Keine Wand ist für sie zu steil: Hannah Hermann beim Training in der Kletterhalle in Root.
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Keine Wand ist für sie zu steil: Hannah Hermann beim Training in der Kletterhalle in Root. (Bild: rob)

14-jährige Hannah Hermann gehört zu den Besten Das Luzerner Klettermädchen will hoch hinaus

6 min Lesezeit 13.12.2015, 12:00 Uhr

Sie steigt die Wände hoch, als wärs das Einfachste der Welt: Die Luzernerin Hannah Hermann ist mit 14 Jahren bereits eine der besten Klettersportlerinnen der U16. Dass sie immer mehr Muskeln bekommt, gefällt dem zierlichen Mädchen zwar nur bedingt – trotzdem trainiert sie hart wie ein Profi. Denn ihre Träume sind waghalsig.

 «Ich habe ziemlich viel Talent.» Hannah Hermann sitzt da, in der Cafeteria der Kletterhalle in Root, und scheint ziemlich genau zu wissen, was Sache ist. Sie gibt offen und differenziert Auskunft – als hätte sie bereits unzählige solcher Interviews geführt. Dabei ist sie ja eigentlich noch fast ein Kind. Aber eines, das etwas anders tickt als andere in ihrem Alter.

Klettern, klettern, klettern: Etwa so könnte man die Welt von Hannah umschreiben. Fünfmal pro Woche trainiert sie, viel Zeit für anderes habe sie nebst der Schule nicht, sagt sie. Ihr Leben spielt sich mehrheitlich in der Kletterhalle ab.

Selbstverständlich gibt sie für zentral+ eine kleine Kostprobe ihres Könnens. Die zierliche junge Dame mustert kurz die überhängende Wand und legt los. Geschmeidig wie eine Katze hangelt sie sich mit Armen und Beinen hoch. Mal kreuzt sie die Beine, mal macht sie fast einen Spagat, kurz darauf hängt sie mit bloss drei Fingern an der Wand. Alles sieht locker und leicht aus, Hannah bewegt sich in fast tänzerischer Manier in der Vertikalen.

Hannah Hermann trainiert fünfmal pro Woche.

Hannah Hermann trainiert fünfmal pro Woche.

(Bild: rob)

In Richtung Weltspitze?

Auch der Laie sieht sofort, dass hier keine Anfängerin unterwegs ist. Hannah ist Mitglied des Nationalkaders der U16 und zurzeit in den Disziplinen Lead-Klettern und Bouldern führend in der Schweiz. Auch im Speed-Klettern gehört sie zur nationalen Spitze. Dieses Jahr durfte sie auch erstmals an den Weltmeisterschaften im italienischen Arco teilnehmen. Dort wurde sie im Lead-Klettern immerhin 40. von 77 Teilnehmerinnen. «Wenn ich ein paar Griffe mehr gehabt hätte, wäre ich ins Halbfinale gekommen», sagt Hannah. Immer noch ärgert es sie, dass sie nur ganz knapp einen Spitzenplatz verpasst hat. Und es zeigt, dass die Luzernerin keine ist, welche sich mit dem Mittelmass zufrieden gibt.

«Ich klettere nicht mit dem Kopf, sondern mit Gefühl.»

Hannah Hermann

Intuition und Körpergefühl

Das muss sie auch nicht – ihre anfängliche Aussage, dass sie über Begabung verfügt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Aber was kann sie denn, was andere nicht können? Hannah überlegt einen Moment. «Ich klettere nicht mit dem Kopf, sondern mit Gefühl.» Intuition und ein gutes Körpergefühl helfen ihr, sich in der Wand gut zu bewegen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Klettern: Boomende Sportart

In Luzern und Zug erfreut sich der Klettersport grosser Beliebtheit. Es gibt Kletterhallen in Root (Pilatus Indoor D4), Kriens (City Boulder) , Luzern (Kletterhalle Eiselin Sport) und Arth (Boulder-Gade). Im Regionalzentrum Sportklettern Zentralschweiz (RSZ) sind die besten Kletterathleten der Region organisiert. Talentierte Jugendliche werden erfasst und in einem organisierten Trainingsbetrieb betreut.

Die wichtigsten Disziplinen im Klettersport:

Bouldern: Klettern ohne Seil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe. Seit den 1970er Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat vor allem seit den 1990er Jahren eine rasante Entwicklung erlebt.

Speedklettern: Beim Speedklettern geht es darum, in möglichst kurzer Zeit eine Route zu klettern. Speedklettern wird sowohl am Fels wie auch in Kletterhallen (meist in Form von Wettkämpfen) durchgeführt.

Leadklettern: Wettkampfmässiges Sportklettern, bei dem die Athleten anspruchsvolle Routen von etwa 15 bis 20 Meter Höhe unter Beachtung eines Zeitlimits klettern. Dabei wird die maximal erreichte Höhe bewertet.

Aber Talent allein genüge nicht, betont sie, dieses sei irgendwann ausgeschöpft. Was es dann brauche, sei harte Arbeit. Erstaunlich, so etwas aus dem Mund einer 14-Jährigen zu hören. «Talent entwickelt sich durch das Training. Man wird stärker.» Damit meint sie nicht nur die Muskeln. «Auch technisch und mental muss man hart arbeiten.» Der Kopf spiele beim Klettern eine zentrale Rolle. «Du musst die Überzeugung haben, dass du die Route schaffst, sonst hast du keine Chance», sagt sie und fügt an, dass man genau das auch trainieren müsse. Ohne den Glauben an sich selber sei man beim Klettern verloren.

Straff gegliederter Alltag

Angefangen hat ihre Kletterleidenschaft mit etwa 10 Jahren, als ihre Eltern, die selber auch gerne klettern, sie in eine Sporthalle mitnahmen. Das Klettern hat sie von Beginn weg begeistert – etwas Mühe hatte Hannah anfänglich mit dem Mitmachen in einer Gruppe. «Ich bin nicht so der Pfadi-Typ, eher eine, die gerne für sich Musik macht», erzählt sie. Sobald sie aber im Regionalkader ein paar Freundinnen gefunden hatte, fühlte sie sich so richtig wohl im Team.

Bereits nach zwei Jahren wurde das nationale Kader auf sie aufmerksam. Vor gut einem Jahr erfolgte dann die Aufnahme in die nationale Auswahl. «Das hat mich mega gefreut», erzählt sie. Und sie beschloss, Vollgas zu geben. «Ich sagte mir: Hannah, jetzt trainierst du richtig. Ich habe mich zusammengerissen und intensiv und konsequent trainiert.» Fast jeden Abend übt die Sekschülerin zwei bis drei Stunden in der Kletterhalle.

Zurzeit besucht sie die dritte Oberstufe im Schulhaus Utenberg. Leiden ihre Leistungen nicht unter dem vielen Training? Sie schüttelt den Kopf. «Im Gegenteil. Ich bin dadurch sogar schulisch besser geworden», meint sie. Wegen des straffen Zeitplans sei sie effizienter geworden, auch beim Erledigen der Hausaufgaben.

Aber viel Raum für anderes hat Hannah nicht. Schule, schlafen, essen, klettern – das sei ihr Alltag. Für Shopping, Hobbys und Kolleginnen bleibt keine Zeit mehr. Das stört sie aber nicht, denn: «Ich habe meine Freundinnen hier im Klettersport. Wir haben viel Spass miteinander und pushen uns gegenseitig.»

Muskeln: Ja, aber …

Hannah Hermann beim so genannten Bouldern: Ohne Sicherung, dafür nur wenige Meter über dem Boden.

Hannah Hermann beim so genannten Bouldern: Ohne Sicherung, dafür nur wenige Meter über dem Boden.

(Bild: rob)

Und was sagen ihre Schulgspänli zu Ihrem Sport? «Manche finden es cool, dass ein Mädchen so was tut. Aber was halt nicht so schön ist, sind die vielen Muskeln, die man bekommt. Aber immerhin sind sie natürlich antrainiert und nicht künstlich durch Krafttraining aufgebaut.»

Wie weit es Hannah mit ihrer Kletterei noch bringt, weiss sie nicht. Aber insgeheim träumt sie schon davon, der Weltspitze näherzurücken. «Wenn ich es auf europäischer Ebene in die Top fünf schaffe, bin ich auch im Weltcup weit vorne.» Ihr Ziel ist es, in den nächsten Jahren in Europa zumindest unter die Top zehn zu kommen. Unrealistisch scheint dies nicht: Immerhin hat sie es in ihrer Alterskategorie bereits schon mal in die Top zwanzig geschafft.

Zunächst heisst es aber für Hannah: Viel und oft trainieren. Sie lächelt bei diesen Worten. Man merkt ihr an, dass sie ihre Sportart liebt. Träumt sie gar von einer Profi-Karriere? Das sei im Klettersport keine einfache Sache, meint sie. «Nur sehr wenige können damit Geld verdienen.» Aber sie hat immerhin vor, bei der «Talents School» der Frei’s Schulen in Luzern eine kaufmännische Ausbildung zu machen, bei der sie viel Zeit fürs Klettern zur Verfügung hat. Sie hat sich bereits für eine Aufnahme beworben.

Was sie macht, wenn es damit nichts wird, weiss Hannah nicht. «Ich habe keine andere Option», sagt sie. Das, was sie im Klettertraining gelernt hat, scheint sie auch sonst im Leben verinnerlicht zu haben: Nur mit viel Überzeugung schafft man es.

 

Junge Luzerner drehten Kletterfilm im hohen Norden

Vier Luzerner und ein Schwyzer haben im hohen Norden den Kletterfilm «Rockvision – North» gedreht, der kürzlich in Luzern uraufgeführt wurde. Für sechs Wochen war das Team unterwegs, um die schwierigsten Kletterrouten Skandinaviens zu meistern. Sie seien an die Grenzen ihrer möglichen Fähigkeiten gegangen und hätten ihre mentale Stärke unter Beweis stellen müssen, schreiben die Protagonisten auf ihrer Website.

Der Film führt den Betrachter auf eine Reise mit dem Camper durch Schweden und Norwegen. Die wilde nordische Landschaft mit ihren Meerengen, Wäldern und Gipfeln bietet sich für ein solches Filmprojekt ideal an. Skandinavien besitzt klettertechnisch endlose Möglichkeiten an Kletterrouten. Die meisten Gebiete liegen abgelegen von grosser Zivilisation und zeigen die Natur in reinster Form.

Mit dabei ist unter anderen der 18-jährige Marco Müller aus Küssnacht. Er gehört bereits zur Spitze der Schweizer Wettkampfszene und ist sechsfacher Schweizer Meister. Alle fünf Protagonisten klettern im Regionalkader Zentralschweiz.

Der Film wurde mithilfe von Crowdfunding finanziert. Die DVD ist im Luzerner Klettergeschäft Rockstore an der Hirschmattstrasse 34 erhältlich (www.rockstore.ch; www.rockvision.ch).

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