Café Bauhütte: In Zug wird ein Bijou wiederbelebt
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Thomas Schmid vor der Bauhütte in der Stadt Zug. Diese soll bald als Café öffentlich zugänglich gemacht werden. (Bild: wia)

Wo ein Kaffee nur 2.50 Franken kostet Café Bauhütte: In Zug wird ein Bijou wiederbelebt

6 min Lesezeit 1 Kommentar 24.09.2021, 11:59 Uhr

Die Zuger Bauhütte ist wenigen Menschen ein Begriff – obwohl sie mitten in der Zuger Altstadt steht. In der ehemaligen Steinmetz-Bude wird bald Kaffee serviert. Eigentlich sollte das Lokal bereits offen sein, aufgrund trauriger Umstände müssen sich die Gäste aber noch etwas gedulden.

Die Geschichte der Zuger Bauhütte ist eine niedliche. Zwischen den Weltkriegen wurden in der kleinen Holzhütte bei der St.-Oswald-Kirche Sandsteine zugeschnitten, die für die Kirchenrenovation gebraucht wurden. Von der damaligen Rohheit ist heute nichts mehr zu spüren.

Die Bauhütte – in sanftem Lindgrün – steht da, umgeben von einem hübschen Garten, Zinnenmauern und dem Gebäude der katholischen Kirchgemeinde. Dabei mahnt sie mit ihrem skandinavischen Touch an die Kulisse von Inga-Lindström-Filmen.

Dabei war ursprünglich mitnichten geplant, dass «d’Bauhütte», wie sie heute heisst, fast hundert Jahre überdauern würde. Nachdem sie als Atelier, als Steinmetz-Atelier und sogar als Kinderhort genutzt wurde, wird ihr jetzt zum wiederholten Mal neues Leben eingehaucht. Im frisch renovierten Häuschen soll man bald Cappuccino trinken können. Überdies trifft man auf offene Ohren: Das Lokal ist ein Ort, an dem auch seelsorgerische Gespräche möglich sein sollen.

25 Freiwillige übernehmen wöchentlich 16 Schichten

«Wir wollten hier ein Café für Begegnung und Beratung schaffen, ohne Konsumationszwang», erzählt Thomas Schmid, Mitglied des Kirchenrats und zuständig für das Ressort Diakonie, in der «Bauhütte», die uns an diesem Tag Schutz vor dem garstigen Frühherbstwetter bietet. Neben bisher 25 Freiwilligen im Cafébetrieb werden auch Seelsorger im Einsatz stehen. «Orientiert haben wir uns an der Zwitscherbar in Luzern, die ein ähnliches Konzept hat, nur in grösserer Dimension», sagt Schmid, während er die Türe zum Häuschen aufschliesst.

Helle Holzwände empfangen uns, der hohe Raum macht das hübsche Walmdach auch von innen sichtbar. «Beim Umbau liessen wir bewusst einen Teil der Decke herausreissen», sagt Schmid. An den Seitenwänden prangen bemalte Kirchenfenster. Sowohl die heilige Elisabeth von Thüringen als auch der Erzengel Michael fanden hier ein neues Zuhause, nachdem sie bei der Kirchenrenovation ausrangiert wurden.

Noch erinnert das Mobiliar – der grosse Bildschirm am Ende des Raums, die Bürotische in U-Form – an ein Sitzungszimmer. «Bis zur Eröffnung werden Letztere durch Cafétische ersetzt und neu angeordnet», versichert der Diakonie-Verantwortliche. «Dennoch werden abends, nach der Schliessung des Lokals, sicherlich hie und da Sitzungen durchgeführt.»

Zwei Kaffeemaschinen stehen auf der neu gebauten Theke, darunter eine «Dalla Corte»-Occasion-Siebträgermaschine. Das Fundament für guten Kaffee wurde gelegt. Dennoch soll eine Tasse nur 2.50 Franken kosten. Schmid betont sogleich: «Wir möchten keine Konkurrenz sein für die umliegenden Cafés und Restaurants.» Diese würden der «Bauhütte»-Eröffnung jedoch entspannt entgegensehen, erklärt der Kirchenratsvertreter.

Die Eröffnung musste vorerst abgeblasen werden

Noch sieht es etwas karg aus in der Hütte. Das soll sich noch ändern bis zur Eröffnung, verspricht Thomas Schmid. Auch wenn er noch nicht genau sagen kann, wann diese effektiv stattfindet. Eigentlich war geplant gewesen, dass das Café Bauhütte Anfang September seine Türen öffnet. «Leider ist unsere Projektleiterin zwischenzeitlich schwer erkrankt», sagt Schmid bedauernd. Aufgrund dieser Erkrankung musste sie ihre Stelle diesen Sommer aufgeben. Derzeit laufen Gespräche, damit die 60-Prozent-Stelle so bald wie möglich neu besetzt werden kann. Bereits zeichne sich eine Interimslösung ab.

«Viele Menschen fühlen sich über die Festtage allein und wünschen sich einen Ort, wo sie die Einsamkeit weniger spüren und einen Schwatz halten können.»

Thomas Schmid, Mitglied Kirchenrat

«Auf jeden Fall werden wir am 25. September beim Oswald-Gassen-Fest geöffnet haben. Um auf uns aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass es uns trotz Verzögerungen gibt», sagt Schmid. Ordentlich geöffnet werde das Café realistischerweise wohl erst vor Weihnachten. «Das ist eine wichtige Zeit. Viele Menschen fühlen sich über die Festtage allein und wünschen sich einen Ort, wo sie die Einsamkeit weniger spüren und einen Schwatz halten können. Auch die Seelsorge wird in diesen Zeiten jeweils häufiger in Anspruch genommen.» Das Bauhütte-Café wird voraussichtlich ab kommendem Winter jeweils Dienstag bis Freitag von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet sein.

Die Konfession ist hier egal

Das Projekt «Bauhütte», das sowohl von der katholischen wie auch der reformierten Kirche unterstützt wird, soll ein niederschwelliges Angebot werden für Menschen, die das Gespräch mit anderen suchen. «Der Beichtstuhl hat in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren.»

Klaus Hengstler, Kirchenschreiber der Reformierten Kirche Kanton Zug, ergänzt auf Anfrage: «Klar kann man bereits heute bei Bedarf ein Pfarrhaus aufsuchen. Nur ist das für viele Menschen eine grössere Hürde.» Zudem wirkten nicht alle Pfarrhäuser gleich einladend. «In einem Café fragt hingegen niemand, was man hier will.»

Die Hemmschwelle dürfte für viele deutlich tiefer sein, meint Hengstler. Insbesondere soll die «Bauhütte» schliesslich auch ein Ort sein, an dem Menschen aller Konfessionen willkommen sind.

Früher Steinmetz-Atelier, bald ein Café.

Das Café ist relativ klein. Was, wenn einem etwas auf der Seele brennt, man dies aber nicht in Anwesenheit anderer Gäste ausbreiten mag? «Wer ein tiefschürfenderes Gespräch mit einer Seelsorgerin möchte, kann bei uns einen Termin abmachen», sagt Thomas Schmid. «Die effektive Beratung findet dann in einem Raum bei der Sankt-Oswald-Kirche statt.»

Allerdings verfüge man erst über zwei Seelsorgerinnen und einen Seelsorger. «Diese sind allesamt pensioniert und leisten diese Arbeit freiwillig. Richtigen Lohn zu zahlen, liegt für uns schlichtweg nicht drin», so Schmid. Deshalb sei man noch auf der Suche nach weiteren Fachleuten, die Freiwilligenarbeit leisten möchten.

Auch in Ruhe Kaffee trinken ist möglich

Und wenn man in der «Bauhütte» einfach einen Kaffee geniessen möchte und gar keine Lust auf grosse Gespräche hat? Schmid lacht und sagt: «Keine Sorge. Niemandem werden Gespräche aufgezwungen. Unsere Freiwilligen sind lebenserfahrene Menschen, die ein Gespür für diese Arbeit mitbringen.»

Mindestens für drei Jahre soll das Café in der alten Bauhütte Bestand haben. «Sollte unser geplantes Konzept aufgehen, auch länger.» Denn Schmid ist sich durchaus bewusst, dass man hier, in diesem von Mauern umgebenen Innenhof, kaum Laufkundschaft anlocken kann. Viele kennen die Bauhütte erst gar nicht. «Wir haben für nächstes Jahr etwas Geld für Werbung auf der Seite. Ansonsten hoffen wir auf Mund-zu-Mund-Propaganda.»

Der Aufbau des Bauhütte-Cafés ist kein Klacks, gerade in Anbetracht der unvorhergesehenen Hürden. Dass das Projekt auch nach der Eröffnung weiterhin viel Arbeit mit sich bringt, ist sich Schmid bewusst. «Dennoch möchten wir das Café unbedingt eröffnen. Das sind wir unserer bisherigen Projektleiterin schuldig. Die Bauhütte ist ihr Baby und sie hat eine ausgezeichnete Aufbauarbeit geleistet.»

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1 Kommentare
  1. Thali Brigitta, 24.09.2021, 20:22 Uhr

    Super artikel über bauhütte…..hoffentlich gibt’s auch kaffee für ungeimpfte😉.
    Mit gruss
    Brigitta thali, zug

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