Darum stehen die Ampeln beim Zuger Unterfeld auf Rot
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Passanten müssen heute an der Stadtgrenze in Richtung Baar ein Gleis queren. (Bild: wia)

Korporation braucht viel Geduld Darum stehen die Ampeln beim Zuger Unterfeld auf Rot

4 min Lesezeit 10.10.2020, 15:01 Uhr

Während in Baar gejubelt wird, geht es in der Stadt Zug betreffend Überbauung Unterfeld nicht vorwärts. Der Korporation, der das besagte Land gehört, sind die Hände gebunden. Es ist unklar, ob je ein Quartier im Gebiet Unterfeld-Schlaufe entstehen wird. Schlimmstenfalls werden dort künftig wieder Kühe weiden.

Die Baarer Stimmberechtigten haben vor kurzem ein klares Zeichen gesetzt. 64 Prozent von ihnen sagten Ja zum geplanten Quartier am Stadtrand Richtung Zug. Dies, nachdem die Bevölkerung die Gemeinde vor dreieinhalb Jahren in ihre Schranken gewiesen hatte. Ein gemeindeübergreifendes Projekt für ein Megaprojekt Unterfeld am Stadtrand wurde knapp bachab geschickt.

Kurz darauf erklärte die Stadt Zug, eigene Wege gehen zu wollen bezüglich der Unterfeld-Überbauung. Während sich die Behörden auf Baarer Seite nach dem Nein reingekniet haben, wurde es in Zug bezüglich Unterfeld sehr still.

Das Land, auf dem in Zug gebaut werden soll, gehört der Korporation. Was diese im Moment macht: Geduld üben. «Wir können in Sachen Unterfeld nicht agieren, da die Korporation auf einen Beschluss des Bundesamts für Verkehr wartet», erklärt der Präsident Urban Keiser.

Däumchendrehen ist angesagt

Derzeit läuft nämlich ein Plangenehmigungsverfahren für das Gleisfeld in Zug, auf dem die SBB die Flirt-Kompositionen der Stadtbahn Zug abstellt. Das äusserste dieser Gleise biegt von Zug aus nach Westen ab, wodurch besagte Schlaufe entsteht. «Dieses abzweigende Gleis verhindert die direkte Erschliessung. Damit der Quartierbau realistisch ist, müsste dieses Gleis parallel zu den bestehenden Gleisen geführt werden», erklärt Keiser.

Das Gleis dient heute dazu, Flirt-Kompositionen abzustellen.

Zur Veranschaulichung: Das besagte Gleis passieren insbesondere Fussgänger und Velofahrer, die den Gleisen entlang nach Zug fahren respektive spazieren. Zwar gibt es beim Übergang eine Schranke, diese wird jedoch praktisch nie genutzt. Passanten erleben es kaum je, dass sie aufgrund eines abzustellenden Zuges vor heruntergelassenen Schranken warten müssen.

Eine Sitzung, die 65’000 Franken kostet

Warten muss viel eher die Korporation. «Seit zwei Jahren läuft das Verfahren, bei dem die SBB den Lead haben», erklärt der Präsident. Wie lange es noch dauern werde, sei unklar. Gemäss Angaben der SBB finde derzeit die Ausarbeitung des Auflageprojektes statt.

«Ich verstehe natürlich, dass die SBB beispielsweise mit dem Zugersee-Ost-Ausbau viel zu tun haben und es noch andere wichtige Themen gibt», sagt Keiser. Trotzdem: «Wir sprechen hier von 300 Metern Gleis. Wissen Sie, was uns die Planung dieser Gleisführung kostet? 300’000 Franken. Das kann doch nicht sein», kritisiert Keiser. «Alleine für die Vorbereitung der Startsitzung, bei der 18 Personen involviert waren, wurden uns 65’000 Franken verrechnet.»

Diese Aussage dementiert man bei den SBB. «Der Betrag bezieht sich nicht nur auf die Vorbereitung der Startsitzung, sondern es wurden auch Projektierungskosten von der Bauprojektausarbeitung verrechnet. Bei einem solchen Projekt sind immer verschiedene Stellen involviert», heisst es bei der Medienstelle.

«Nach der Abstimmung Anfang 2017 war klar, dass wir bei der Planung wieder von null anfangen müssen.»

Urban Keiser, Zuger Korporationspräsident

Ob sich dieser finanzielle und zeitliche Aufwand letztlich lohnen und die Änderung der Gleisführung bewilligt wird, ist unklar. «Wenn unser Anliegen nicht genehmigt wird, werden wir das Land wohl wieder auszonen lassen.» Heisst: Aus Bau- wird dann Landwirtschaftszone.

Das besagte Abstellgleis dreht von der Hauptachse in Richtung Westen ab.

Ein positiver Aspekt für die Korporation: Sie steht zeitlich nicht unter Druck. «Nach der Abstimmung Anfang 2017 war klar, dass wir bei der Planung wieder von null anfangen müssen», sagt Urban Keiser. Dass nun in Baar gebaut werden kann und womöglich in gut fünf Jahren bereits eine Siedlung steht, ärgert ihn deshalb nicht. «Zudem wird das Grundstück nach wie vor landwirtschaftlich genutzt.»

Die Stadt freut sich mit Baar

Und wie sieht man das bei der Stadt, die ja ebenfalls ein Interesse an einer neuen Überbauung haben dürfte? «Nachdem 2017 der gemeindeübergreifende Bebauungsplan in der Volksabstimmung abgelehnt wurde, war die Chance auf ein gemeinsames Projekt vertan. Damit wurde klar, dass die Planung in jeder Gemeinde einzeln erfolgen würde», sagt die Zuger Bauchefin Eliane Birchmeier pragmatisch. «Ich freue mich für Baar, dass die Abstimmung positiv ausfiel und in der Gemeinde Baar die Planung fortgesetzt werden kann.»

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