Der Verein «Bio Luzern» setzt sich seit Jahrzehnten für die Anliegen von Biobauern ein und führt auch Themenanlässe durch. (Bild: zVg)
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Der Verein «Bio Luzern» setzt sich seit Jahrzehnten für die Anliegen von Biobauern ein und führt auch Themenanlässe durch. (Bild: zVg)

Als Biobauern noch Exoten waren

10min Lesezeit

Was als kleine Bewegung angefangen hat, ist heute nicht mehr aus der Landwirtschaft wegzudenken: Biobetriebe. Im Kanton Luzern gab es anno dazumal erst wenige Biobauern. Einer der Pioniere und gleichzeitig der erste Präsident des Vereins war der Landwirt Josef Meierhans.

Auf den Geschmack gekommen ist Josef Meierhans vor über 50 Jahren durch seine Mutter: Sie bewirtschaftete den Garten des Familienhofes in Eschenbach biologisch, so wie das früher viele Bauernfrauen machten. Der Sohn war fasziniert.

Als er 1968 den Hof übernahm und im gleichen Jahr heiratete, entschied er sich zusammen mit seiner Frau Agnes Meierhans, auf Biobetrieb umzustellen. Selbstverständlich war das damals nicht: Sie gehörten zu den Pionieren.

«Im Kanton Luzern gab es damals nur sieben Biobetriebe», sagt der heute 75-Jährige. Diese haben sich zu einer Erfahrungsgruppe zusammengeschlossen, um sich gegenseitig mit Tipps und Know-how zu unterstützen. «Das war auch nötig. Wir machten anfangs viele ‹Lernplätze›», sagt Meierhans und lacht. Zum Beispiel mit Unkraut & Co. «Ohne Spritzen überwucherte das Unkraut die Äcker fast. Wir mussten zuerst Erfahrungen sammeln, wie damit umzugehen ist.»

Exoten in der Landwirtschaft

Nebst Kühen und Schweinen setzte der Familienbetrieb Meierhans auf Gemüse-, Früchte- und Getreideanbau. Als sie auf Bioproduktion umstellten, seien sie teilweise von den Kollegen belächelt worden. «Wir waren Exoten. Und manche meinten: Ihr werdet mit einer solchen Bewirtschaftung alles verlieren», erinnert sich Meierhans. Das ist nicht eingetroffen – im Gegenteil: Nach 50 Jahren bauern ohne Gift und Chemie ist der Boden gesund und gut im Schuss. Auch wirtschaftlich ist die Rechnung aufgegangen. Zwar habe man in der ersten Zeit nach der Umstellung Einbussen hinnehmen müssen. «Mit den Jahren hat sich das aber wieder eingependelt. Und heute stehen viele Biobetriebe besser da als Höfe mit konventioneller Bewirtschaftung.»

Josef Meierhans in den ersten Jahren als Biobauer auf seinem Hof in Eschenbach.
Josef Meierhans in den ersten Jahren als Biobauer auf seinem Hof in Eschenbach. (Bild: zVg)

Verein gibt Bio mehr Gewicht

Die wenigen Biobetriebe im Kanton Luzern haben über die Jahrzehnte Zuwachs bekommen. «Darum beschlossen wir, uns in einem Verein zu organisieren. Auch um unseren Anliegen mehr Gewicht zu geben», sagt Meierhans. 1992 wurde der Verein «Bio Luzern» gegründet, mit an Bord 53 Mitglieder. Organisatorisch wurde dadurch vieles einfacher. Der Verein ist seither Mitglied bei «Bio Suisse». Diese schreibt die Kriterien für biologischen Anbau vor, vergibt das renommierte Zertifikat «Knospe» an die Betriebe und kontrolliert, ob alle Vorgaben erfüllt werden.

«Den Biobauern wird gut auf die Finger geschaut. Und das ist auch richtig.»
Josef Meierhans, Biobauer und erster Präsident Bio Luzern

Im Vergleich zu früher sei zwar der administrative Aufwand gestiegen, dafür die Kontrollen besser geworden. «Den Biobauern wird gut auf die Finger geschaut. Und das ist auch richtig», sagt Meierhans. Heute hat der Verein Bio Luzern 300 Mitglieder, Biobauern sind längst keine Exoten mehr. Sein Amt als erster Präsident von Bio Luzern hat Meierhans bereits 1996 abgegeben und sein Hof wird seit 2004 von seinem Sohn bewirtschaftet. «Es ist gut und wichtig, dass junge Leute nachkommen und sich für die Anliegen der Biobauern engagieren», sagt er.

Die Bio-Knospe blüht

zentralplus hat beim jetzigen Präsidenten Josef Bircher vom Verein «Bio Luzern» nachgefragt, welche Meilensteine in den letzten 25 Jahren erreicht wurden und wie die Biobetriebe heute dastehen.

Josef Bircher, Präsident «Bio Luzern».
Josef Bircher, Präsident «Bio Luzern». (Bild: zVg)

zentralplus: Bei der Gründung 1992 hatte der Verein «Bio Luzern» 53 Mitglieder, heute sind es 300. Was für Bauernhöfe sind dazugekommen?

Josef Bircher: Die Leute und die Betriebe sind sehr verschieden – das geht von  kleinen Nebenerwerbsbetrieben bis zu Grossbetrieben mit vielen Angestellten. 
Die meisten Betriebe, die auf Bio umstellen, befassen sich einige Jahre mit diesem Schritt. Sie kommen oft mit einer klaren Strategie und wissen, in welche Betriebszweige sie einsteigen wollen.

zentralplus: Welche Kriterien gelten für Betriebe, die bei Bio Luzern dabei sind?

Bircher: Die meisten Biobauern produzieren nach den Richtlinien der Bio Suisse und sind mit der Knospe zertifiziert. Wer zertifizierte Produkte verkauft, muss den gesamten Betrieb nach den Richtlinien der Bio Suisse bewirtschaften.

zentralplus: Unterdessen gibt es massenhaft Produkte mit einer Zertifizierung in Bio oder Fairtrade. Kann sich Bio Luzern überhaupt noch aus diesem Label-Salat hervorheben?

Bircher: Unsere Produkte werden mit der Knospe ausgezeichnet. Als Mitgliedorganisation der Bio Suisse, welche Besitzerin der Knospe ist, sind wir im Markt bestens positioniert. Zudem wächst der Biomarkt jedes Jahr und geniesst bei den Konsumenten ein sehr hohes Vertrauen. Der Anteil der Schweizer Biobauern ist in den verschiedenen Segmenten sehr unterschiedlich – es ist daher wichtig, dass jeder Biobauer darauf achtet, wo er am Markt erfolgreich sein kann. So findet jeder seine Nische.

zentralplus: «Es wird nicht mehr lange gehen, bis der Anteil der Biobauern im Kanton Luzern 10 Prozent  übersteigen wird», prognostiziert Bio Luzern in einer aktuellen Mitteilung. Wie sieht es mit konkreten Zahlen aus?

Bircher: Im Moment gibt es im Kanton Luzern rund 350 Biobetriebe, das sind beinahe 9 Prozent der gesamten Betriebe. Vor 6 Jahren waren es knapp 5 Prozent.

zentralplus: Bioprodukte boomen. Stellen manche Betriebe aus marktwirtschaftlichen Gründen auf Bio um?

Bircher: Der Umstieg in den Biolandbau ist für die meisten ein Neuanfang. Die konventionelle Landwirtschaft lernt man von der Picke auf. Man ist gewohnt, nach Plan zu düngen, Pflanzenschutz zu betreiben, bedarfsgerecht zu füttern und so weiter. Mit dem Einstieg in den Biolandbau muss man sich intensiver mit den Bedürfnissen des Bodens befassen, robuste Pflanzensorten suchen oder langlebige Kühe züchten, welche viel Gras ab der Weide fressen können. Es braucht also viel Motivation, sich der neuen Herausforderung zu stellen.

zentralplus: Macht man gute Geschäfte mit Bio oder sind Aufwand und Ertrag weniger gewinnbringend als bei herkömmlichen Betrieben?

Bircher: Die Buchhaltungen zeigen in normalen Jahren keinen grossen Unterschied. Im Biolandbau ist der Druck, in grossen Einheiten zu produzieren, viel weniger ausgeprägt. Das ermöglicht es auch kleinstrukturierten Betrieben, neue Betriebszweige oder Nischen aufzubauen. Dies ist wichtig, um flexibel auf Marktveränderung reagieren zu können.

«Wer Bio konsumiert, achtet bewusster auf die Bedürfnisse des Körpers. Und braucht weniger Geld.»
Josef Bircher, Präsident Bio Luzern

zentralplus: Wie und wo setzen die Biobauern ihre Ware heute ab?

Bircher: Bioprodukte können heute fast überall gekauft werden: sowohl in Grossverteilern wie in kleineren Läden. Viele Bauern haben einen Hofladen oder liefern ihre Waren direkt in der Umgebung oder an Restaurants aus. Auch das neue Verteilsystem «RegioFair» bringt neue Absatzchancen für Biospezialitäten.

zentralplus: Es können sich längst nicht alle Leute diese Produkte leisten. Ist und bleibt Bio ein Luxusprodukt?

Bircher: Wer Bio konsumiert, achtet bewusster auf die Bedürfnisse des Körpers. Er isst mehr Früchte, Getreide und Milchprodukte, etwas weniger Fleisch, wirft keine Resten weg und kauft weniger vorgefertigte Produkte. Wer so lebt, braucht weniger Geld.

zentralplus: Der Bio-Korb für Schulen ist der Renner: Schulklassen werden sporadisch und gratis mit Produkten aus der Region versorgt. Gibt es vergleichbare Projekte, die bei den Leuten auch so gut ankommen?

Bircher: Der Biomarkt «O Sole Bio» in Zug lockt jeweils im September rund 30’000 Personen an. Es ist das gemeinsame Projekt der Zentralschweizer Biovereine. Es ist jedes Jahr herrlich zu sehen, wie sich die Biobauern an diesem Wochenende bei meist sonnigstem Wetter im besten Licht zeigen.

zentralplus: Wo sieht der Verein Bio Luzern Potenzial für die Zukunft und was gibt es für Visionen?

Bircher: Bio Luzern will seine Mitglieder in ihrer Arbeit unterstützen, sie mit guten Partnern vernetzen. Der Erfahrungsaustausch in den verschiedenen Betriebszweigen soll weiter gepflegt werden, damit die Qualität und der Erfolg weiter gesteigert werden können.

Der Biomarkt «O Sole Bio» in Zug ist ein gemeinsames Projekt der Zentralschweizer Biovereine.
Der Biomarkt «O Sole Bio» in Zug ist ein gemeinsames Projekt der Zentralschweizer Biovereine. (Bild: zVg)

 

 

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