Das drüsige Springkraut bedroht heimische Pflanzen und ist ebenfalls auf der «Schwarzen Liste» des Bundes zu finden. (Bild: lawa Kanton Luzern)
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Das drüsige Springkraut bedroht heimische Pflanzen und ist ebenfalls auf der «Schwarzen Liste» des Bundes zu finden. (Bild: lawa Kanton Luzern)

11min Lesezeit

In den Regionen Luzern und Zug wachsen tausende Pflanzenarten, die nicht heimisch sind. Viele sind harmlos, aber einige ziemlich gefährlich. Sie haben es auf eine «Schwarze Liste» des Bundes geschafft und gelten als Bedrohung für Mensch, Tier und Umwelt. Welche Gewächse bei uns Probleme machen, zeigt unsere «Top 5»-Liste.

Nicht alle fremden Pflanzen sind gefährlich. Die meisten von ihnen gehören wie selbstverständlich zu unserem Naturbild und sind völlig harmlos. Von den rund 12'000 fremden Arten, den «invasiven Neophyten», die jahrhundertelang über Handelswege in die Schweiz eingeschleppt wurden, fühlen sich viele in unserer Pflanzenwelt wohl und haben sich problemlos eingefügt. Ihre Blüten sind nicht selten hübsch anzuschauen oder riechen besonders angenehm. Es wird gern gesehen, wenn sie sich am Waldrand ausbreiten, prächtig an den Ufern gedeihen oder den Garten verschönern. Aber es gibt ein paar wenige unter den Fremden, die rein gar nicht erwünscht sind. Jeweils eine unter 1000 ist zu einem Problemfall geworden. Besonders heikel sind diejenigen, die es auf die «Schwarze Liste» des Bundes geschafft haben. Der Handel mit ihnen ist verboten und sie müssen gemeldet werden, weil sie als Bedrohung für Mensch, Tier und Umwelt gelten. zentral+ hat nachfolgend fünf bösartige Pflanzen ausgewählt, die auch in unserer Region wuchern. Die Kriterien für die Rangliste sind: Gefahr für den Menschen, die Widerstandsfähigkeit der Pflanze und der Fortschritt ihrer Verbreitung.

Platz 1: Das Aufrechte Traubenkraut

Ambrosia artemisiifolia
Ambrosia artemisiifolia (Bild: lawa Kanton Luzern)
Dieses Kraut hat den ersten Platz unter den gefährlichen Pflanzen redlich verdient. Es sollte hierzulande jedem Arzt, seit es um 1850 aus Amerika eingeschleppt wurde, ein Begriff sein. Der Blütenstaub des Aufrechten Traubenkrautes gibt selbst kerngesunden Menschen das Gefühl, sie würden an Heuschnupfen oder Asthma leiden.

Die grünen Blüten haben in diesen Tagen begonnen, ihre Pollen in reichlicher Menge mit dem Wind zu verteilen. Diese Pollen sind hochgradig allergen. Übliche Reizungen von heimischen Gräsern oder Bäumen sind im Vergleich dazu harmlos. Werden die Blüten der «Ambrosia artemisiifolia» berührt, kann das heftige Hautreaktionen hervorrufen. Nicht selten sind Ekzeme oder gar leichte Verbrennungen. Als «besonders gefährliches Unkraut» wird es vom Bundesamt für Umwelt bezeichnet – das sonst eher zurückhaltend formuliert.

Es ist davon auszugehen, dass es hohe Gesundheitskosten verursacht. In der Schweiz sind zwar noch keine Zahlen bekannt, aber in Deutschland schätzt man die ärtztlichen Behandlungskosten auf jährlich 24,5 Mio. Euro.

Kommt hinzu, dass das Traubenkraut fast nicht vollständig ausgerottet werden kann. Die kantonalen Stellen sind bemüht, es vollständig zu eliminieren. Dabei ist nur schon das Auffinden nicht so einfach. Förster, Landwirte oder Privatpersonen melden die Vorkommnisse den zuständigen Behörden. «Vielfach bleiben die Kräuter aber unentdeckt», sagt Sibylle Jenny, Naturwissenschaftlerin beim Kanton Zug. Nur einen Hinweis, wie verbreitet das Traubenkraut hier sein könnte, gibt die Schweizer Datenbank Infoflora. Nach diesen Daten wurden in den Stadtgebieten Luzern und Zug ingesamt 30 Meldungen registriert (Luzern: 23 seit 2003, Zug sieben seit 1989).

Platz 2: Der Riesen-Bärenklau

Heracleum mantegazzianum
Heracleum mantegazzianum (Bild: Info Flora, Sibyl Rometsch)
Wird dieser Strauch gesichtet, heisst es am besten: Finger weg! Denn der Hautkontakt mit dem «Heracleum mantegazzianum» endet für den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig. Wenn man ihn berührt, gibt der Riesen-Bärenklau durch seine haarigen Borsten einen Saft ab, der in Kombination mit Sonnenlicht zu schmerhaften Verbrennungen, Blasen und Pusteln führen kann. Die Hautverletzungen sind nur schwer heilbahr und nicht selten bleiben sichtbare Narben zurück (zum Bild).

Jeglicher Umgang mit dieser Pflanze ist gesetzlich verboten – ausser er dient zu dessen Bekämpfung. Der Riesen-Bärenklau stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und ist in Europa inzwischen weit verbreitet. Dass er sich weiterhin vermehren kann, muss laut amtlichen Stellen unbedingt verhindert werden.

Das dürfte aber ein eher schwieriges Unterfangen werden: Eine einzige Pflanze bildet mehrere 10'000 Samen, die im Boden etwa 7 Jahre keimfähig bleiben. Die Ausbreitung der Samen erfolgt auf unterschiedlichen Wegen, durch Wind, über Gewässer oder über Tiere. Laut Datenbank Infoflora wurden in den Stadträumen Luzern und Zug seit Beginn der Zählung insgesamt 45 Meldungen registriert.

Kommt hinzu, dass die bis zu 3 Meter hohe Staude nicht nur für den Menschen bedrohlich ist. Die einheimische Vegetation wird verdrängt. Dichte Bestände überschatten mit grossen Blättern ziemlich rasch den Unterwuchs. Die bis zu 60 cm lange Wurzel ermöglicht der Pflanze ein schnelles Wachstum und bewirkt, dass ein völliger Kahlschlag nur wenig gegen sie ausrichten kann.

Platz 3: Der japanische Staudenknöterich

Reynoutria japonica
Reynoutria japonica (Bild: Heinrich Hebeisen, BBZN Hohenrain)
Der japanische Knöterich ist sehr stark und hartnäckig. Mit dem Lebensraum des Menschen verträgt er sich besonders schlecht, weil er ein ernstes Sicherheitsrisiko für alle Betonbauten darstellt. Er kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 cm pro Tag wachsen und mit seiner Kraft Asphaltdecken durchbrechen. Ganze Eisenbahnanlagen oder Staudämme bröckeln und werden dadurch instabil.

Das mehrmalige Schneiden jedes Jahr verursacht enorme Kosten für das Gemeinwesen. Zudem verdrängt auch der «Reynoutria japonica» durch sein starkes Wachstum einheimische Pflanzen. Er breitet sich vor allem entlang von Flüssen, Bächen und Verkehrswegen aus.

Diese Pflanze wurde nicht früh genug zurückgedängt. «In unserer Region muss die Verschleppung dringend verhindert werden», warnt die Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Es dürfen keine Stängel- oder Wurzelstücke ins Wasser gelangen, weil sie sich dann schneller verbreitet. Es darf auch keine Erde transportiert und wieder abgesetzt werden. Aber auch so lasse sich ein weiteres Ausbreiten fast nicht mehr verhindern.

Um dem Staudenknöterich Herr zu werden, müssen seine Wurzeln bis zum kleinsten Resten ausgegraben werden. «Wiederholtes Schneiden schwächt diese Pflanze zwar, aber lässt sie so nicht zum Verschwinden bringen», sagt Peter Kull von der Dienststelle für Landwirtschaft und Wald. Von Luzern bis Zug hat die Bundesstelle Infoflora insgesamt 150 Meldungen registriert. Viele Experten gehen aber davon aus, dass es weit mehr sind und der Bestand in den nächsten Jahren stark zunehmen wird.

Platz 4: Die Nordamerikanische Goldrute

Solidago canadensis
Solidago canadensis (Bild: lawa Kanton Luzern)
Auch diese Pflanze wurde nicht früh genug bekämpft. In unseren Regionen wird die Nordamerikanische Goldrute vor allem in Schutzgebieten zum grossen Problem für die heimische Natur. Seit 1950 hat sich diese ursprüngliche Zierpflanze explosionsartig ausgebreitet. Und ist die «Solidago canadensis» einmal da, bleibt sie auch. 

Sie ist kann ohne menschliches Einschreiten für lange Zeit die alles dominierende Pflanze am Ufer sein. Sie verdrängt andere Vegetation im Nu und beansprucht weite Flächen und Brachland für sich. Man findet die Goldruten häufig an der Zuger Lorze, genauso wie am Ufer des Luzerner Rotsees.

Da Goldruten immer noch in Gärten anzutreffen sind – obwohl die Freisetzung untersagt und der Handel gesetzlich verboten ist – muss hier gehandelt werden. «Wir empfehlen den Gärntern jeweils, die Pflanzen zu entfernen oder wenigstens die Blüten nach dem Verblühen abzuschneiden», sagt Peter Kull. Die Goldruten vermehren sich entweder durch Flugsamen oder unterirdisch an Ort und Stelle.

Platz 5: Der Götterbaum

Ailanthus altissima
Ailanthus altissima (Bild: baumkunde.de)
Mit dem Erschaffen dieses Baumes waren die Götter dem Menschen nicht sehr wohlgesinnt. Zwar riechen die gelblichen Blüten des Götterbaumes sehr angenehm und intensiv. Aber als Problempflanze vereint er die gesamten, bis jetzt genannten Übel: Erstens verursacht er Hautallergien, zweitens kann er sich in der heimischen Natur dominant ausbreiten und er ist drittens verantwortlich für Schäden an Mauerwerk und Gebäuden.

Eigentlich müsste dieser «Superbösewicht» aufgrund seines Schadenpotenzials in der Rangliste ganz weit vorne platziert sein. Aber seine Verbreitung kann im Vergleich zu den anderen gut kontrolliert werden.

Noch bevor er auf die Schwarze Liste des Bundes kam, wurde der Götterbaum von vielen Gärtnereien kultiviert. Heute ist er vor allem im Tessin verbreitet. Er mag eher warme und sonnige Gefilde. Offiziell gemeldet wurde er in Zug 8 mal und in Luzern 13 mal.

Zu einer Gefahr wird er hierzulande vor allem dann, wenn er sich ungehindert in Naturschutzgebieten ausbreiten kann. Sind die Triebe noch jung, kann man sie gut ausreissen. Der Laubbaum wächst aber sehr schnell. Und hat er sich einmal fest etabliert, muss er entweder gefällt oder seine Blüten mit Gift behandelt werden.

Was tun gegen schädliche Pflanzen?

Wird eine invasive Pflanze entdeckt, sollte sie den zuständigen Dienstsstellen gemeldet werden. Denn die beste Möglichkeit gegen sie vorzugehen, sei die Prävention. Das Ziel der amtlichen Überwacher ist es, zukünftige Schäden zu vermeiden, indem rechtzeitig eingegriffen wird. Aufschluss über verbotene und unerwünschten Pflanzen geben die Merkblätter der kantonalen Behörden. Diese stützen sich auf  gesetzliche Grundlagen sowie auf die Schwarze Liste des Bundes. Peter Kull von der Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald empfielt: «Wir müssen gegen jede invasive Pflanzenart anders vorgehen. Das Wichtigste ist, sie im Auge zu behalten und vor allem frühzeitig zu bekämpfen. Eine weite Verbreitung wie bei der Goldrute ist unbedingt zu verhindern.»

(zusätzliche Quelle für diesen Artikel: Ewald Weber, Invasive Pflanzen der Schweiz, Haupt Verlag, 2013)

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