel. Interessant sei insbesondere die Frage, wie letzterer den Weg so tief in den Fels hineingefunden hat. «Die Untersuchung des Gesteins zeigte Ablagerungen von kleinen Lebewesen wie Algen und Einzellern auch in tiefen Schichten. In ihren Eiweissen gibt es Schwefel. Bei Temperaturen zwischen 50 und 60 Grad bildete sich schliesslich das Katzengold», schilderte Schenker seine Erkenntnisse.

Das ganze Museum ist derzeit eine Baustelle

Aber nicht nur horizontal wurde gebohrt. Vierzig Meter im Berg wird es eine 25 Meter hohe, gewundene Treppe an die Oberfläche geben. Diese führt direkt vom Tageslicht zum unterirdischen See. Rund 20 Millionen Franken lässt sich das Museum seine jüngste Attraktion kosten. «Noch fehlen 500’000 Franken. Wir bleiben aber dran», so Direktor Andreas Burri. Geplant ist, den Felsenweg Ende Juni 2021 dem Publikum zu übergeben.

Das Museum wird sich dann in einem ganz neuen Kleid präsentieren. Denn auch das so genannte «Schweizerheim», der ehemalige Wohnsitz der Gründerfamilie in der Mitte der Anlage, wird aktuell totalsaniert und die Umgebung komplett umgestaltet. Künftig wird es im Erdgeschoss ein gemütliches Bistro geben. Der Gletschergarten ist also trotz seines greisen Alters von vielen Millionen Jahren für die Zukunft gerüstet.

Ein Arbeiter trägt die heilige Barbara durch die Öffnung.

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