Corona-Helfer: Aufruf zu Freiwilligenarbeit  löst Naserümpfen aus
  • Politik
Freiwillige Fachkräfte sollen bei der Durchführung von Corona-Tests mithelfen. (Bild: flickr)

Kanton Luzern sucht Fachkräfte Corona-Helfer: Aufruf zu Freiwilligenarbeit löst Naserümpfen aus

2 min Lesezeit 2 Kommentare 09.11.2020, 20:12 Uhr

Der kantonale Führungsstab ruft Fachkräfte dazu auf, sich für Freiwilligenarbeit in der Corona-Bekämpfung zu melden. Die Entlöhnung gibt zu reden. Manche sehen dies als unerhörten Aufruf zur Billig-Arbeit in einem Bereich, der zuvor Sparübungen ausgesetzt war.

Hohe Fallzahlen, Ansturm auf die Testzentren, Personal in Spitälern und Altersheimen am Anschlag. Um ein solches Szenario zu vermeiden – oder zumindest einzudämmen – hat der Führungsstab des Kantons Luzern einen Aufruf gestartet: Freiwillige sollen sich melden, um Organisationen und Institutionen bei der Corona-Bekämpfung zu unterstützen.

Dabei kann aber noch lange nicht jede mitmachen, die zwei Hände und Hilfsbereitschaft mitbringt. Gesucht werden Fachkräfte aus der Pflege, medizinische Praxisangestellte, Laboranten oder Apothekerinnen. Sie sollen etwa Abstriche in den neuen Testzentren machen oder administrative Arbeiten erledigen.

Zudem sollte jede Person mindestens mit einem Pensum von 50 Prozent verfügbar sein. Der Kanton will die Bewerbungen prüfen. Im Falle einer Zusammenarbeit sind die Interessierten dann aufgerufen, die Details mit den Institutionen und Organisationen direkt zu klären.

Der Aufruf löst beim Luzerner SP-Präsidenten David Roth Kopfschütteln aus:

Doch will der Kanton wirklich nichts bezahlen? In der Formulierung im Newsletter heisst es zunächst: «Der Kanton Luzern schliesst für die freiwilligen Helfer während des Arbeitseinsatzes eine Personenversicherung ab.» In der Regel wird eine solche Versicherung abgeschlossen, wenn kein Arbeitsvertrag unterzeichnet wird.

Aussagen des Führungsstabes lassen Spielraum für Spekulationen

Jung-CVPler Elias Meier weist Roth auf Twitter darauf hin, was anschliessend im Newsletter steht: «Die finanzielle Entschädigung und weitere Details zum Arbeitsverhältnis werden direkt mit den Institutionen besprochen, für welche die Einsätze geleistet werden.»

Den Freiwilligen wird zwar kein fixer Lohn versprochen, eine Entschädigung soll aber im Einzelfall ausgehandelt werden. Ob es sich dabei um ein «Sackgeld» handelt, wie Roth und die Gewerkschaften vermuten, oder um eine der Ausbildung entsprechende Entlöhnung, wird aus der Formulierung nicht klar. Auch die Aussage von Andreas Schmid, Koordinator Freiwilligenarbeit beim Kantonalen Führungsstab, gegenüber der «Luzerner Zeitung» lässt Spielraum für Interpretationen. Er sagt: «Freiwillig heisst nicht gratis.»

Aber was heisst es dann? Beenden kann die Diskussion, die auf Twitter aktuell munter läuft, der Kanton, indem er eine klare Ansage macht. Oder aber die Fachkräfte: In wie grosser Zahl sie sich melden werden, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

In der Zwischenzeit lockert Komiker Mike Müller die durchaus ernst gemeinte Debatte mit Ironie etwas auf:

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2 Kommentare
  1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 10.11.2020, 14:30 Uhr

    Der Regierungsrat könnte mit gutem Beispiel voran schreiten und fortan Freiwilligenarbeit leisten. Das Parlament zieht uneigennützig direkt nach. Und das würdige Ehrenamt ohne Entlöhnung geniessen. Vielleicht noch ein heiteres, kollegiales Jahresend- und Rückblick-Nachtessen auf Kosten des Steuerzahlers (Cervelats vom Grill und ein Bürli). Aber eben, seine eigenen Pfründe will man natürlich unangetastet lassen! Wasser predigen und Wein (aber bitte Bordeaux) trinken war noch nie so en vogue wie heute!

  2. CScherrer, 10.11.2020, 08:36 Uhr

    Ich erachte dieses Vorgehen schon als störend. Es zeigt wohl auch die Haltung gewisser Politiker und Staatsangestellten. Eine Leistung ist in jedem Fall zu entlöhnen. Im Übrigen stimmt die Aussage nicht, dass Personenversicherungen abgeschlossen werden, wenn kein Arbeitsvertrag vorliegt. Bei Personenversicherungen handelt es sich um Krankentaggeldversicherung, Krankenversicherung (so genannte Kollektive Heilungskostenverträge / Rabattierungsverträge), Unfallversicherung etc.
    Welche Leistungen sollen Freiwillige von einer Versicherung erhalten? Wohl kaum eine Geldleistung, wenn diese nicht bezahlt werden. Dann kann es sich lediglich um eine so genannte Heilungskostenversicherung handeln, welche die Behandlungskosten übernimmt. Würde bedeuten, dass der Kanton dann die Prämien bezahlt?
    Die Argumentation steht auf schwachen Beinen und ist falsch. Der Kanton ist angehalten, auch diese freiwilligen Helferinnen und Helfer angemessen zu entlöhnen und die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen resp. den Löhnen abzuziehen.

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