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30 Stunden frech sein
  • Kultur
Für die kleinsten Besucher: Nannina Benz-Leupi und Irma Steiger erzählen die MusiGeschichte. (Bild: zvg )

«Lampenfieber» im Theater Casino Zug 30 Stunden frech sein

5 min Lesezeit 11.09.2014, 16:36 Uhr

Das Theater Casino Zug wagt sich an ein neues Format. Eines, das Ausdauer erfordert und Grenzen auslotet. Mit «Lampenfieber» gibt es geballte Kultur, dreissig Stunden lang ununterbrochen, im ganzen Haus verteilt. Es ist ein Programm für alle Bevölkerungsschichten, an dem nicht nur Künstler wie Marco Rima und Fratelli-B für Aufregung sorgen dürften.

Es braucht schon ein gewisses Mass an Dreistigkeit, einen Anlass zu organisieren, der 30 Stunden lang andauert, in einem Haus, das normalerweise nur für die Dauer eines Konzertes oder eines Theaterstücks besucht wird. Und nicht nur an der Länge des Anlasses wird geschraubt, auch ist auf einmal fast das ganze Haus für alle zugänglich.

Alphörner zum Sonnenaufgang

Ein bisschen frech ist das schon. Und genau so soll «Lampenfieber» daher kommen, findet Samuel Steinemann, der Intendant des Theater Casino Zug. «Natürlich ist das Theater Casino Zug ein traditionsreiches Haus, aber frech darf es trotzdem sein.» Das widerspräche sich überhaupt nicht, erklärt Steinemann weiter. «Es ist ja nicht so, als würden wir Traditionen über den Haufen werfen. Wir versuchen nur, das Maximale rauszuholen. Wir wollen das Positive aus den Räumen herausbringen, aus dem Dachstock, der Künstlergarderobe, der Regie.» Plötzlich werden für einmal Orte bespielt, besungen und betanzt, die überhaupt nicht dazu gedacht wären. Insgesamt sind es 17 Schauplätze im ganzen Theater Casino Zug. 

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Doch was, wenn die Musiker spielen, aber das Publikum fernbleibt – zum Beispiel mitten in der Nacht? «Tatsächlich, es wäre für die Musiker sehr frustrierend, wenn sie ohne Publikum dastünden», so Steinemann. Für diesen Fall habe man vorgesorgt. «Um drei Uhr morgens spielt die letzte Band, gleichzeitig gibt’s eine Jamsession. Diese kann solange weitergehen, wie es passt oder eben jederzeit ausklingen. Danach wird nur noch Loungemusik gespielt bis um 6.40 Uhr.» Warum gerade bis um 6.40 Uhr? «Kurze Zeit danach geht die Sonne auf. Und das wird untermalt mit einem Konzert der Zuger Alphornbläservereinigung.» Bei gutem Wetter hat auch die Nachbarschaft etwas davon. Dann findet die Aufführung nämlich auf der Terrasse statt. Es dürfte ein spannendes Zusammentreffen geben zwischen ersten Frühaufstehern und exzessiven Partygängern.

Kein Ersatz für «Casino Style»

«Lampenfieber», soll nicht im geringsten ein Ersatz darstellen für «Casino Style», ein Format, bei dem klassische Musik auf eine Party traf. Nach zehn Durchführungen wurde der Anlass im Frühling abgesetzt. «Nur schon, weil die Konzepte völlig unterschiedlich sind, kann man die beiden Anlässe nicht vergleichen», so Steinemann. Beim «Casino Style» wollte man den jungen Menschen die Schwellenangst nehmen, ihnen die klassische Musik näher bringen. «Lampenfieber» hingegen soll alle Bevölkerungsschichten anlocken. Mit Kinderprogrammen, Tanzworkshops, Lesungen, kulinarischen Extras und unzähligen Konzerten wird dafür etwas für jeden Geschmack dargeboten.

Und noch etwas soll der Anlass erreichen, erklärt Steinemann: «Wir wollen der Zuger Bevölkerung etwas zurückgeben und gleichzeitig Zuger Künstlern eine Plattform bieten.» Tatsächlich wurden für «Lampenfieber» ausschliesslich Mitwirkende aus Zug angeheuert. Es sind etwa 50 Künstlergruppen, über 250 Mitwirkende insgesamt. Mit dabei sind sowohl Bühnen-Neulinge wie auch alte Hasen. Zu zweiterer Gattung zählen zweifelslos die Hip Hop-Band Fratelli-B oder der Komiker Rob Spence, die jeweils im Theatersaal auftreten.

Neben diesen eher pompösen Darbietungen werden auch subtilere Orte zu Bühnen umfunktioniert. So veranstaltet der Theatermacher Beat O. Iten zwei Lesungen, eine davon am Samstagmittag in der Künstlergarderobe, eine weitere nachts um drei Uhr im alten Kassenhäuschen. Das dürfte reichlich «skurril» werden, verrät Iten.  Was er genau lesen werde sei noch nicht klar, doch passend zur späten Nachtstunde, sei ein makabres Gedicht von Heinrich Heine eingeplant. Dass die Lesung so spät in der Nacht stattfindet, stört Beat O. Iten überhaupt nicht. «Ich bin ein absoluter Nachtmensch. Demnach werde ich bis zur Lesung wach bleiben.»

Der Schlafsack ist kein No-Go

Wer 30 Stunden «Lampenfieber» hautnah erleben will, der benötigt das ein oder andere Nickerchen. Wie steht es denn um die Möglichkeiten, um sich auszuruhen? Samuel Steinemann sagt: «Schlafgelegenheiten haben wir keine. Aber in der Lounge hat es Sofas, wo sich das müde Publikum ausruhen kann.» Und wie steht es um Kulturbegeisterte, die mit dem eigenen Schlafsack anreisen? «Überlegt haben wir uns das zwar nicht, aber wir würden diese Leute bestimmt nicht abweisen. – Vielleicht wäre es jedoch empfehlenswert, eine Isoliermatte mitzubringen» sagt er und lacht. Mit Nachdruck erklärt Steinemann: «Natürlich wird für die Verpflegung gesorgt. So gibt es beispielsweise ein Frühstücksbuffet. Auch Mitternachtssuppe ist erhältlich, falls jemand in der Nacht Hunger bekommt.»

Die Zuger Tänzerin Seraina Sidler-Tall vereint, zusammen mit Ay Wing und Marc Jenny, Tanz mit Gesang und Instrumentalklängen. Für Sidler war sofort klar, dass sie bei «Lampenfieber» nicht fehlen will. «Normalerweise ist das Theater Casino nicht sehr offen für Zuger Künstler. Der Radius hat sich erst mit dem aktuellen Intendanten geöffnet. Darum müssen wir schon mitmachen, wenn sich uns die Möglichkeit bietet.» Für die drei Künstler sind es spezielle Aufführungen. «Wir treten im Foyer des Casinos auf. Das heisst, wir müssen die Aufführung neu umsetzen und anpassen. Je nach Wetter beginnen wir draussen, quasi als Begrüssung der Gäste.»

Tanz darf beim «Lampenfieber» nicht nur bestaunt, sondern auch selber ausgeführt werden. Dies in verschiedenen Tanz-Workshops.

Eine willkommene Herausforderung

«Lampenfieber» ist eine koordinative Herausforderung. Nicht zuletzt deshalb, weil während 30 Stunden immer genügend Personal am richtigen Ort sein muss. «Besonders für Verantwortliche wie unsere Projektleiterin Imelda Beer, die sämtliche Fäden dieses Grossevents in den Händen hält, und den Leiter der Veranstaltungstechnik, André Stocker, dürfte es anstrengend werden.» Doch dass es ein Anlass mit gewissen Risiken wird, ist den Organisatoren bewusst.«Das suchen wir ja auch», beteuert der Intendant. Bis jetzt kämen die Vorbereitung gut voran, es laufe alles nach Plan. «Was noch fehlt sind die Details, kleinere Ideen und Überraschungen, die wir einbauen möchten. Daran arbeitet Imelda Beer jetzt noch auf Hochtouren.»

Auf die Frage, warum das ganze Projekt «Lampenfieber» heisst, antwortet Samuel Steinemann: «Wir wollen ein Kulturfest kreieren, bei dem das Theater Casino Zug 30 Stunden lang vibriert, wo mitgefiebert wird. Jetzt schon ist es toll zu erleben, wie alle Beteiligten richtig auf den Anlass hin fiebern.»

Quelle: Youtube

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