Werbung oder kreative Nutzung?
Bauwand-Kunst in Zug

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Dreidimensionale Werbung (Bild: Tanja Rösner-Meisser)

Bauwände beeinflussen gerade jetzt im Sommer stark die Wahrnehmung der Stadt Zug. Drei regionale Beispiele zeigen die unterschiedlichen Funktionen der Bauwand.

Eine Bauwand, welche rund um eine Baustelle aufgestellt wird, hat mehrere Funktionen. Die Wand bildet eine räumliche Trennung zwischen Baustelle und Nicht-Baustelle. Sie hält den «gemeinen Fussgänger» davon ab, in die Baugrube zu stürzen, weil er sich gerade via Smartphone über die Gefahren im Alltag informiert.

Fläche mit persönlicher Notiz

Auf der Gegenseite markiert sie für den «gemeinen Bauarbeiter» die Grenze, bis zu welcher hin er sich mit Material und Tätigkeit ausbreiten kann. So viel zur Grundfunktion. Nun, inzwischen ist uns bekannt, dass grosse weisse oder graue Flächen in gut frequentierten Gegenden gerne für persönliche Notizen gebraucht werden. Ungeachtet der Besitzverhältnisse, erinnert man die Umgebung mittels Farbspray auf der Wand an seinen eigenen Namen, an seinen Lieblingsfussballclub oder aber im besten Fall natürlich an seine wirklich künstlerische Fähigkeit.

Information anstatt Fremdnutzung

Möchte nun der Besitzer eine Fremdnutzung dieser Fläche verhindern, gestaltet er diese am besten gleich selbst. Auch er hat hier die Wahl zwischen der Funktion der Eigenwerbung oder Werbung der Baufirmen, eine Information oder Botschaft mitzuteilen oder aber Kunst zu zeigen.

Eine klare Abgrenzung zwischen diesen Möglichkeiten ist nicht zwingend. Umso besser, wenn eine Botschaft mit Kunst vermittelt (im Wissen, dass Kunst an sich ja gerne eine Botschaft in sich trägt) oder eine Eigenwerbung mit einer Botschaft verbunden wird. Dazu drei Beispiele aus derZuger Umgebung.

Beispiel 1 setzt auf Gold. (Bild: Tanja Rösner-Meisser)

Beispiel 1 setzt auf Gold. (Bild: Tanja Rösner-Meisser)

Beispiel 1 – Eigenwerbung mit Botschaft

Gesehen an der Nordzufahrt in Zug. Seit einigen Monaten stehen dort Bauwände für die Vorbereitungsarbeiten, und markant ausgespart wird dabei der Platz für einen Würfel – so gross wie ein Einfamilienhaus. Die Wände des Würfels sind aus einem Textil gefertigt, welches auf ein Metallgerüst aufgezogen wurde. Der Würfel seinerseits bildet sich aus 27 goldenen Klötzchen.

Gleich nebenan wird mit diesen goldenen Klötzchen grafisch auf der Bauwand gespielt. Man stelle sich vor, eine unsichtbare Hand baut von Abbildung zu Abbildung Klötzchen auf Klötzchen. Die grafische Qualität, der Name des Bauprojekts «Quadrolith», die wörtlich abgebildete Botschaft «Einfach. Goldrichtig.» – das alles scheint aus der Hand eines professionellen Marketing-Fachmanns zu kommen.

Gold und Bronze für Zug

Ebenfalls auf der Bauwand sieht man der Grund für die Eigenwerbung. Ein Bürobau-Areal mit mehreren Gebäuden mit einer natürlich goldfarbenen Fassade. Was für ein grossartiges und kreatives Image, welches hier bei der Ein-/Ausfahrt von Zug präsentiert wird.

Nicht ganz was ich mir als Zuger wünsche, wenn ich Zug nach aussenhin als einen eigentlich bodenständigen Ort repräsentieren möchte. Aber Werbung funktioniert nun mal so. Immerhin passt der künftige Bau zum Nachbarn, dem älteren bronzefarbenen Bürokomplex. Fehlt nur noch die Silbermedaille für das Podest.

Auf der nächsten Seite finden Sie weitere spannende Beispiele aus Zug.

Seite 2

Beispiel 2 – Botschaft mit Eigenwerbung

Sympathischer als beim «Quadrolith» machten es die Verantwortlichen bei der Überbauung Riedmatt zwischen Cham und Zug. Erst kürzlich wurde die letzte Bauetappe beendet. Während Jahren sind die Bauwände von Schulkindern z.B. mit unterschiedlichsten Smileys bemalt worden. Als Betrachter gehe ich automatisch davon aus, dass in der Nähe ein Schulhaus sein könnte oder aber die gebauten Wohnungen familienfreundlich sein könnten.

Ob gewollt oder nicht – es wurde eine Botschaft vermittelt, die meines Erachtens mit dem Ergebnis übereinstimmt. Ein Vorteil ist auch, dass sich die kleinen Künstler und Künstlerinnen inklusive Familien automatisch mit dem Neubauprojekt identifizieren. Schliesslich wurde sicher am einen oder anderen Wochenende der eigenen Familie das künstlerische Smiley gezeigt.

Familien- und kinderfreundlich

Nebst den Bauwänden ist bei diesem Projekt die Dichte auffällig. Die Mehrfamilienhäuser folgen einer mäandernden Linie. Die dadurch entstehenden Zwischenräume werden zum See hin breiter, dort vermutet man auch die hellsten Wohnungen. Die gezackte Gebäudekante hatte ebenfalls zum Ziel, möglichst vielen Wohnungen den Blick in die Landschaft zu ermöglichen und die Belichtung zu optimieren.

Die drei Fassadenfarben Rostrot, Oker und Schwarz ergeben eine schöne Kombination. Zum Veloweg hin ist allerdings die schwarze Fläche sehr dominant. Die Umgebungsgestaltung mit den hohen Gräsern, dem feinen Wegnetz und den Spielgeräten aus Holz und Seil mag diese Härte etwas aufzubrechen. Nach Rückbau der Bauwand mit den Smileys wird das Quartier nun hoffentlich durch lachende Gesichter der Bewohner mitgestaltet.

Beispiel 3 spricht eine aktuelle Thematik an. (Bild: Tanja Rösner-Meisser)

Beispiel 3 spricht eine aktuelle Thematik an. (Bild: Tanja Rösner-Meisser)

Beispiel 3 – Botschaft mittels Kunst vermitteln

Die Siemens bedient sich aktuell mehrerer Funktionen der Bauwände. Einerseits informativ mittels schriftlicher Mitteilung «Wir bauen Zukunft! Hier entsteht der neue weltweite Hauptsitz von Siemens Building Technologies.» und weiteren Ausführungen zu ihren Technologien. Dies beinhaltet zwischen den Zeilen auch gleich die Botschaften, innovativ und erfolgreich zu sein.

Fotomontagen zeigen, wie sich das Areal künftig präsentieren wird. Informativ sind auch die durchsichtigen Öffnungen, wiederum mit einer Wortbotschaft kombiniert «Creating perfect places – live». Auch hier, ein Marketing-Profi am Werk.

Aktuelle Thematik

Richtig professionell wird dann aber die Bauwand zwischen der Siemensbaustelle und dem Wohngebäude an der Theilerstrasse. Eine schwarze Silhouette mit markanten Gebäuden aus aller Welt zieht sich über die über 100 m lange Wand. Dazwischen sind Umrisse von Menschen unterschiedlichster Kulturen, Generationen und Lebenssituationen zu sehen. Eine französische Tänzerin, ein älteres Ehepaar am Gehstock oder ein Mann mit Leuchtweste.

Hier waren Künstler am Werk

Die Leuchtweste ist aber nicht gemalt, sondern aus originalem Stoff an der Wand befestigt. Richtig fasziniert bin ich von der Frau mit dem leichten, durchscheinenden Kopftuch, welches wunderbar in Falten drapiert ist und leicht im Wind weht.

Hier waren Künstler am Werk. Die Klasse 4C der Kantonsschule Zug, welche das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen thematisieren. Herzliche Gratulation an die Projektautorin Nicole Gilli zu diesem aussergewöhnlich ansprechenden Werk, mit einer Botschaft, welche aktueller gar nicht sein könnte. 

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