Was andere besser machen
Darum hat die Stadt Luzern beim Thema nachhaltige Ernährung Nachholbedarf

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Die Stadt Luzern hat Nachholbedarf bezüglich nachhaltiger Ernährung. (Bild: Pexels)

Im Vergleich mit zehn Schweizer Städten schneidet Luzern eher schlecht ab, wenn es um ein nachhaltigeres Ernährungssystem geht. Weshalb dies so ist und was andere Städte bereits besser machen, zeigt Martina Brun in ihrem Blogpost auf.

Was haben Sie heute gegessen? Wir sättigen unseren Magen meistens dreimal täglich, sind uns jedoch nicht immer bewusst, welchen Einfluss unsere Ernährung auf unsere Umwelt hat. Was bei uns auf den Teller kommt, kann unser Klima, die Umwelt, die Gesundheit sowie die soziale Gerechtigkeit beeinflussen. Unser heutiges Ernährungssystem verursacht entlang der gesamten Wertschöpfungskette negative Wirkungen.

Beginnend als Beispiel mit der Verschmutzung unseres Trinkwassers und dem Verlust unserer Biodiversität durch die heutigen Produktionstechniken, die Machtkonzentration von Verarbeitern und Grosshändlern, die dem kleinen Gewerbe wie Metzgereien und Bäckereien das Leben schwermachen. Aber auch die Konsumenten sind sich eine grosse Auswahl gewohnt, egal wie saisonal oder regional die Produktion ist.

Warum brauchen wir die Städte?

Der Preis spielt dann sicher auch noch eine Rolle, sei es im Laden oder im Restaurant. Dazu wissen wir, dass unsere Ernährung 30 Prozent unseres ökologischen Fussabdruckes ausmacht. Wie kommen wir also zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem? Und warum spielen die Städte eine führende Rolle in der Wende zu einem nachhaltigeren System?

Durch ihre Beschaffungspolitik und Vorbildfunktion kann eine Stadt durchaus darauf Einfluss nehmen, wie die regionale Produktion gefördert und welche Qualität für die Zubereitung verwendet wird.

Vorbild Kopenhagen

Die Förderung von lokalen Verarbeitern kann Wertschöpfung in der Region generieren. Zudem braucht es auch Aufklärungsarbeit, um den Konsumenten aufzuzeigen, welche Auswirkungen ihr Konsumverhalten haben kann. Als führendes Beispiel ist die Beschaffungspolitik der Stadt Kopenhagen interessant.

Die Dänen haben es geschafft, fast 100 Prozent regionale Bio-Produkte in ihren Kantinen zu verarbeiten. Sie sind Teil vom «Milan Urban Food Policy Act» den auch Basel, Lugano, Zürich und Lausanne unterschrieben haben. Mit ihrer Unterschrift anerkennen sie die wichtige Rolle der städtischen Politik und bemühen sich um ein nachhaltigeres Ernährungssystem in ihrer Stadt.

Was macht die Stadt Luzern?

Im Jahr 2018 und noch einmal 2019 führte Greenpeace eine Analyse der Ernährungsrichtlinien in zehn Schweizer Städten durch. Luzern war auch dabei. Die Stadt belegte vor Biel und Lugano den drittletzten Platz. Die Kriterien waren «Betreuung und Schule», «Verwaltung und Öffentlichkeit» sowie «Fleisch und Milchprodukte».

Das Fazit war, dass in vielen Städten sowie auch in Luzern die Nachhaltigkeitsbemühungen im Bereich Ernährung höchstens eine Nebenrolle spielen. Was sind die Gründe für dieses Ranking?

Durch die Initiative des Vereins Sentience Politics zur Energiepolitik und Ernährung wurde die Thematik besprochen. Das Thema Ernährung wurde im Zusammenhang mit dem Energiegesetz diskutiert. Die Stadt Luzern hat im Jahr 2019 das Energiegesetz überarbeitet und darin ist ein Artikel zur nachhaltigen Ernährung.

Artikel 5b3 Nachhaltige Ernährung: Die Stadt setzt sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Förderung der nachhaltigen Ernährung und die Information über den Einfluss der Ernährung auf das globale Klima und die Umwelt ein.

Keine verbindlichen Vorgaben

Dieser Artikel ist ein verheissungsvoller Anfang und kann als gute Basis für eine Ernährungsstrategie der Stadt dienen. Jedoch gibt es momentan keine verbindlichen quantitativen Richtlinien für die Beschaffung der Lebensmittel. Die Ernährungsrichtlinien der Volksschulen sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, sind aber nicht verpflichtend.

Zudem gibt es keine Richtlinien für Fleisch und Milchprodukte. Auch das Personalrestaurant der Stadt hat keine verpflichtenden Nachhaltigkeits-Richtlinien und das Thema der Fleischkonsumation ist nicht verbindlich. Jedoch wird festgehalten, dass es immer eine Vegi-Option gibt.

Zur Aufklärung führte die Stadt Luzern im 2019 einen Themen-Monat zum Thema Foodwaste mit der OGG Bern (Oekonomische Gemeinnützige Gesellschaft) durch. Damit wurde mit verschiedenen Veranstaltungen auf das Thema der Essensverschwendung aufmerksam gemacht.

Was machen andere Städte? Beispiel Bern

Bern ist Vorreiter bei der Betreuung und Schulen. Die Richtlinien schreiben vor, dass Fleisch und Fisch nur ein- bis zweimal pro Woche serviert werden dürfen. Zudem wird darauf geachtet, dass Zutaten mehrheitlich regional beschafft werden und möglichst saisonal sind. Auch muss das Label mindestens IP-Suisse, wenn möglich Bio-Qualität sein.

Zudem organisiert Bern jedes Jahr die Kulinata. Dabei handelt es sich um ein zweiwöchiges Festival, an dem alle Menschen, die in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette beteiligt sind, sich präsentieren können. Es finden Workshops zu verschiedenen Themen statt.

Auch hat die Stadt Bern auf den Jahreswechsel entschieden, dass sie eine 30-Prozent-Stelle finanziert, um ein regionales Ernährungsnetzwerk aufzubauen. Dieses Netzwerk soll dazu dienen, alle Akteure sichtbarer zu machen und zu vernetzen. Zudem kann das Netzwerk politische Prozesse für ein nachhaltiges Ernährungssystem unterstützen.

Lausanne

Lausanne verfügt über eine umfassende Ernährungsstrategie. Die Ziele der Strategie «Lausanne Cuisine 5.0», welche im Moment überarbeitet werden, um aus der Implementierung zu lernen, sind nach der ersten Entwicklungsphase folgende:

  1. 70 Prozent der Lebensmittel stammen aus der Region
  2. 30 Prozent der Lebensmittel tragen ein Label
  3. Die Menus sind mit der Schweizer Lebensmittelpyramide konform
  4. Ein fleischfreier Tag pro Woche
  5. Eine Reduktion von Foodwaste

Zudem wurde eine Kampagne zur Reduktion des Fleischkonsums gestartet.

Zürich

Zürich hat im Juni 2020 auch eine umfassende Ernährungsstrategie mit folgenden Zielen präsentiert:

  1. Die vermeidbaren Lebensmittelverluste liegen unter 10 Prozent der Produktionsmenge
  2. Das Angebot entspricht den Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide
  3. Der Anteil nachhaltiger Produkte beträgt 50% und besonders bedenkliche Produkte werden nicht verwendet
  4. Die Umweltbelastung der Ernährung sinkt um 30% gegenüber dem Jahr 2020

Zudem hat die Stadt Zürich seit 2017 ein Ernährungsforum, welches ein Netzwerk aufbaut und die politischen Prozesse in Fragen zur Ernährung begleitet.

Luzern kann von anderen lernen

Betrachtet man also das Engagement von anderen Städten, fällt auf, dass die Stadt Luzern durchaus noch Potenzial hat, sich für ein nachhaltigeres Ernährungssystem in der Region einzusetzen.

Wichtig wäre, eine umfassende nachhaltige Ernährungsstrategie mit qualitativen Richtlinien zu entwickeln, die nicht nur das öffentliche Beschaffungswesen betrifft, sondern auch die Lebensmittelflüsse analysiert und schaut, wie die Stadt sich aktiver für ein Ernährungssystem mit Zukunft einsetzen kann. Zentral ist, dass andere Städte schon erste Erfahrungen gemacht haben und Luzern durchaus davon lernen kann und nicht alles neu entwickeln muss.

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1 Kommentare
  1. Roland Grüter, 08.07.2020, 17:21 Uhr

    Und was wird uns noch weiter befohlen. Was man isst, ist Privatsache, nicht Aufgabe des Staates oder obskuren Organisationen und Besserwissern. Trägt die Bloggerin z.B.eine Maske, oder gehört sie zum Kreis der Verweigerer. Das Resultat: Entweder sinnvoll oder laissez-faire Mentalität. Hier, bei der Maskentragpflicht, ist ein Zwang geboten, nicht aber beim Essen.

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