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Busspur: Lohnt sich der Aufwand, Herr Borgula?
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Auf dieser Kreuzung dürfen Autofahrer, die vom Pilatusplatz her kommen, nicht mehr rechts zum KKL abbiegen. (Bild: Luca Wolf)

Verkehrsprobleme in Luzern Busspur: Lohnt sich der Aufwand, Herr Borgula?

3 min Lesezeit 8 Kommentare 02.02.2015, 16:42 Uhr

Weniger Zeitersparnis als erwartet, mehr Rückstau als befürchtet, zusätzliche Massnahmen, die nötig werden – und trotzdem lässt die Stadt ausrichten, dass sich die Umgestaltung des Bundesplatzes und die verlängerte Busspur in der Pilatusstrasse bewährt hätten. Stadtrat Adrian Borgula erklärt sich.

Seit drei Monaten ist sie Tatsache: Die durchgehende Busspur stadteinwärts in der Pilatusstrasse. Um die Busse nicht zu behindern, dürfen seither Autos jedoch von der Pilatusstrasse aus nicht mehr zum Bahnhof/KKL/Uni fahren. Wer dorthin will, muss den Umweg via Bundesplatz – Zentralstrasse nehmen. An diesem Montag hat die Stadt nun erstmals eine Zwischenbilanz veröffentlicht. Ihr Fazit: Es läuft gut, braucht aber noch diverse Anpassungen (zentral+ berichtete).

zentral+: Adrian Borgula, dank der verlängerten Busspur sind die Buspassagiere nun eine Minute schneller am Bahnhof. Lohnt sich für diese kleine Verkürzung der Reisezeit der ganze Aufwand samt Aufregung?

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Adrian Borgula: Diese Minute ist keine kleine Verkürzung. Das tönt zwar nach wenig, betrifft aber täglich 25’000 Personen. Zudem können die Busse nun zuverlässig, ohne Staus durch die Autos, verkehren.

zentral+: Früher war jedoch immer von zwei Minuten Gewinn die Rede?

Borgula: Ein Grund dafür könnte sein, dass noch immer recht viele Autofahrerinnen und Autofahrer beim Bahnhof Richtung KKL abbiegen, obwohl das verboten ist. Das behindert die Busse. Die Polizei wird die Situation weiterhin überprüfen.

zentral+: Ein Grund dafür, dass beim Bahnhof noch immer viele falsch abbiegen, liegt doch auch in der Signalisation. Vom Kasernenplatz her kommend, wird ungenügend darauf hingewiesen.

Borgula: Die Einheimischen kennen die neue Route mittlerweile, es sind hauptsächlich Auswärtige, die falsch fahren. Unserer Meinung nach genügt die heutige Signalisation, Anpassungen sind derzeit nicht vorgesehen.

zentral+: Offenbar wurde das Problem mit den Rückstaus beim Bundesplatz falsch eingeschätzt. Nun müssen diverse Massnahmen, die erst gerade realisiert worden sind, wieder rückgängig gemacht werden. Etwa die Ausfahrt vom Bundesplatz in die Bundesstrasse. Die war vorher zweispurig, dann einspurig, jetzt soll sie wieder zweispurig werden. Was lief schief?

Borgula: Man kann bei solch komplexen Themen nun mal nicht alles zu 100 Prozent genau voraussagen. 90 Prozent der Massnahmen wirken, darunter die ganz wichtigen zur Verbesserung der Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger, die restlichen 10 Prozent müssen wir nun anpassen. Damit können wir die Rückstaus in den Griff bekommen. Wir haben zu Beginn der Umsetzung gesagt, dass wir ein Monitoring der Massnahmen machen und nun konsequenterweise auch unsere Schlüsse daraus ziehen.

zentral+: Was kosten die erneuten Anpassungen?

Borgula: Wir gehen von weniger als 100’000 Franken aus. Diese gehen zu Lasten des Kantons, da es sich um eine Kantonsstrasse handelt.

zentral+: Welches sind die nächsten Massnahmen, um den ÖV zu fördern?

Borgula: Wir arbeiten unter anderem an Bus-Fördermassnahmen an der Baselstrasse und der Spitalstrasse.

Was halten Sie von den städtischen Busbevorzugungsmassnahmen? Teilen Sie uns Ihre Meinung mit und nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Hier am Hirschengraben müssten die Autofahrer, die zum Bahnhof wollen, auf die rechte Spur wechseln. Viele übersehen das noch immer.

Hier am Hirschengraben müssten die Autofahrer, die zum Bahnhof wollen, auf die rechte Spur wechseln. Viele übersehen das noch immer.

(Bild: Luca Wolf)

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8 Kommentare
  1. Robert Casagrande, 04.02.2015, 04:22 Uhr

    Die Fehler passierten bereits früher. Alles wurde in und um den Bahnhof gepackt.
    KkL, Carpark Inseli, Schifffahrt, shopping. Dazu kam Neubau Bahnhof, Überbauung Tribschenstadt, Universität. Ca. 3000 öffentl. Busse 30% mehr Einwohner, mehr Pendler, mehr Tages und Cartouristen. Jetzt redet man von einem Tiefbahnhof. Alles auf dem gleichen Platz. Das muss ja schiefgehen. Wir brauchen Busterminals rund um die Stadt. Wir brauchen eigentlich einen 2. Bahnhof. Wir brauchen ein unterirdisches Metrosystem aber nicht nur bis zum Schwanenplatz.
    Ganz persönlich finde ich es lächerlich, dass man 170 Busse die max 2x auf dem Schwanenpatz halten für den Verkehrskolapps verantwortlich macht.

  2. Simon Hofstetter, 03.02.2015, 11:50 Uhr

    Herr Borgula hat durchaus recht, das Verkehrssystem in Luzern als “komplexes Thema” zu bezeichnen. Es gibt aber weitaus komplexere Systeme, deren Funktionsweise von Fachleuten z.B. dank Modellen ziemlich gut verstanden werden können. Im vorliegenden Fall handelt es sich bei diesen Fachleuten um Verkehrsingenieure. Zwar können diese – Herr Borgula liegt auch hier richtig – die Folgen von Massnahmen, wie sie mit der Einführung zusätzlicher Busspuren und der Änderung des Verkehrsregimes am Bundesplatz ergriffen worden sind, nicht mit 100 prozentiger Sicherheit voraussagen, da das Verhalten der Verkehrsteilnehmer sich lediglich abschätzen aber nicht mit absoluter Gewissheit voraussagen lässt. Sich nun aber auf komplexe Systeme zu berufen und weismachen zu wollen, man hätte das Verkehrschaos rund um den Bundesplatz nicht im Voraus erahnen können, ist eines gewissenhaften Politikers, der sich der Konsequenzen seines Handels für die Verwendung von Steuergeldern (ob diese nun via Stadt, via Kanton oder via Bund fliessen ist völlig egal!) unwürdig. Verkehrsplanung ist die Domäne von Fachleuten, welche es verstehen, Verkehrsflüsse zu modellieren und Schlüsse daraus zu ziehen. Verkehrsplanung sollte aber nicht die Domäne sein von Leuten, die aus ideologieschen und parteipolitischen Gründen mit Steuergeldern Versuche am realen Objekt (z.B. Bundesplatz) vornehmen …

  3. Ueli Hunkeler, 03.02.2015, 09:00 Uhr

    Ich verstehe ‘Hansi’ nicht, der meint, dass die Verkehrsmassnahmen des Stadtrates Luzern zur ‘Schnarchstadt’ machen. Das Gegenteil ist doch der Fall. Dank Verkehrsberuhigung, weniger Staus, Lärm und Abgasen wird Luzern für Fussgänger-, Velofahrer- und ÖV-Benutzer attraktiver, lebenswerter. Genau dies wird den Deailhandel beleben. Ist doch viel schöner, in einer solchen Umgebung zu flanieren als im gesichtslosen Shopping-Center. Das haben doch die verkehrsfreien Einkaufszonen in allen Städten der Welt schon gezeigt. Und, um in einer Papeterie (z. B. Donnini) einzukaufen, muss ich doch nicht mit dem Auto vorfahren können! Falls ich eine Büromaschine oder sonst etwas Sperriges kaufe, müsste halt ein Hauslieferdienst zur Verfügung stehen. Innovative Unternehmer haben dies schon länger umgesetzt.

  4. David Stalder, 02.02.2015, 22:47 Uhr

    Also dermassen komplex wäre die Gedankengänge ja nun wirklich nicht gewesen, die man hätte vollziehen müssen, damit einem bereits im Vornherein klar gewesen wäre, dass die Reduktion der Ausfahrt Bundesplatz->Bundesstrasse von einer auf zwei Spuren zu Problemen führt.
    Ich würde vielmehr behaupten, dass jeder durchschnittlich begabte Zwölfjährige dies vorhergesehen hätte.
    (Schliesslich handelt es sich hier im Wesentlichen ja um die Situation einer zweispurigen Fahrbahn, die dann für wenige Meter auf eine Spur verengt wird, um danach wieder auf zwei Spuren erweitert zu werden. Inwiefern dieser neue künstliche “Flaschenhals” den Verkehrsfluss nicht hätte verschlechtern sollen, ist nun beim besten Willen nicht vermittelbar.)

    Ich finde es allerdings bedauerlich, dass die Behörden mit solchen fragwürdigen Aussagen den Eindruck erwecken, die Bevölkerung entweder für dumm verkaufen zu wollen oder alternativ selbst völlig inkompetent zu sein.
    Denn der Überbordende Individualverkehr wäre ja meines Erachtens ein sehr wichtiges Thema, bei welchem durchaus auch drastische Massnahmen ins Auge gefasst werden müssten.
    Aber wenn man sich als Behörde permanent unglaubwürdig macht, sehe ich hier wenig Erfolgschancen.

  5. Daniel Wehner, 02.02.2015, 22:24 Uhr

    woher nehmen die autofahrenden eigentlich das recht, die freie fahrt auf irgendeiner strasse dieser stadt zu fordern? es gibt ja verschiedene verkehrsteilnehmer. aber die autofahrer schreien immer am lautesten und am dümmsten. während die fussgänger zur schweigenden mehrheit gehören. wie oft stehe ich an einem der fussgängerstreifen an der pilatusstrasse und warte 30 sekunden, eine minute, zwei minuten, eine gefühlte ewigkeit lang. zentral+ hat einmal einen interessanten artikel dazu gebracht und die zeiten gemessen. viel zu lange!!! in diesem sinne, weiter so, herr borgula. die stadt macht das absolut richtige. dem OeV die freie Fahrt ermöglichen. von mir aus müssten gar keine privatautos mehr auf der pilatusstrasse fahren, man sollte den MIV unattratraktiver machen.

  6. Konrad Durrer, 02.02.2015, 21:18 Uhr

    Haben sie schon mal geschaut wieviele Personen in den Autos sitzen. Man könnte mit einem halben Bus die ganze Pilatusstrasse leerfegen! Und für ein paar Gewebeautos hätte es auch noch Platz.

  7. Lea Häfliger, 02.02.2015, 17:45 Uhr

    Ach ja, und attraktiv ist eine Stadt dann, wenn sie im Verkehrschaos versinkt, weil alle Einwohner nur noch mit dem Auto unterwegs sind? Was ist bitte IHR Vorschlag, um die Verkehrssituation zu verbessern? Die Trottoire abschaffen und durch zusätzliche Fahrspuren ersetzen?

  8. Hans Gseh, 02.02.2015, 17:30 Uhr

    habe ich das Gefühl, dass der Stadtrat (und insbesondere Herr Borgula), tatsächlich glaubt was er uns erzählt oder er hält die Bevölkerung für völlig verblödet. Ich vermute, dass eher das Zweite zutrifft, womit ich mich allerdings persönlich beleidigt fühle. Liebe Statdluzerner, ihr habt es bei den nächsten Wahlen selber in der Hand ob Luzern attraktiv für Geschäfter und Bewohner bleibt, oder ob es eine Schnarchstadt wird wo alle mit dem Velo über die mit Rasen bepflanzten Strassen fahren.