Der Schweizer: Josef Hediger mit Klarinette und ein Mitmusiker mit Schwyzerörgeli in Kalifornien, 1935 (Bild: Museum Burg Zug)
Blog

Der Schweizer: Josef Hediger mit Klarinette und ein Mitmusiker mit Schwyzerörgeli in Kalifornien, 1935 (Bild: Museum Burg Zug)

3min Lesezeit

«Ich gehe nach Amerika», verkündet ein 21-jähriger am Familientisch und zieht 1929 nach Kalifornien. «Ich bin Zugerin, weil ich mich hier zu Hause fühle», meint eine andere, die vor 25 Jahren nach Zug gekommen ist. Ein Mann geht, eine Frau kommt. Die beiden gehören zu Dutzenden von Personen, die ihre Migrationsgeschichte in einer neuen Ausstellung erzählen.

Christoph Tschanz

Wer heute von Migration spricht, meint vermutlich die Flüchtlingsströme nach Europa oder die Arbeitsmigration in die Schweiz. Dabei geht oft vergessen, dass Migration schon immer stattgefunden hat und eine Frage des Blickwinkels ist: Jeder Aus- ist anderswo ein Einwanderer. Das Museum Burg Zug wollte wissen, wer denn in den letzten 200 Jahren Zug verlassen oder hierher eingewandert ist und suchte Geschichten über Liebe, Armut und Hoffnung von Dutzenden von Zu- und Wegziehenden.

Vom Zugerberg nach Kalifornien

Etwa von Josef Hediger. In armen Verhältnissen auf einem kleinen Hof auf dem Zugerberg aufgewachsen, arbeitet er als Knecht auf verschiedenen Höfen. Ohne gelernten Beruf und ohne Perspektive entscheidet er sich wie viele Zentralschweizer vor und nach ihm zur Auswanderung nach Amerika. Er arbeitet zusammen mit Schweizern und portugiesischen Auswanderern als Melker in der Gegend von San Francisco in Kalifornien.

Zwar bleibt er ein Leben lang in den USA, jedoch mit seiner alten Heimat verwurzelt: Hediger gehört zu den Gründern des «Älpler Vereins Newark» und spielt eifrig Klarinette und Schwyzerörgeli. Doch er wird US-Bürger und muss im Zweiten Weltkrieg als Soldat kämpfen.

Frisch verheiratet und mit dem Veteranen-Zustupf kann er nach dem Krieg eine eigene Farm kaufen und wird endlich sein eigener Herr und Meister.

...und aus Bosnien nach Zug

Eine ganz andere Geschichte erzählt Dževha Šabanović. Sie wollte zusammen mit ihrem Mann ein Haus in ihrer Heimat Bosnien kaufen, als 1992 der Krieg ausbrach. In letzter Minute konnte Sie mit ihrem kleinen Sohn das Land verlassen und zu ihrem Mann nach Zug ausreisen, der hier als Saisonnier arbeitete. Heute fühlt sich Šabanović hier zu Hause und arbeitet in einem Kindertreff.

Um möglichst persönliche Geschichten zu erhalten, hat das Museum Burg Zug Workshops mit verschiedenen Einwanderergruppen durchgeführt und Zuger auf die Estriche auf die Suche nach Hinterlassenschaften von weggezogenen Vorfahren geschickt. Und weil so viele persönliche Erzählungen den Besuchern schon fast zu nahe kommen können, hat das Museum ein paar Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen, mit ihren Werken ein wenig Distanz und neue Sichtweisen in dieses Kommen und Gehen zu bringen.

Die Ausstellung «Anders. Wo. Zuger Aus- und Einwanderungsgeschichten» ist vom 24. November 2017 bis zum 8. Juli 2018 im Museum Burg Zug zu sehen.

Aus dem zentralplus Blog «Damals»-Blog

ZUR BLOGÜBERSICHT
x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

MEHR AUs diesem Blog