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«Die Familie könnte sich mit einem Hauser-Park einen Namen machen»
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Blick auf die grüne Allenwindenkuppe: Das private Grundstück wird an einen Bauern verpachtet. (Bild: jwy)

Vorkämpferin für eine offene Luzerner Allenwindenkuppe «Die Familie könnte sich mit einem Hauser-Park einen Namen machen»

5 min Lesezeit 02.12.2019, 05:00 Uhr

Seit den 80ern ist die Allenwindenkuppe ein Politikum: Zwar ist sie als Grünzone geschützt, aber für die Öffentlichkeit seit jeher gesperrt. Verena Küttel hat lange als Politikerin für den freien Zugang gekämpft – und will jetzt als Anwohnerin dafür sorgen, dass der grüne Hügel nicht vergessen geht.

Stell dir vor: In der Stadt Luzern gibt es eine zentrale 50’000 Quadratmeter grosse Grünfläche und kaum einer weiss davon. Die Allenwindenkuppe ist die vergessene grüne Krone von Luzern. Der jahrzehntelange Kampf für eine Öffnung des privaten Geländes hat bis heute nicht gefruchtet – nun gibt’s einen neuen Anlauf im Parlament (zentralplus berichtete).

Eine, die sich schon von Kindsbeinen an auf der Allenwindenkuppe herumgetrieben hat, ist Verena Küttel. Sie kämpfte später im Stadtparlament mit Erfolg gegen eine Überbauung der grünen Kuppe. Ihr politisches Engagement hat die spirituelle Heilerin längst an den Nagel gehängt. Aber noch immer regt sie sich darüber auf, dass das Gebiet eingezäunt und für Spaziergänger nicht zugänglich ist.

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Verena Küttel, die ganz in der Nähe in einem Haus wohnt, hätte eine Idee, wie man die Liegenschaftsbesitzer von einer Öffnung des Geländes überzeugen könnte.

zentralplus: Verena Küttel, können Sie sagen, wie lange Sie sich schon einsetzen für eine Öffnung der Allenwindenkuppe?

Verena Küttel: Angefangen hat es in den 80er-Jahren im Rahmen einer offenen Quartierplanung. Später im Parlament, in der Baukommission und Stadtplanungskommission habe ich mich für die grüne Kuppe eingesetzt. Eine ganze Gruppe von Anwohnenden hat die Politiker damals bearbeitet. Ein historisches Ereignis war 1988 ein Stichentscheid des Präsidenten des Grossen Stadtrats: Nur dank ihm wurde die Umzonung in eine Grünzone angenommen.

«Die vielen Verbote an der Strasse provozieren mich bis heute.»

zentralplus: Ein weiterer Meilenstein war die Volksabstimmung 1994 zur neuen Bau- und Zonenordnung.

Küttel: Genau, in einer separaten Frage sagte die Stimmbevölkerung Ja zur Freihaltung der Kuppe. Wir haben als Gruppierung intensiv und über lange Zeit die Bevölkerung im Vorfeld der Abstimmung dafür sensibilisiert. Mit Erfolg.

zentralplus: Nun ist die Kuppe aber immer noch gesperrt. Hätten Sie damals geahnt, dass ein schier endloses Hin und Her folgt?

Küttel: Ich hatte nie erwartet, dass das so lange geht. Es gab nach der Abstimmung hohe Erwartungen in der Bevölkerung, die wir bewusst auch geschürt haben. Es ist eine grosse Enttäuschung, dass bis heute nichts passiert ist. Die vielen Verbote an der Strasse provozieren mich bis heute.

Verena Küttel hofft immer noch, dass die Allenwindenkuppe einmal für die Bevölkerung zugänglich wird.

zentralplus: Heute scheint die Allenwindenkuppe vergessen. Wieso?

Küttel: Es ist schwierig, die Sache ist kompliziert. Aber das grösste Handicap ist, dass niemand mehr den Ort kennt. Wie auch, wenn er eingezäunt ist. Als Kinder liessen wir uns natürlich nicht einschränken von Zäunen und wir haben erfahren, wie wunderschön und wie gross dieser Ort ist.

zentralplus: Was ist Ihre Motivation, für eine grüne Kuppe zu kämpfen?

Küttel: Ich fühle mich verantwortlich, weil die meisten Menschen die Allenwindenkuppe nicht kennen. Ich will die Chance einer freien Kuppe als Naherholungsgebeit wieder in die Köpfe bringen, dafür bräuchte es Begehungen mit Politikern, Presse und Quartierbewohnern. Allerdings werben die direkten Nachbarn der Grünzone nicht für eine Belebung, weil sie natürlich auch von der Ruhe profitieren.

«Ich fände es wunderbar, wenn so privilegierte Leute mehr Verständnis hätten.»

zentralplus: Haben Sie Angst, dass die Kuppe zum Rummelplatz würde?

Küttel: Ich vergleiche die Allenwindenkuppe oft mit dem Konsipark, und der ist auch alles andere als ein Rummelplatz. Man muss «gäch» hinauflaufen und es erfordert etwas Einsatz, bis man dort ist. Bei der Gestaltung kann man auf einen ruhigen Raum hinwirken und die Nutzung steuern, mit schönen Bäumen, einer Gartenanlage oder anderen Grünelementen.

Blick über die Grünzone Allenwindenkuppe – der Zutritt ist aber verboten.

zentralplus: Waren Sie auch schon in Kontakt mit der Familie Hauser, der das Grundstück gehört?

Küttel: Anfangs suchte ich vergeblich den Kontakt zur Familie, aber sie hat mit Befremden reagiert. Sie hat kein Interesse, kein Verständnis und keine Motivation, auf der Allenwindenkuppe etwas zu tun für die Luzernerinnen und Luzerner. Ich als Sozialdemokratin fände es wunderbar, wenn so privilegierte Leute mehr Verständnis hätten für Bewohner etwa der Zürichstrasse oder der Altstadt. Die haben keinen Garten, oft keinen Balkon und wohnen oft im Schatten.

«Der Stadtrat war bisher immer sehr behutsam und hat wenig Druck ausgeübt.»

zentralplus: Das Areal wird landwirtschaftlich genutzt, die Familie hat kein Interesse, daran etwas zu ändern.

Küttel: Man kann es anders sehen: Die Familie könnte sich mit einem Hauser-Park für die Öffentlichkeit einen Namen machen – das wäre eine Riesenchance. Wie bei der Diebold-Schilling-Strasse oder anderen Beispielen wäre der Name über viele Generationen hinweg in der Stadt Luzern verewigt. Mit dem Hotel Schweizerhof erfreut die Familie Hauser viele Gäste und Luzerner, das ist eine gute Sache für Luzern. Hier auf der Allenwinden böte sich die Chance für einen ideellen Gewinn neben dem Geld.

zentralplus: Ein neuer Vorstoss nimmt die alte Forderung nach freiem Zugang wieder auf. Haben Sie Hoffnung, dass jetzt etwas passiert?

Küttel: Es ist ein guter Zeitpunkt, das Thema aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Naherholungsgebiete, die ohne Auto erreichbar sind, werden angesichts der Klimakrise immer wichtiger. Der Stadtrat war bisher immer sehr behutsam und hat wenig Druck ausgeübt. Vielleicht wird der politische Druck jetzt so stark, dass der Stadtrat bei der Kantonsregierung vorstellig wird für ein Enteignungsverfahren. Das ist bis heute noch nicht passiert.

zentralplus: Werden Sie sich auch wieder engagieren?

Küttel: Ich bin nicht mehr in der Politik, aber bei diesem Thema helfe ich gerne im Hintergrund und mit Aktionen mit, wenn’s mich braucht.

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