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In Zug steht bald eine wichtige Weichenstellung an

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Verwirrliche Aussagen 

Die Opposition gegen den Doppelspurausbau in Walchwil kommt aber auch aus dem Ort selber. Im Dorf hat sich eine Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohnern im Verein «Neat- Zubringer Zug-Oberwil-Walchwil» zusammengeschlossen. Die Gruppierung verlangt primär, dass mittels einer unabhängigen Expertise eine unterirdische Umfahrung von Walchwil geprüft wird. Zudem wird eine Garantie dafür gefordert, dass zwischen Zug und Arth-Goldau weder kurz- noch langfristig eine durchgehende Doppelspur gebaut wird.

In diesem Zusammenhang macht Franz Stadler, der Präsident des Vereins, auf ein Positionspapier des Gotthard-Komitees aus dem Jahre 2011 aufmerksam. Darin wird der «schrittweise doppelspurige Ausbau» im Raum Zugersee-Ost gefordert. Zudem steht in diesem Dokument zu lesen, dass «längerfristig» eine durchgehende Doppelspur zwischen Zug und Goldau «dringend erforderlich» sei.

Der Kanton Zug relativiert

Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel und Hans-Kaspar Weber, Leiter des Amtes für öffentlichen Verkehr, sind als Vertreter des Kantons Zug Mitglieder des Gotthardkomitees. Hans Kaspar Weber kennt das besagte Positionspapier. Er relativiert aber dessen Bedeutung. Ein solches Papier sei einfach als eine Art Werbeprospekt für den Schienenverkehr auf der Nord-Südachse zu betrachten. Inhaltlich relevant seien aber nur der kantonale Richtplan und der Sachplan Schiene des Bundes. Und dort gebe es keine Grundlagen oder Pläne für eine Doppelspur am Ostufer des Zugersees.

Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ergänzt: «Eine offene seeseitige Doppelspur war und ist kein Thema. Sie ist in keiner Planung enthalten –  dafür hat sich das Gotthardkomitee  und auch der Kanton Zug noch nie eingesetzt.»

Gemäss Peter Zbinden, Geschäftsführer des Gotthardkomitees, wäre es ein Irrtum zu glauben, dass das Gotthardkomitee eine offene integrale Doppelspur fordere. «Eine integrale Doppelspur kann nur in einer weiteren Etappe von Fabi (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur, Anm.d.Red.) unterirdisch entstehen.» Unklar bleibt allerdings, warum das Komitee die genannten Sätze bisher noch nicht aus seinem Strategiepapier entfernt hat.

Wie wird die Linienführung am Zugersee langfristig aussehen?

Die Diskussionen rund um die Doppelspur Walchwil rufen in Erinnerung, dass die Entscheidungen über einen möglichen Neat-Zubringer noch in weiter Ferne liegen. Zurzeit gebe es weder entsprechende Planungen noch Finanzierungsvorstellungen, schreibt der Zuger Regierungsrat in seinem Bericht an das Parlament. Allerdings stellt sich die Frage, ob der jetzt geplante teure Ausbau im Hinblick auf einen möglichen Neat-Zubringer ein Präjudiz bilden könnte.

Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel verneint: «Ich denke, eine einzige Doppelspurinsel wird eine langfristige Neat-Führung nicht beeinflussen.» Das Bundesamt für Verkehr kläre mit den betroffenen Kantonen in nächster Zeit die entsprechenden Fragen ab. Im Sachplan Schiene des Bundes ist als denkbarer Neat-Zubringer eine Tunnellösung ab Baar in Richtung Süden eingetragen. Eine andere Möglichkeit wäre eine Linienführung auf der Westseite des Zugersees.

Manche Bahnkundinnen und Bahnkunden werden sich allerdings vielleicht auch etwas bange fragen, wie verlockend die Aussicht auf eine weitgehend unterirdische Bahnfahrt aus dem Grossraum Zug-Zürich bis in die untere Leventina denn wirklich wäre: Tunnelblick statt der Weg als Ziel. Gut möglich, dass es aufgrund der voraussehbar horrenden Kosten aber gar nie zu diesem Szenario kommen wird. Vor allem aber: Im Moment stehen andere, konkretere Entscheidungen an.

Am Donnerstag, 11. April 2013 tagt die Kommission öffentlicher Verkehr des Kantons Zug in Sachen Doppelspur Walchwil. Geplant ist, dass der Zuger Kantonsrat noch vor den Sommerferien über die vorgesehene Änderung des Richtplanes abstimmen wird.

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