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Angst vor Chaos: 70’000 Metal-Freaks in Luzerner Gärten
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So wie in Wacken könnte es nächsten Sommer in Ihrem Garten in Luzern aussehen. (Bild: Achim Raschka / CC-BY-SA-4.0)

Exklusiv: Stadt warnt vor «Allmend rockt» Angst vor Chaos: 70’000 Metal-Freaks in Luzerner Gärten

4 min Lesezeit 7 Kommentare 01.04.2016, 05:00 Uhr

Dass es laut wird und eng mit den Parkplätzen am «Allmend rockt», ist bekannt. Doch nun tauchen weitere Probleme auf. Ein offizieller Brief, der zentralplus vorliegt, deutet darauf hin, dass der Ansturm Dimensionen annehmen wird, welche die Luzerner völlig überfordern wird. Und auch ihre private Infrastruktur.

Iron Maiden und Rammstein werden über 70’000 Rockfans anlocken – und das sind nur die, die schon Tickets gekauft haben. Wie viele zusätzliche Fans und Schaulustige anreisen werden, ist völlig offen. Am ersten Juni-Wochenende werden die beiden Konzerte auf der Allmend über die Bühne gehen – ein organisatorisches Riesenprojekt. Und scheinbar hat sich die Stadt damit etwas übernommen.

Ein Brief, der zentralplus vorliegt, soll in der kommenden Woche an die Neustadt-Luzerner, Horwer und Krienser Haushalte verteilt werden. Und dieser Brief macht klar: Es wird alles viel heftiger als gedacht.

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SBB und Hotels ohne Kapazitäten

Der Brief ist eine Warnung der Stadt und vor allem eine Aufforderung an die Bevölkerung: «Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, um ein Chaos zu verhindern und die Sicherheit in unserer Stadt während dieses Wochenendes zu gewährleisten.»

Die SBB könne wegen des gleichzeitig stattfindenden Eröffnungsfestes des Gotthard-Basistunnels keine zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung stellen. Deshalb, und weil man sich vor Unruhen in der Luzerner Innenstadt fürchtet, werden die Fans nach den Konzerten nur gestaffelt wieder aus dem Gelände gelassen. Also werden sich gezwungenermassen ein Wochenende lang zehntausende Menschen auf der Allmend aufhalten. Übernachtungsmöglichkeiten müssen her.

Kampieren in Gärten und Stuben

Auf der Allmend selbst wird das Kampieren nicht möglich sein. Da jedoch auch eine internationale Versicherungsmesse zur selben Zeit in den Messehallen stattfinden wird und der Tourismus in der Hochsaison ist, sind zahlreiche Hotels und Zeltplätze bereits ausgebucht.

Die Veranstalter rufen deshalb Private auf, ihre Gärten und Grundstücke für das Kampieren von Konzertbesuchern freizugeben. Zelte sollen in den Gärten aufgeschlagen, Zimmer und Betten angeboten werden. Auch auf öffentlichen Plätzen, in Schul- und Sportanlagen will man die angereisten Metal-Fans unterbringen.

Die Quartiervereine sind empört über das Einbrechen in die Privatsphäre der Anwohner und fordern diese zum Boykott auf. Man fürchtet sich vor Schlammschlachten, Wildpinklern, Gartenscheissern und Bettklauern – vor enthemmten und laut grölenden Fans eben.

Gerade bei schlechtem Wetter und erhöhtem Alkoholkonsum der Gäste sei das Chaos und die Zumutung für die Bewohner nicht auszumalen. Luzern soll nicht zu einem zweiten «Wacken» werden, so der Quartierverein. Er behält sich vor, Nachbarschaftswachen zu organisieren.

Bussen für Anwohner geplant

Die Stadt versucht mit dem Schreiben und einem beiliegenden Benimm-Flyer für Anwohner, zwischen diesen und dem Konzertpublikum zu vermitteln. Im Brief macht die Stadt auf das alte kommunale Gastrecht von 1478 aufmerksam, wonach leerstehende Betten für anklopfende Schutzsuchende freigegeben werden müssen.

Die Stadt wolle sogar kontrollieren, ob Anwohner ihre Zimmer anbieten, die laut Einwohnerregister mehr Wohnräume als Hausbewohner gemeldet haben. Bussen werden angedroht. zentralplus-Recherchen ergeben, dass die Stadt schon im Voraus mit Einnahmen von mehreren hunderttausend Franken rechnet.

Im Benimm-Flyer wird über die Eigenheiten von Rock- und Metal-Fans informiert. Über düstere oder freizügige Kleidungsgewohnheiten, unheimlichem Körperschmuck, spontanes Schreien, Zunge-Herausstrecken und wildes Gestikulieren mit abgespreizten Zeigefinger und kleinem Finger. Man solle sich bei einem unvorhergesehenen Zusammentreffen mit einem Metal-Fan nicht ängstigen, sondern bestenfalls mit eben diesen Gesten antworten und anschliessend unauffällig die Strassenseite wechseln.

Wie am «Wacken» in Deutschland könnten sich die Gäste auf der Allmend ungewöhnlich kleiden und auch benehmen. Die Stadt informiert darüber in einem Benimm-Flyer. (Bild: moviemento)

Wie am «Wacken» in Deutschland könnten sich die Gäste auf der Allmend ungewöhnlich kleiden und auch benehmen. Die Stadt informiert darüber in einem Benimm-Flyer. (Bild: moviemento)

Vier Pfoten und Til Lindemann

Diverse Vereine und Organisationen schalten sich nun ebenfalls mit ihren Befürchtungen ein: Vier Pfoten sorgt sich um die Haustiere, welche sich nun nicht nur durch den ohrenbetäubenden «Lärm» der Bands, sondern auch vor betrunkenen lärmenden und kopulierenden Gästen fürchten müssen. Um die Sicherheit von Kleintieren ist auch die Kirche besorgt. Es könnte durchaus zu spontanen satanischen Ritualen in den Gärten kommen – daher seien Häschen und Meerschweinchen in der Wohnung wohl besser aufgehoben. Die Suva warnt vor Hörschäden, Pro Juventute vor zu viel Drama und Pro Senectute empfiehlt den Luzernern vorsorglich, in die Ferien zu fahren und das Haus von privaten Securitas sichern zu lassen. Am besten von Hip-Hop-Fans – die bestimmt nicht ans Allmend rockt pilgern werden.

Ebenfalls zu beachten: Der Liebesstatus von Til Lindemann ist nach der Trennung von It-Girl Sophia Tomalla noch immer unklar, deshalb werden neben den Konzertbesuchern tausende zusätzliche Gäste in Luzern erwartet: Vor Hotel und in den Strassen kampierende, sehr aufreizend gekleidete Frauen. Die Stadt empfiehlt daher: Kinder im Schulalter sollten bis zu diesem Wochenende hin eine Grundaufklärung über das Balzverhalten geschlechtsreifer Grossstädter erhalten haben.

Hinweis der Redaktion: Herzlichen Dank für die vielen Rückmeldungen. Natürlich handelt es sich hier um einen 1. April-Scherz! Wir hoffen, Sie haben sich amüsiert!

Das getrennte Paar Til Lindemann und Sophia Tomalla. (Bild: Screenshot Gala.de)

Das getrennte Paar Til Lindemann und Sophia Tomalla. (Bild: Screenshot Gala.de)

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7 Kommentare
  1. Laura Barchi, 01.04.2016, 16:46 Uhr

    Sehr cool, phantastisch toll geschrieben, musste immer wieder Schmunzeln ;))

  2. Thom Wyss, 01.04.2016, 16:06 Uhr

    Na klar, Metal/Rock Fans sind ja gar böse Jungs.. es wird kein Chaos geben, weil
    A ein schöner Aprilscherz
    B ein schöner Aprilscherz

    PS diese Fans sind übrigens sehr, sehr friedlich, das sind keine schwachsinnigen Hooligans..nein..!

  3. Sonja Rizzi, 01.04.2016, 15:07 Uhr

    Beim Lesen wurden meine Augen immer grösser und grösser……. Gastrecht von 1478…..die Kinnlade…… Habe herzlich gelacht, danke!

  4. Sonja Rizzi, 01.04.2016, 15:07 Uhr

    Beim Lesen wurden meine Augen immer grösser und grösser……. Gastrecht von 1478…..die Kinnlade…… Habe herzlich gelacht, danke!

  5. Silvan Marty, 01.04.2016, 13:42 Uhr

    Panik….
    Doch für Fußball wird halbe Stadt abgeriegelt….

  6. Marina Kälin, 01.04.2016, 12:54 Uhr

    Sie sind wohl reingefallen, schauen Sie mal auf das heutige Kalenderblatt… 😉

  7. Stefan Goldlücke, 01.04.2016, 12:26 Uhr

    Meine Güte – glaubt man wirklich das Festivalbesucher die vielleicht nicht gerade Musik von vor hunderten Jahren hören Barbaren seien ?

    Ein paar reisserische Bilder und furchteinflössende Schilderungen und schon zieht jeder Stacheldraht um seinen Grund, bringt Frauen und Kinder in Sicherheit und holt die Armeeutensilien zur Verteidigung aus dem Keller ?

    Kulturelle Vielfalt ist etwas das belebt und frischen Wind in staubige Windungen des Denkapparates bläst. Man sollte sich eher Gedanken machen wie man die Versorgung löst und die Freude und Geldströme in sinnvolle, wiederkehrende Kanäle leitet.

    Allen Zweiflern seien die qualifizierten Dokumentationen über Wacken empfohlen, die zeigen wie begeistert die ländliche Bevölkerung mitmacht und selbst wesentliche grössere Anstürme meistert. Wohlgemerkt – Luzern ist eine Großstadt in der Schweiz !