Jasmin Andergassen alias Jasmin Larue hat den Blues. (Bild: zvg)
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Jasmin Andergassen alias Jasmin Larue hat den Blues. (Bild: zvg)

Heimkommen und den Blues haben

7min Lesezeit

Die Luzernerin Jasmin Larue hat sich getraut und ihr Debütalbum veröffentlicht. Wir haben die Sängerin getroffen und nachgefragt, warum man sie auf den Strassen ihrer Heimatstadt nur selten zu hören kriege.

Freudig gespannt steigt Jasmin Andergassen von ihrem Stadtvelo runter – «das ist mein erstes Interview», sagt sie gleich. Wenn sie nicht schon zwei Kaffees getrunken hätte, hätte sie jetzt einen bestellt, aber jetzt nimmt sie eben einen Eistee.

«Feels Like Coming Home And The Blues», so heisst das Album der noch nicht 30-jährigen Sängerin. Jeder Viel-Reisende dürfte es kennen, das Gefühl, endlich wieder zu Hause zu sein und doch den Blues zu haben. Es ist die Hauptaussage ihres Albums: «Meistens geht es um die Gegensätze und die Widerstände im Leben. Sie sind unmöglich und machen das Leben doch erst lebenswert», erklärt sie.

«Die Strasse ist meine liebste Bühne.»

Jasmin Andergassen kennt diese Art Sehnsucht zu gut, sie lebte in Wien und New York, reiste nach Kanada und Südamerika, kehrte aber nach ein paar Monaten immer wieder nach Luzern zurück. «Ich mag dieses Dorf einfach. Hier trifft man immer auf jemanden, den man kennt», so Andergassen. «Ich gehe gerne fort, weil ich genauso gerne wieder nach Hause komme. Würde ich nur hier in Luzern bleiben, hätte ich das Gefühl, die Weiten der Welt zu verpassen.»

Die Strasse als Lieblingsbühne

Die Sängerin hat für den Künstlernamen ihren Nachnamen französisiert: Aus Andergassen wurde Larue. «Larue steht für den Weg, den ich gehe, aber auch für die Strasse, welche meine liebste Bühne ist.» Und ums Singen geht es, deshalb nennen auch wir sie: Jasmin Larue. Die Sprache, die ihr allerdings wirklich am Herzen liegt, sei die englische: «Englisch ist für mich schon fast wie meine Muttersprache, in ihr drücke ich mich am liebsten aus.»

Jasmin Larue hat in Wien eine Musicalausbildung absolviert und bald danach bemerkt, dass sie in einer Musicalrolle zu wenig kreativ sein kann: «Ich möchte lieber kreieren, als nur ausführen.» Sie möchte auf der Strasse singen, zu einem breiten Publikum, dort sei man den Menschen nahe: «Es gab Kinder, die stehen geblieben sind und begonnen haben zu tanzen.» Ob man auf der Strasse gut Geld verdient? Wenn man ein wenig auffalle, sich eine clevere Location aussuche und sich nicht gleich entmutigen liesse, wenn keiner stehen bleibt, könne die Strassenmusik sogar lukrativ sein, erklärt die Sängerin.

Projekt an Projekt

Die Musik und die Menschen liegen ihr am Herzen, und so engagiert sie sich für beides: «Die Arbeit mit Laien im kunstpädagogischen Bereich sagt mir sehr zu, hier kann ich auch meine Musicalausbildung gut gebrauchen.» Ihren Master absolvierte sie an der Zürcher Hochschule der Künste. «Das hat mich nicht nur pädagogisch, sondern auch künstlerisch nochmals ein ganzes Stück weitergebracht.»

«Der Schritt, Songs aufzunehmen, erschien mir immer sehr gross.»

Es folgten zahlreiche Projekte: So war sie beispielsweise Mitorganisatorin des «openmic Luzern» und im Leitungsteam von «Verona 3000». Heute arbeitet sie im Rahmen eines Teilzeitpensums als Musik- und Bewegungspädagogin mit Kindern. «Zudem leite ich den Chor ‹Deutsch lernen mit Musik und Theater› und habe ein Bewegungstheaterprojekt gegründet.» All diese Jobs machten ihr extrem Spass, so Larue. Sie müsse also nicht vom Gesang alleine leben können.

Larue bei den Proben im Kreise ihrer «Jungs». (Bild: zvg)
Larue bei den Proben im Kreise ihrer «Jungs». (Bild: zvg)

Ein Album? Ein Album.

Die Luzernerin hat im vergangenen April endlich ihr Debütalbum veröffentlicht. Jetzt sitzt sie am Vierwaldstättersee und strahlt, wenn sie darüber nachdenkt. «Der Schritt, Songs aufzunehmen, erschien mir immer sehr gross», gibt sie zu. Im vergangenen Jahr habe sie es dann aber dank der Unterstützung guter Freunde endlich geschafft. Und die Plattentaufe im Parterre Anfang April stiess auf grosses Interesse.

Die Sängerin bedient sich mit ihrer Musik diverser Genres, wobei die Songs auf dem Album einem folkigen Stil folgen, der teilweise schon fast Richtung Country geht. Ihre Songs und deren Texte seien Versuche, erlebte Momente zu verewigen. «Oft geht mir eine Stimmung, eine Emotion, ein Mensch, ein Erlebnis, ein Ort so sehr unter die Haut, dass ich das Gefühl habe, ich würde wahnsinnig, wenn ich nicht irgendwie ein Stück davon für immer in mir tragen kann.»

«Als ‹gutes Pflaster› würde ich Luzern sicher nicht bezeichnen.»

«Da mir vorschwebte, meine Songs ein wenig zu dekorieren, wollte ich das Album zusammen mit anderen Musikern aufnehmen», so Larue. Die Band war oder ist allerdings eine Projektband.

 

Trotz Band sollte die Produktion des Albums simpel und damit möglichst günstig verlaufen: «Ich wollte von Anfang an keine besonders aufwendige und durchdachte Produktion, sondern eine authentische, schlichte Dokumentation meiner Musik. Ausserdem hatte ich das Glück, Musiker gefunden zu haben, die die Songs zu einem Freundschaftspreis mit mir arrangiert und aufgenommen haben.» Und trotzdem hätten sich das Tonstudio, die Proberäume, die Personen, die das Album aufgenommen, gemischt und gemastert haben, das Artwork und die Pressung der CDs zu einem beachtlichen Betrag summiert. «Diesen konnte ich dank einer Crowdfunding-Kampagne, einem Unterstützungsbeitrag des FUKA-Fonds der Stadt Luzern und den Einnahmen der Plattentaufe im Parterre decken», so Larue.

Luzern mags eben lieber ruhig

Auf Luzerns Strassen kommt man aber eher selten in den Genuss ihres Gesangs. Sie rückt ihren Pony in die richtige Position und nimmt noch einen Schluck Eistee. «Unverstärkte Strassenmusik in gewissen Zeitfenstern und an gewissen Orten, nicht während dem Monat Dezember oder während Veranstaltungen, sind erlaubt.» Ihre Aussage macht schnell klar, warum man da lieber auf Strassen im Ausland musiziert.

«Als ‹gutes Pflaster› für Musiker würde ich Luzern sicher nicht bezeichnen, dafür ist es schlicht und einfach zu klein.» Wenn man aber nicht abgeneigt sei, Auftritte im kleinen Rahmen zu machen, spartenübergreifende Projekte mit anderen Künstlern zu realisieren und das Fernweh inne habe, seine Musik in die Strassen der Welt hinauszutragen, sei Luzern aber sicher eine gute «Homebase».

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