Der FC Luzern findet seine defensive Stabilität
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Wurde von seinen Teamkollegen ein ums andere Mal im Stich gelassen: Simon Grether. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL erkämpfte drei Punkte gegen Lausanne Der FC Luzern findet seine defensive Stabilität

4 min Lesezeit 2 Kommentare 22.04.2021, 06:15 Uhr

Es war wahrlich ein Nervenspiel. Ohne zu glänzen, holt der FC Luzern gegen Lausanne drei dringend benötigte Punkte gegen den Abstieg. Erst in der 90. Minute erlöste Varol Tasar die rund 100 Fans auf der Allmend, sein Treffer könnte im Abstiegskampf Gold wert sein.

Ist es noch zu früh zu behaupten, dass der FCL seine Defensive nach 49 Gegentreffern in 28 Spielen endlich stabilisieren konnte? Wahrscheinlich schon, schliesslich sind es erst zwei Spiele in Folge, in denen der FCL ohne Gegentor blieb.

Ein Luzerner «Zu-Null-Sieg» klingt in dieser Saison auf jeden Fall irgendwie fremd in den Ohren. Zu oft wurde die defensive Stabilität der offensiven Durchschlagskraft geopfert. Doch beim 0:0 gegen St. Gallen und auch gegen Lausanne verteidigten die Zentralschweizer nun wieder konzentrierter und bewusster als in diversen Spielen zuvor.

Diese Beobachtung bestätigte auch Abwehrspieler Stefan Knezevic nach dem Spiel: «Wir standen heute wieder ein wenig tiefer und haben dadurch auch weniger Chancen zugelassen. Am Ende ist es aber auch einfach eine Frage der Konzentration, und das haben wir heute mehrheitlich gut gemacht.»

Simon allein zuhause: Die rechte Abwehrseite bleibt eine Baustelle

Trotz der tiefer stehenden Abwehrkette wirkte die Luzerner Defensive gegen Lausanne nicht immer sattelfest. Besonders FCL-Rechtsverteidiger Simon Grether hatte in der ersten Halbzeit mit dem wirbligen Hicham Mahou seine liebe Mühe. Dabei sei aber festgehalten, dass ihn seine Teamkollegen ein ums andere Mal im Stich liessen.

Die Lausanner versuchten in der ersten Hälfte praktisch bei jeder Angriffswelle das Duell «Grether gegen Mahou» zu forcieren, wohl wissend, dass der Luzener meist auf sich alleine gestellt war. Der in der Rückwärtsbewegung teilweise fahrige Ibrahima Ndiaye und das Luzerner Mittelfeld liessen ihren bemitleidenswerten Mitspieler einige Male in aussichtslosen Eins-gegen-zwei-Duellen zurück.

Es wirkt darum aber auch symptomatisch, dass weder Silvan Sidler, Christian Schwegler noch Simon Grether in dieser Saison auf der Rechtsverteidigerposition konstant gute Leistungen abrufen konnten. Es ist und bleibt die Baustelle Nummer eins beim FCL.

Auf der anderen Seite scheint sich derweil aber Martin Frydek (bis auf ein, zwei Wackler) nach einer Baisse wieder gefangen zu haben. Der Linksverteidiger überzeugte gegen Lausanne mit seinem typischen aggressiven Pressing und Vorwärtsdrang.

Die Luzerner müssen lernen zu agieren, nicht nur zu reagieren

Es war definitiv kein fussballerischer Leckerbissen, den die beiden FCL gestern auf dem Platz boten. Beide Mannschaften neutralisierten sich in der ersten Halbzeit, es war dann aber der FC Lausanne, der die gefährlicheren Aktionen herausspielte.

Die anfängliche Passivität seiner Mannschaft ist Luzerns Trainer Fabio Celestini seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Von seiner Mannschaft hätte er besonders in der ersten Hälfte gerne mehr Initiative gesehen: «Mir kam es vor, als hätten wir nur auf den Gegentreffer von Lausanne gewartet, um darauf reagieren zu können. Ich will von meiner Mannschaft sehen, dass sie nicht nur reagiert, sondern agiert.» 

Tatsächlich schienen die Luzerner in naher Vergangenheit einen Weckruf in Form eines Gegentores zu benötigen, um endlich selber in die Gänge zu kommen. Das bestätigt auch ein Blick auf die Statistik: Mit ihren 20 Rückständen sind die Zentralschweizer einsame Spitze in der Super League, gerade mal drei dieser Spiele drehten sie noch in einen Sieg.

FCL-Superjoker Tasar sticht erneut

Elf Spiele, vier Tore und zwei Assists. Das klingt nach einer ganz passablen Ausbeute für einen Super-League- Flügelspieler. Tatsächlich ist hier aber die Rede von der Einwechselstatistik von FCL-Superjoker Varol Tasar, kein anderer Super-League-Spieler hat eine bessere Bilanz von der Bank als der 24-jährige Linksfuss.

Dass er das goldene Siegtor gegen Lausanne überhaupt erzielen konnte, verdankt er aber auch den guten Ohren seines Mitspielers Pascal Schürpf: «Varol hat mich etwa zehn Mal angeschrien, ich soll ihm endlich den Ball zuspielen. Beim zehnten Mal habe ich mir dann gedacht: Der steht wohl frei!», meinte der 31-Jährige lachend nach dem Spiel.

Abwehrmann Stefan Knezevic sagte hingegen schmunzelnd: «Varol hatte schon gegen St. Gallen eine Riesenchance, um uns die drei Punkte zu sichern. Die hatte er damals vergeben. Sein Tor heute war also überfällig.»

Tasar selbst lobt lieber die Art und Weise, wie Coach Celestini seine Ersatzspieler auf ihre Einsätze heiss macht: «Unser Coach meinte vor dem Spiel zu uns, dass wir von der Bank heute die Game-Changer sind. Wer eingewechselt wird, muss den Unterscheid machen.» Gesagt, getan.

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2 Kommentare
  1. Karl Ottiger, 30.04.2021, 12:25 Uhr

    Weil Celestini endlich den Mannschaftsbus in den eigenen sechzehner geszellt hat holt er punkte jetzt spielt die Mannschaft endlich das was der grösste Teil von ihnen kann kämpfen und rennen für pitschi patschi ist die Qualität zu niedrig beim gro vom Kader

  2. CScherrer, 22.04.2021, 07:09 Uhr

    Endlich scheint man auf der Allmend begriffen zu haben, dass man gegen den Abstieg kämpft. Tatsächlich zeigt die Luzerner Abwehr Kampfgeist, auch wenn technisch immer noch limitiert. Doch über den Kampf findet Luzern auch das Glück. Dennoch ist Lausanne eigentlich etwas stärker, scheitert aber am eigenen Unvermögen. Der Sonntagsschuss von Tasar mag man hauptsächlich dem Torschützen selber gönnen. Tasar hat seine Rolle angenommen und – wenn eingewechselt – ist er da. Am kommenden Sonntag müssen jedoch weitere 3 Punkte gegen den FCZ dazukommen, um den FC Vaduz auf Abstand zu halten. Vielleicht hat Luzern in diesem Jahr den entsprechenden Dusel, weil St. Gallen eben doch etwas zu überbewertet war. Jetzt nur nicht abheben auf der Allmend und von irgendwelchen anderen Wettbewerben träumen. Schön weiterkämpfen, dann kommt es gut.

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