Bund unterstützt   Nationales Testzentrum für Cybersicherheit in Zug
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Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) ist Präsident des Trägervereins für ein Nationales Testzentrum für Cybersicherheit. (Bild: zvg)

Luzerner Nationalrat Franz Grüter mit dabei Bund unterstützt Nationales Testzentrum für Cybersicherheit in Zug

4 min Lesezeit 18.03.2021, 12:44 Uhr

Obwohl der Zuger Kantonsrat sämtliche Beiträge zu den Zukunftsprojekten von Zug+ sistiert hat, könnte es bei zwei Programmen schnell gehen. Bereits nächstes Jahr sollen das Nationale Testzentrum für Cybersicherheit und eine Anlaufstelle für IT-Sicherheit den Betrieb aufnehmen.

Liest man den Realisierungsplan fürs Nationale Testzentrum für Cybersicherheit (NTC), das im Kanton Zug entstehen soll, reibt man sich die Augen: Bis auf zwei Schritte hat die Zuger Regierung die meisten Vorarbeiten für die «Cyber-EMPA» bereits erledigt.

Dies, obwohl noch unklar ist, ob der Kantonsrat dem Nachtragskredit für zwei Millionen Franken zustimmen wird, der für die Einrichtung des Zentrums nötig ist. Auch ist noch nicht festgelegt, wo dieses Testinstitut überhaupt angesiedelt wird.

Doch wurde bereits im vergangenen Herbst der Bedarf für ein solches Testzentrum abgeklärt und Verbindungen zur Bundesverwaltung und ins nationale Parlament geknüpft.

Bund beteiligt sich finanziell

Als der Kantonsrat im November einen Marschhalt für alle Zukunftsprojekte von Zug+ anordnete und die Regierung zu einem Zwischenbericht verpflichtete, der die finanziellen Konsequenzen für alle Programme aus den Bereichen Bildung, Demografie und Ökologie aufzeigt, hatte der Regierungsrat den wichtigsten Partner bereits ins Boot geholt.

«Uns war es wichtig, das Einverständnis und die Unterstützung des Bundes für das Testzentrum zu erhalten», sagt der federführende Regierungsrat Heinz Tännler (SVP). Mittlerweile liege die Zusicherung des Bundes, sich finanziell am NTC zu beteiligen, vor.

Nationalrat Franz Grüter (SVP) mit dabei

Der Trägerverein fürs NTC wurde noch im Dezember gegründet. Im Vorstand sitzt ein wichtiger Mann aus dem Eidgenössischen Finanzdepartement: Florian Schütz, Delegierter des Bundes für Cybersicherheit.

Auch der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter ist mit von der Partie. Er hatte im Nationalrat per Motion eine «Beteiligung des Bundes beim Aufbau und Betrieb des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit» gefordert, die von 46 Parlamentariern mitunterzeichnet wurde.

«Mittlerweile ist auch der Businessplan fürs NTC erstellt», sagt Heinz Tännler. Das gelte auch fürs zweite Cyber-Projekt, eine Anlaufstelle für KMU im Zusammenhang mit IT-Sicherheit.

«ITSec4KMU» will die Widerstandsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Cyberbereich stärken – mithilfe einer Plattform, einem Netzwerk und eigenen Dienstleistungen. Auch diese Anlaufstelle sollte nach Plan bereits im kommenden Jahr ihren Betrieb aufnehmen.

Tännler: «Wir stehen Gewehr bei Fuss.»

Die Grundsatzdebatte, die der Kantonsrat zu den Projekten von Zug+ wünscht, werde zur Verzögerung von einigen Monaten führen, sagt Tännler. «Derzeit stehen wir Gewehr bei Fuss». Nach der Staatswirtschaftskommission muss der Kantonsrat sein Placet zu Nachtragskrediten geben.

«Insbesondere die Anlaufstelle für KMU zur IT-Sicherheit ist eine gute Sache.»

Andreas Hürlimann, Fraktionschef ALG

Auf eine Anfrage von zentralplus zu den beiden Cyberprojekten bei allen Zuger Kantonsratsfraktionen reagierten nur deren zwei. Das könnte bedeuten, dass die Meinungsbildung noch wenig fortgeschritten ist. Oder dass beide Projekte unumstritten sind und man lieber über Details in anderen Programmen diskutieren möchte.

KMU haben kaum Hilfe

Andreas Hürlimann, Fraktionschef der Alternativen – die Grünen, meint, er sähe eigentlich im Rahmen von «Zug+» gern ein grösseres Engagement für Projekte im Bereich Umwelt und Energie. «Aber insbesondere die Anlaufstelle für KMU zur IT-Sicherheit ist sicher eine gute Sache.» Kleinere Unternehmen hätten in diesem Bereich noch kaum Ansatzpunkte, um Unterstützung abzuholen.

Das Thema Cybersicherheit sei eine grosse Herausforderung, meint Hürlimann, der einem Nationalen Testzentrum persönlich nicht abgeneigt ist. «Allerdings kann ich noch wenig über den konkreten Nutzen des Zentrums für den Kanton Zug sagen.»

Werbung für den Standort

Von der Aussenwirkung her ist das Nationale Testzentrum für Cybersicherheit das aufsehenerregendste Zug+-Projekt. Es ist eine werbewirksame Idee für den Standort, die gut zu früheren Initiativen wie dem Crypto Valley passt.

Das mag auch erklären, warum auch die andere Polpartei, die SVP, keinerlei inhaltliche Einwände hat. Man werde beide Projekte «grossmehrheitlich oder einstimmig unterstützen», sagt Fraktionspräsident Philip C. Brunner.

Überschaubare Kosten

Sollte der Kantonsrat den Nachtragskredit für die beiden Programme sprechen, so wird dies bei der KMU-Anlaufstelle zu geringen Folgekosten führen – jährlich 25’000 Franken hat die Zuger Regierung dafür projektiert.

Beim NTC rechnet man 2022 und 2023 mit Folgekosten von einer Million Franken, anschliessend jährlich mit der Hälfte.

Vorausgesetzt der entsprechende Kantonsratsbeschluss kommt zustande, soll fürs Nationale Testzentrum für Cybersicherheit eine Trägerstiftung gegründet und im Herbst die Realisierung angegangen werden.

Verschiedene Szenarien

Dazu gebe es verschiedene Szenarien, sagt Tännler: «Wir wollten ursprünglich mit der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa zusammenarbeiten.» Doch das sei nicht möglich, jedoch eine Kooperation mit der ETH allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt denkbar. Daneben prüfe man die Zusammenarbeit mit privaten Einrichtungen, so der Zuger Finanzdirektor.

Das kann Spekulationen über den Standort des NTC hervorrufen. Während die Anlaufstelle für KMU in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern, die in Rotkreuz ihren Informatik-Campus unterhält, realisiert wird, wäre für das Nationale Testzentrum auch das V-Zug-Areal denkbar, wo ein Tech Cluster entstehen soll.

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