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«Wir können nicht so tun, als wäre nichts geschehen»
  • Politik
Andreas Lustenberger von den Zuger Alternativen – die Grünen ist überzeugt: «Gratis-ÖV würde die Verkehrsspitzen in Zug entschärfen.» (Bild: zvg )

Andreas Lustenberger neu ALG-Präsident «Wir können nicht so tun, als wäre nichts geschehen»

5 Min 04.03.2016, 09:00 Uhr

Die Zuger Alternativen stecken in der Krise – er soll frischen Wind bringen: Andreas Lustenberger hat trotz seines jungen Alters schon einige Erfahrungen gesammelt. Wie er die Partei neu ausrichten will, und wie es nach der Schlammschlacht vom letzten Jahr weitergehen soll, sagt er im Interview.

Am Mittwochabend haben die Zuger Alternativen einen neuen Präsidenten gewählt (zentralplus berichtete): Andreas Lustenberger übernimmt das Amt von Barbara Beck–Iselin, die bis im Herbst die Leitung im Kopräsidium mit Jolanda Spiess-Hegglin geführt hatte. Lustenberger bringt einige Erfahrung aus seinem Amt als Kopräsident der jungen Grünen Schweiz mit – aber wird das reichen, um die Alternativen wieder auf Erfolgskurs zu bringen?

zentralplus: Es war ein hartes Jahr für die Zuger Alternativen – die Grünen. Sie musste bei den Nationalratswahlen einen Verlust von gut acht Prozent Wähleranteil hinnehmen (zentralplus berichtete). Sie übernehmen in einem schwierigen Moment. Wie wollen Sie die Partei wieder auf Kurs bringen?

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«Es ist nicht alles falsch, was die Partei zuvor gemacht hat.»

Andreas Lustenberger: Es geht sicher nicht darum, die Partei um 180 Grad zu verändern. Das, was uns letztes Jahr so viele Wählerstimmen gekostet hat, ist auch ein Stück weit über die Partei hereingebrochen, durch die Umstände an der Landamannfeier. Wir müssen jetzt nicht alles neu erfinden, sondern wieder stärker zeigen, welche Politik die Alternativen – die Grünen machen. Denn kurz vor den Nationalratswahlen letztes Jahr konnten wir noch zulegen – und Kantonsratssitze gewinnen. Es ist also nicht alles falsch, was die Partei zuvor gemacht hat.

zentralplus: Sie kommen direkt aus dem Präsidium der jungen Grünen Schweiz – ist der Wechsel in die kantonale Politik nicht eine Verminderung Ihrer Gestaltungsmöglichkeiten?

Lustenberger: Ich sehe es nicht als Rückschritt. Bei den jungen Grünen mussten wir auch immer um Aufmerksamkeit kämpfen, da die Jungpartei im Schatten der Mutterpartei stand. Und überdies sind es die kantonalen Sektionen, die eine nationale Partei ausmachen. Wenn da nichts läuft, passiert auch national nichts.

zentralplus: Wie werden Sie die Partei ausrichten?

Lustenberger: Es ist wichtig, dass wir uns nicht verzetteln. Es ist klar, dass wir nur sehr schwer mehrheitsfähige Vorstösse machen können, da wir als Linke noch in der Minderheit sind. Deshalb müssen wir uns auf die Kernpunkte konzentrieren.

zentralplus: Welche Akzente wollen Sie setzen?

«Wir sitzen hier quasi an der Speerspitze des globalisierten Kapitalismus.»

Lustenberger: Erstens müssen wir die Ungerechtigkeiten bei den internationalen Konzernen angehen, die in Zug ihren Sitz haben. Wir sitzen hier quasi an der Speerspitze des globalisierten Kapitalismus. Der Fisch stinkt vom Kopf, deshalb sollten wir hier in Zug eine Politik machen, die für gerechtere Verhältnisse sorgen kann. Zweitens ist die Wohnsituation in Zug immer noch bedenklich, wir möchten uns dafür stark machen, dass auch weniger Verdienende sich hier eine Wohnung leisten können. Und drittens wird auch das Migrationsthema für uns wichtig sein.

zentralplus: Keines dieser Themen ist besonders grün – steuern Sie die Partei weiter in Richtung «links» statt in Richtung «Grün»?

Lustenberger: Das habe ich beim Aufzählen auch gemerkt (lacht). Aber die grünen Themen sind grundlegend, sie sind immer da. Es ist ein Fakt, dass wir nur einen Planeten haben und dass wir unseren Fussabdruck auf eine Erde verkleinern müssen. Ich bin auch im Komitee der Zersiedelungsinitiative, die ein grünes und ein linkes Anliegen vereint. Wir sind immer noch das grüne Gewissen des Kantons – nicht so wie die GLP, die sich für einen ÖV-Abbau stark gemacht hat. Es passiert in dieser Sache einiges, der Richtplan etwa wird angepasst. Aber damit wir überhaupt grüne Politik machen können, müssen wir das Wirtschaftssystem anpassen, bei dem im Moment nur ganz wenige zu den Gewinnern gehören. Erst dann sind ökologische Anliegen wirklich umsetzbar.

zentralplus: Sie sind der jüngste Präsident aller kantonalen Zuger Parteien – ausser den Jungparteien natürlich. Werden die Alternativen jetzt zur Rebellenpartei?

Lustenberger: Wir wollen frischen Wind in die Partei bringen. Es braucht einen Generationswechsel und eine jüngere, pointiertere Politik mit klareren Ansagen. Ich denke schon, dass die jüngere Generation ein bisschen anders politisiert als die ältere. Und dieser Generationswechsel wird von der Partei auch gewünscht, Barbara Beck-Iselin hat ihn eingeleitet, als sie für das Parteisekretariat Marco Knobel einstellte. Wir werden vielleicht etwas klarer im Tonfall werden.

zentralplus: Es gab unter den linken Parteien die Hoffnung, dass sich die SP und die Alternativen dereinst etwas besser verstehen könnten – sie sind ja traditionell verkracht. Die Jungparteien hatten das besser gemacht – auch mit Ihnen bei den jungen Alternativen. Jetzt sind Sie Parteipräsident der Alternativen und haben prompt vor einigen Wochen die SP angefeindet, weil sie in der Kommission dafür gestimmt hatte, dass reiche Ausländer keinen Deutschkurs machen müssen. Geht das Spiel wieder von vorne los?

«Es hilft weder der SP noch den Alternativen, wenn sie eine Einheitspartei bilden.»

Lustenberger: Es ist wichtig, dass sich die beiden Parteien unterscheiden. Es hilft weder der SP noch den Alternativen, wenn sie eine Einheitspartei bilden. Deshalb finde ich es wichtig, dass man inhaltliche Differenzen herausstreicht. Jetzt, im speziellen Fall der Deutschkurse, hat sich das ja wieder gelegt: Die SP hat Nein gestimmt im Kantonsrat und war damit auf der gleichen Seite wie wir.

zentralplus: Das letzte Jahr war für die Alternativen vor allem deshalb so schwierig, weil die Vorfälle an der Landammannfeier und die mediale Schlammschlacht um Jolanda Spiess-Hegglin auch auf die Partei übergriff. Die Alternativen haben Jolanda Spiess-Hegglin lange getragen, bis diese den Austritt nahm. Ist da ein Verrat geschehen? Geistert in der Partei noch ein schlechtes Gewissen rum oder kann sie jetzt wirklich von vorne beginnen?

Lustenberger: Es gibt kein schlechtes Gewissen. Jolanda ist selber ausgetreten, weil sie und wir gemerkt haben, dass wir nicht mehr zusammenarbeiten können. Für uns ist dieses Thema nun abgeschlossen. Aber für den Kanton Zug natürlich nicht. Wir können deshalb nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen. Das wird vielleicht ein paar Jahre dauern, bis wir zeigen können: Die Alternativen waren schon lange da und machen schon lange konsequente Politik, und das werden wir auch in Zukunft tun.

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