Kultur

Zwei Kulturfrauen im Portrait
So tickt das Traumduo vom Kleintheater Luzern

Sonja Eisl (links) und Judith Rohrbach fungieren seit nun sechs Jahren als Traumduo in der Luzerner Theaterszene. In anderthalb Jahren ist damit jedoch Schluss.
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Sonja Eisl (links) und Judith Rohrbach fungieren seit nun sechs Jahren als Traumduo in der Luzerner Theaterszene. In anderthalb Jahren ist damit jedoch Schluss. (Bild: zVg)

Sonja Eisl und Judith Rohrbach sind die beiden Köpfe, die seit nun sechs Spielzeiten hinter dem Kleintheater Luzern stehen. Ein Duo, das eingespielt und zielstrebig unterwegs ist. Und trotzdem ist ein Ende ihres Engagements am Bundesplatz in Sicht.

Seit sechs Spielzeiten sind sie das Duo in der Luzerner Kleinkunst-, Tanz- und Theaterszene. Sonja Eisl und Judith Rohrbach führen gemeinsam das Kleintheater Luzern – und zwar mit viel Herzblut. Das merken wir, als wir sie zum Gespräch im digitalen Meetingraum antreffen.

Von Teamwork und viel freiwilligem Engagement

Eigentlich präsentieren wir ja in dieser Serie verschiedene Einzelpersonen, die die Kulturszene Luzerns auf ihre ganz eigene Art und Weise prägen. Eisl und Rohrbach aber gehören fix zusammen, wie sie von sich selbst sagen – zumindest wenn es um ihre Arbeit in der Kulturbranche geht. «Wir sind Partnerinnen in Crime», erklären sie uns. Deswegen geben sie gleich zu zweit Auskunft über ihren Alltag, ihr Dasein und ihr Schaffen.

«Im Kleintheater haben Co-Leitungen schon fast ein bisschen Tradition», erklärt Eisl als erstes. Denn: Im Kleitheater sind sie noch längst nicht das erste Duo, das den Laden führt. «Gemeinsam sind wir vielfältiger in der Gestaltung und stärker aufgestellt. Deswegen sind wir auch sehr überzeugt von dieser Art und Weise zu arbeiten», ergänzt Rohrbach. Zusammen bilden sie das Hirn des Theaters am Bundesplatz, das einst vom Luzerner Komiker Emil Steinberger gegründet wurde. Die beiden führen ein Team, bestehend aus verschiedenen Angestellten, sowie aus beinahe 80 freiwilligen Helferinnen.

Untereinander haben die beiden Geschäftsleiterinnen gewisse Rollen klar verteilt, andere Aufgabe bewältigen sie gemeinsam als Team. Während Eisl für Kommunikation und Werbung zuständig ist, verantwortet Rohrbach die Bereiche Personal und Finanzen.

Eisls und Rohrbachs grosse Rucksäcke

Die beiden sind zwei recht unterschiedliche Persönlichkeiten, ziehen aber am gleichen Strick. Das spürt, wer mit ihnen spricht. «Uns verbindet die Faszination für die grosse Bandbreite von Theater in seinen unterschiedlichsten Genres und Formen», erklärt Eisl, die selber aus einer dieser Ecken kommt. «Nachdem ich Theater- und Filmwissenschaften studiert hatte, arbeitete ich für sehr lange Zeit in der freien Szene. Unter anderem machte ich in dieser Zeit halt an Stationen wie der Tuchlaube Aarau, der Dampfzentrale in Bern, der Roten Fabrik in Zürich oder auch an verschiedenen Schweizer Festivals.»

Einen etwas anderen, aber nicht minder passenden Hintergrund hat ihre Kollegin Rohrbach: «Ich bin professionelle Tänzerin. Nach Jahren im Ausland bin ich in die Schweizer Szene eingetaucht und habe unter anderem eine kleine Kompanie in Luzern aufgebaut. Später folgte eine Weiterbildung in Kulturmanagement.»

«Wir ergänzen uns gut, wenn es um Argumente für oder gegen ein Stück geht. Und ich sehe bei Judith jeweils schon während des Stücks, ob es ihr gefällt oder nicht.»

Sonja Eisl, Co-Leiterin Kleintheater Luzern

Das gesunde Selbstverständnis

Nebst viel koordinativer Arbeit kümmert sich das heutige Leitungsduo im Kleintheater Luzern auch um die Programmation des Kulturhauses. Sie ist breit gefächert, reicht von Stücken aus dem freien, oft lokalen Theater bis hin zu Kabarett- und Comedyprogrammen. Darunter fallen auch «Big Names» wie Mike Müller oder Hazel Brugger.

«Auch hier funktionieren wir extrem gut miteinander. Denn insbesondere in diesem Teil unserer Arbeit brauchen wir unbedingt die Meinung voneinander. Immer wieder gehen wir uns irgendwo ein Stück anschauen, um später zu entscheiden, ob wir es zu uns ins Haus holen wollen oder nicht. Wir ergänzen uns gut, wenn es um Argumente für oder gegen ein Stück geht. Und ich sehe bei Judith jeweils schon während des Stücks, ob es ihr gefällt oder nicht», so Eisl lachend.

Während der Spielzeiten verbringen die beiden bis zu sechs Tage pro Woche zusammen. Da bleibt nicht mehr viel Freizeit übrig. Doch kann man Eisl und Rohrbach auch in ihrer Freizeit im Duo antreffen? «Das kommt schon immer wieder mal vor. Aber wir sehen und sprechen uns wirklich sehr oft. Vor kurzem sind wir beispielsweise – wenn auch teils beruflich – gemeinsam ans Arosa Humor Festival gefahren, wo wir auch viel Zeit ausserhalb der Arbeit gemeinsam verbracht haben.» Ansonsten verbindet die beiden ihre Liebe zur Natur, die sie auch ab und an mal auf eine gemeinsame Wanderung verschlägt.

«Es gehört nicht zur Ausnahme, dass wir bis um zwei Uhr nachts im Kleintheater sind und eine spontane Team-Disco feiern.»

Judith Rohrbach, Co-Leiterin Kleintheater Luzern

«Bei uns beschränkt sich der gute Draht untereinander aber nicht nur auf uns beide. Generell haben wir bei uns im Team einen sehr familiären Umgang. So gehört es nicht zur Ausnahme, dass wir bis um zwei Uhr nachts im Kleintheater Luzern sind und eine spontane Team-Disco feiern.» Die beiden lachen. Seit der Pandemie komme dies leider etwas zu kurz, bedauert Eisl an dieser Stelle.

Kleintheater Luzern: Eine Bühne im Wandel

Nicht zu kurz kommen die seit der Pandemie immer wichtiger gewordenen digitalen Lösungen. Im Fokus der Arbeit der beiden Frauen liegt seit einiger Zeit nebst der alltäglichen Arbeit ein grösseres Projekt, das für das Theater zukunftsweisend sein soll (zentralplus berichtete). «Gemeinsam mit der Hochschule Luzern entwickeln wir nämlich derzeit ein Projekt, das es uns erlaubt, hybrid geführte Spielzeiten einzuführen. Das heisst: Das Publikum kann nicht nur physisch im Saal sitzen, sondern auch von irgendwo auf der Welt her mit dabei sein», so Eisl.

«Wir wollen einfach alle miteinbeziehen können und das Theater wirklich jeder und jedem schmackhaft machen und so unsere Branche zukunftsweisend mitgestalten.»

Sonja Eisl, Co-Leiterin Kleintheater Luzern

Rohrbach ergänzt, dass es natürlich nicht die Idee sein sollte, das Theater zu einem einsamen Erlebnis zu machen. Doch solche mehrspurigen Lösungen seien für die Zukunft unverzichtbar und ein Schritt, der jetzt wichtig ist. «Im April werden wir im Rahmen dieses Projektes ein Festival zu digitalem Theater organisieren, wo unser Publikum unter anderem virtuelle Shows miterleben kann – rein digital und vor Ort. Dazu haben wir 40 VR-Brillen bestellt, die ein multimediales, einmaliges Erlebnis garantieren sollen», so Rohrbach weiter.

Eisl ergänzt: «Wir wollen einfach alle miteinbeziehen können und das Theater wirklich jeder und jedem schmackhaft machen und so unsere Branche zukunftsweisend mitgestalten.» Ein Anliegen, das sich übrigens auch mit einem anderen Herzensprojekt deckt, das die beiden seit drei Jahren am Laufen haben: Unter dem Pro-Infirmis-Label «Kultur inklusiv» setzen sie als erste Kleinkunstbühne der Schweiz auf barrierefreie Kultur.

Derzeit handelt es sich beim Projekt, eine digitale Bühne zu schaffen, um ein grosses Experimentierfeld, an dem getüftelt und geplant wird. Dennoch soll die Spielzeit im Jahr 2022 bereits hybrid gefahren werden. «Mit der Unterstützung des Kantons Luzern können wir dieses Projekt überhaupt umsetzen. Denn derzeit handelt es sich um ein reines Investitionsprojekt, das bisher noch keine Früchte abgeworfen hat. Wir sind aber sicher, den Ball damit in die richtige Richtung spielen zu können.»

Der Abgang in Sichtweite

Und dann die Überraschung: Im Juni 2023 werden die beiden Co-Leiterinnen das Kleintheater Luzern verlassen. Die Zukunft der beiden steht dabei noch in den Sternen – immerhin liegen noch anderthalb Jahre zwischen heute und ihrem Abgang. «Wir haben in den vergangenen Jahren sehr vieles realisieren und ermöglichen können und das Kleintheater als modernen zukunftsgerichteten Theaterbetrieb weiter verankert. Nun brauchen wir selbst neue Inspirationen und Ziele», so Eisl.

Rohrbach ergänzt: «Die Zeit im Kleintheater war grossartig, trotzdem ist es für uns auch aus kulturpolitischen Überlegungen wichtig, dass die Leitung eines Theaterbetriebes in einem gewissen Turnus weitergegeben wird, damit neue Ideen und Prozesse angestossen werden können.»

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2 Kommentare
  1. Hegard, 26.12.2021, 18:19 Uhr

    E.Steinberger hatte da auch Harte Zeiten erlebt und nicht so viele Helfer.
    Aber er ist ein Kommiker mit Niveau.
    Nicht die jetzigen Komiker,die sich nur noch Primitiv verkaufen

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    1. remo.genzoli, 27.12.2021, 17:24 Uhr

      Welche «jetzigen Komiker», die sich «primitiv verkaufen», kommen Ihnen gerade so spontan in den Sinn?

      0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter

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